Musste letzte Woche wegen Comic-Salon leider nochmal pausieren und bin dieses Mal auch schon wieder spät dran. Aber was solls, diese Woche sind es WM-bedingt zum Glück nur sehr wenige Neustarts.
Vielleicht mal im Fernsehen: Cindy liebt mich nicht: Beim ersten Gucken des Trailers konnte ich mich gar nicht auf den Inhalt konzentrieren, weil ich den Song (Daliah Lavis 1971er-Schlager “Willst du mit mir gehn”) aus irgendeinem Grund so toll finde. Der Film ist eine deutsche Dreiecks-Geschichte, die angenehm leicht, aber nicht blöd daherkommt. Zwei Männer, die die gleiche Frau lieben, müssen sich zusammentun, weil eben jene Frau sich plötzlich nicht mehr meldet. Für einen Fernsehabend vielleicht mal das richtige.
Mammoth (Mammut): Familiendrama mit großen Ambitionen: ein scheinbar perfektes Vater-Mutter-Kind-plus-Kindermädchen-Idyll geht kaputt, weil der Vater ungewollt eine Kettenreaktion auslöst, die sich über den halben Erdball entspannt. Das erinnert an Inárritus Babel, aber die Kritiken lesen sich durchweg so, als sei Regisseur Lukas Moodysson an seinem eigenen, zu hohen Anspruch gescheitert. Ein paar Stichworte: “kitschige Verlogenheit”, “plakativ”, “Sozial-Schmonzette”, “Binsenwahrheit”, “überfrachtetes Drehbuch”, “Global-Soap”. Schade eigentlich, denn grundsätzlich sieht der Film sehr interessant aus.
Swinki (Ich, Tomek): Polnisches Drama über die Blitzkarriere des jungen Tomek vom Schulbub über Strichjunge zum Zuhälter. Harter Sozialrealismus, an dem die Rezensenten vor allem den Hauptdarsteller Filip Garbacz loben.
Muss nicht sein: My Name is Khan: Au weia, hier will jemand ganz viel auf einmal. Bollywood-Superstar Shah Rukh Khan spielt einen indischen, muslimischen Autisten in den USA, der nach dem 11. September unter Terrorverdacht gerät und nicht nur seine Haut, sondern auch seine große Liebesbeziehung retten muss. Inszeniert mit einer Menge Pathos, und in den deutschen Kinos von knapp drei auf gute zwei Stunden zusammengekürzt. Ganz sicher nichts für mich.
Marcello Marcello: Nostalgische Rom-Com aus Italien, die in Italien spielt, aber aus deutsch-schweizerischer Produktion stammt. Mit der geballtesten Ladung an Südeuropa-Kitsch, die man sich nur vorstellen kann. Das mag vielleicht nicht mal uncharmant sein, kommt im Trailer aber derart kalkuliert und klischeehaft daher (allein schon diese märchenonkelige Off-Stimme!), dass ich kotzen möchte.
Die österreichische Sendung ohne Namen, die ich 2006 zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt entdeckt hatte, nämlich kurz vor ihrer Einstellung, erscheint wieder ein bisschen auf der Bildfläche. Für eine Greenpeace-Aktion zum Klimaschutz schnipselten David Schalko und Fred Schreiber in bewährter Manier ein Video zusammen. Zwar mit mainstreamtauglicher moralischer Botschaft und nicht allzu subversiv, aber trotzdem mit dem typischen SoN-Touch: ca. 1 Schnitt pro Sekunde und eine fröhlich auf- und zuschnappende Text-Bild-Schere.
Und das Schöne ist: diesmal ist es auch im Internet zu sehen. Genau das ist nämlich das Problem bei Schalkos und Schreibers Beiträgen: Es ist wohl unmöglich, sich bei all den kleinen Einzelteilen urheberrechtlich entsprechend abzusichern, drum gibt es (offiziell) kein SoN-Material im Netz. Das ist wohl auch der Grund, dass in der Online-Ausgabe der schönen Show Willkommen Österreich (mit Stermann und Grissemann) regelmäßig ein Element fehlt: nämlich der obligatorische Einspieler vom Schneidetisch der Herren Schalko und Schreiber.
Hier nun aber der angekündigte Beitrag für Greenpeace:
1. Akt: Filmkritiker Ekkehard Knörer bespricht im Perlentaucher Michael Hanekes Das weiße Band und wirft dem Film vor allem vor, dass er dem Zuschauer genau vorschreibt, wie er zu interpretieren sei und ihm keinerlei eigenen Spielraum lasse. Eine scharfsinnige und -züngige Rezension, die sich zu lesen lohnt.
2. Akt: Wolfram Schütte, langjähriger Feuilletonredakteur der Frankfurter Rundschau und ein großer Freund des Ampersands, antwortet darauf mit einem Text, ebenfalls beim Perlentaucher. Sein Text ist eine Kritik an der Kritik, eine Rezension der Rezension (und damit schön meta), garniert mit einigen persönlichen Angriffen gegen Knörer.
3. Akt: Die Replik auf die Replik - Knörer antwortet wiederum auf Schütte. Da wird’s dann grundsätzlich, es geht u.a. um Knörers Credo als Kritiker und sein Verständnis von Kunst. Vielleicht ist das schon eine Metaebene zuviel und ein bisschen sehr angestrengt, aber auch dieser Text enthält wieder ein paar interessante Gedanken, vor allem wenn man selbst sich ab und zu als “Kritiker” versucht (wenn auch nicht auf diesem intellektuellen Niveau).
To be continued?
Jedenfalls: Ein verbaler Schlagabtausch wie dieser gehört zu den 999 Gründen, für die man das Internet lieben muss. Sowas gabs zwar auch früher schon im Feuilleton, aber einem Normalleser war es dort nur sehr viel schwerer möglich, alle Teile der Debatte mitzuverfolgen, wenn z.B. ein FAZ-Text auf einen ZEIT-Text von vor 9 Tagen antwortet (oder umgekehrt).
Der StyleSpion hat für heute den Aktionstag “Ein Herz für Blogs” ausgerufen. Weil die Tendenz zur gegenseitigen Verlinkung in der Blogosphäre abnehme, solle man doch mal bitte ein paar seiner Lieblingsblogs explizit vorstellen. Eine gute Idee, denn auch ich gehöre zu denjenigen, die zwar mal eine Blogroll angelegt haben, diese aber nicht unbedingt aktuell halten. Tatsächlich wollte ich die Blogroll schon seit langem mal komplett überarbeiten, schiebe das aber ständig vor mir her.
Nun also aus aktuellem Anlass:
Vier Blogs, die ich gerne lese, obwohl sie nicht auf der Blogroll stehen (in no particular order)
In der Kinoprovinz
Hamburg ist Kinoprovinz, weil dort fast nie 100% aller Kinofilme am Startwochenende anlaufen. Gunnar kennt sich dort bestens aus und stellt die Filme vor, die in Hamburg anlaufen. Und zwar ohne sie bereits gesehen zu haben, nach dem Motto “Vorurteile statt Filmkritik”. So ähnlich, wie ich das hier in der Trailerschau-Rubrik auch betreibe, nur mit mehr fundiertem Filmwissen und besserer Formulierungsgabe. Dazu gibt es Fernsehtipps und schöne Rubriken wie “Filme, die wir zum Glück nicht gesehen haben”. Updates gibt es immer pünktlich einmal die Woche, donnerstags.
Fernglas FCB
Ja, mein Gott, ich bin nun mal Bayern-Fan, ich kann’s nicht ändern. Und natürlich braucht man dann auch ein FC-Bayern-Blog in seinem Feedreader. Nur gibt’s da nicht besonders viel Auswahl. Das bekannteste Bayern-Blog kann ich persönlich nicht empfehlen, weil ich es sprachlich-stilistisch für eine Katastrophe halte. Deshalb fällt die Wahl auf Fernglas FCB von André Zechbauer, der für mich genau die richtige Mischung aus Fantum und kritischer Distanz an den Tag legt. Hat gerade in den letzten Wochen seit dem 0:4 in Barcelona ein paar richtig gute Texte geschrieben.
Der Comic-Neurotiker
In Sachen Comic-Blogs ist Deutschland eine Wüste, wenn man die Landschaft mit den USA vergleicht, wo es eine ungemein blühende Comic-Blogosphäre gibt. Aber ein paar gibt’s eben doch. Am liebsten lese ich den Comic-Neurotiker, weil der einen guten Geschmack hat und sich dem Subjekt gerne mal auf andere Weise nähert als mit der klassischen Rezension. Zum Beispiel mit der Rubrik “Was ich diesen Monat aus Comics gelernt habe”.
Cargo Container
Mit dem zur Berlinale gestarteten gedruckten Filmmagazin bin ich nicht warm geworden, das ist mir viel zu verkopft. Das begleitende Blog aber ist sehr schön und enthält einen angenehmen Mix aus Linktipps, Videos, kürzeren und längeren Texten, querbeet von High-Brow bis Low-Brow.
Weil es ja doch vielleicht ein paar Leser gibt, die Comicgate nicht lesen, und sich aber trotzdem für Comicverfilmungen interessieren, sei hier nochmal auf meinen Überblicksartikel Watchmen & Co. - Comicverfilmungen 2009 verwiesen, der einen Ausblick auf dieses Jahr (und darüber hinaus) bietet.
Persönlich am meisten gespannt bin ich ja auf den Scott-Pilgrim-Film von Edgar Wright. Der Comic ist großartig (wurde hier schon mal ausführlich bebloggt, und auch der frisch erschienene fünfte Band ist wieder klasse) und bei Edgar Wright als Drehbuchautor und Regisseur muss das einfach gut werden. Zur Zeit laufen erste Dreharbeiten in Toronto, Wright postet fast täglich ein Foto auf seinem Blog.
Ich habe ja lange gedacht: “Twitter, näää, damit kannst du nichts anfangen.” In 140 Zeichen sagen, was man grade tut, bzw. selbiges von anderen lesen, klingt ja erstmal auch reichlich unspannend. Das Problem ist vielleicht, dass man das wirkliche Twitter, wie es sich für seine User darstellt, von außen nicht sehen kann. Als nicht-registrierter Gast sieht man entweder den Informations-Overload der Public Timeline oder eben einzelne Profilseiten mit den Tweets von genau einem User.
Letzte Woche hat meine Neugier schließlich gesiegt, ich wollte dann doch mal sehen, was so toll sein soll an diesem Dienst. Und ich stellte fest: Der eigentlichen Reiz von Twitter ist erst für aktive User sichtbar. Es ist der ganz individuelle Kurznachrichten-Strom, der entsteht, wenn man bestimmten Twitterern folgt und deren Updates als persönlichen Tweet-Mix zu sehen bekommt. Und es ist der Spaß an der komprimierten Form, das schnelle Raushauen von kurzen Gedanken und Belanglosigkeiten (ein Mitteilungsdrang, der vermutlich bei Leuten, die ins Internet schreiben, stärker ausgeprägt ist als bei anderen).
Seit sieben Tagen bin ich jetzt dabei, und ich muss sagen, ich bin echt überrascht, wieviel Spaß mir das macht. Gut möglich, dass das anderen nicht so geht. Aber um das mit Bestimmtheit sagen zu können, muss man’s halt erstmal selber ausprobiert haben. Die Frage, wozu das denn gut sein soll, kann man dann immer noch stellen.
Hier gibt’s jedenfalls ab sofort am rechten Rand die Rubrik “Hundertvierzig” mit meinen letzten Tweets. Enjoy or ignore.
MC Howie und Julie K, die vor der Präsidentschaftswahl den umwerfenden Song “Hey Sarah Palin” aufgenommen haben, singen ein Abschiedslied für Dubbya. Nicht ganz so großartig wie das Palin-Lied, aber trotzdem sehr hübsch: