Die österreichische Sendung ohne Namen, die ich 2006 zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt entdeckt hatte, nämlich kurz vor ihrer Einstellung, erscheint wieder ein bisschen auf der Bildfläche. Für eine Greenpeace-Aktion zum Klimaschutz schnipselten David Schalko und Fred Schreiber in bewährter Manier ein Video zusammen. Zwar mit mainstreamtauglicher moralischer Botschaft und nicht allzu subversiv, aber trotzdem mit dem typischen SoN-Touch: ca. 1 Schnitt pro Sekunde und eine fröhlich auf- und zuschnappende Text-Bild-Schere.
Und das Schöne ist: diesmal ist es auch im Internet zu sehen. Genau das ist nämlich das Problem bei Schalkos und Schreibers Beiträgen: Es ist wohl unmöglich, sich bei all den kleinen Einzelteilen urheberrechtlich entsprechend abzusichern, drum gibt es (offiziell) kein SoN-Material im Netz. Das ist wohl auch der Grund, dass in der Online-Ausgabe der schönen Show Willkommen Österreich (mit Stermann und Grissemann) regelmäßig ein Element fehlt: nämlich der obligatorische Einspieler vom Schneidetisch der Herren Schalko und Schreiber.
Hier nun aber der angekündigte Beitrag für Greenpeace:
1. Akt: Filmkritiker Ekkehard Knörer bespricht im Perlentaucher Michael Hanekes Das weiße Band und wirft dem Film vor allem vor, dass er dem Zuschauer genau vorschreibt, wie er zu interpretieren sei und ihm keinerlei eigenen Spielraum lasse. Eine scharfsinnige und -züngige Rezension, die sich zu lesen lohnt.
2. Akt: Wolfram Schütte, langjähriger Feuilletonredakteur der Frankfurter Rundschau und ein großer Freund des Ampersands, antwortet darauf mit einem Text, ebenfalls beim Perlentaucher. Sein Text ist eine Kritik an der Kritik, eine Rezension der Rezension (und damit schön meta), garniert mit einigen persönlichen Angriffen gegen Knörer.
3. Akt: Die Replik auf die Replik - Knörer antwortet wiederum auf Schütte. Da wird’s dann grundsätzlich, es geht u.a. um Knörers Credo als Kritiker und sein Verständnis von Kunst. Vielleicht ist das schon eine Metaebene zuviel und ein bisschen sehr angestrengt, aber auch dieser Text enthält wieder ein paar interessante Gedanken, vor allem wenn man selbst sich ab und zu als “Kritiker” versucht (wenn auch nicht auf diesem intellektuellen Niveau).
To be continued?
Jedenfalls: Ein verbaler Schlagabtausch wie dieser gehört zu den 999 Gründen, für die man das Internet lieben muss. Sowas gabs zwar auch früher schon im Feuilleton, aber einem Normalleser war es dort nur sehr viel schwerer möglich, alle Teile der Debatte mitzuverfolgen, wenn z.B. ein FAZ-Text auf einen ZEIT-Text von vor 9 Tagen antwortet (oder umgekehrt).
Der StyleSpion hat für heute den Aktionstag “Ein Herz für Blogs” ausgerufen. Weil die Tendenz zur gegenseitigen Verlinkung in der Blogosphäre abnehme, solle man doch mal bitte ein paar seiner Lieblingsblogs explizit vorstellen. Eine gute Idee, denn auch ich gehöre zu denjenigen, die zwar mal eine Blogroll angelegt haben, diese aber nicht unbedingt aktuell halten. Tatsächlich wollte ich die Blogroll schon seit langem mal komplett überarbeiten, schiebe das aber ständig vor mir her.
Nun also aus aktuellem Anlass:
Vier Blogs, die ich gerne lese, obwohl sie nicht auf der Blogroll stehen (in no particular order)
In der Kinoprovinz
Hamburg ist Kinoprovinz, weil dort fast nie 100% aller Kinofilme am Startwochenende anlaufen. Gunnar kennt sich dort bestens aus und stellt die Filme vor, die in Hamburg anlaufen. Und zwar ohne sie bereits gesehen zu haben, nach dem Motto “Vorurteile statt Filmkritik”. So ähnlich, wie ich das hier in der Trailerschau-Rubrik auch betreibe, nur mit mehr fundiertem Filmwissen und besserer Formulierungsgabe. Dazu gibt es Fernsehtipps und schöne Rubriken wie “Filme, die wir zum Glück nicht gesehen haben”. Updates gibt es immer pünktlich einmal die Woche, donnerstags.
Fernglas FCB
Ja, mein Gott, ich bin nun mal Bayern-Fan, ich kann’s nicht ändern. Und natürlich braucht man dann auch ein FC-Bayern-Blog in seinem Feedreader. Nur gibt’s da nicht besonders viel Auswahl. Das bekannteste Bayern-Blog kann ich persönlich nicht empfehlen, weil ich es sprachlich-stilistisch für eine Katastrophe halte. Deshalb fällt die Wahl auf Fernglas FCB von André Zechbauer, der für mich genau die richtige Mischung aus Fantum und kritischer Distanz an den Tag legt. Hat gerade in den letzten Wochen seit dem 0:4 in Barcelona ein paar richtig gute Texte geschrieben.
Der Comic-Neurotiker
In Sachen Comic-Blogs ist Deutschland eine Wüste, wenn man die Landschaft mit den USA vergleicht, wo es eine ungemein blühende Comic-Blogosphäre gibt. Aber ein paar gibt’s eben doch. Am liebsten lese ich den Comic-Neurotiker, weil der einen guten Geschmack hat und sich dem Subjekt gerne mal auf andere Weise nähert als mit der klassischen Rezension. Zum Beispiel mit der Rubrik “Was ich diesen Monat aus Comics gelernt habe”.
Cargo Container
Mit dem zur Berlinale gestarteten gedruckten Filmmagazin bin ich nicht warm geworden, das ist mir viel zu verkopft. Das begleitende Blog aber ist sehr schön und enthält einen angenehmen Mix aus Linktipps, Videos, kürzeren und längeren Texten, querbeet von High-Brow bis Low-Brow.
Weil es ja doch vielleicht ein paar Leser gibt, die Comicgate nicht lesen, und sich aber trotzdem für Comicverfilmungen interessieren, sei hier nochmal auf meinen Überblicksartikel Watchmen & Co. - Comicverfilmungen 2009 verwiesen, der einen Ausblick auf dieses Jahr (und darüber hinaus) bietet.
Persönlich am meisten gespannt bin ich ja auf den Scott-Pilgrim-Film von Edgar Wright. Der Comic ist großartig (wurde hier schon mal ausführlich bebloggt, und auch der frisch erschienene fünfte Band ist wieder klasse) und bei Edgar Wright als Drehbuchautor und Regisseur muss das einfach gut werden. Zur Zeit laufen erste Dreharbeiten in Toronto, Wright postet fast täglich ein Foto auf seinem Blog.
Ich habe ja lange gedacht: “Twitter, näää, damit kannst du nichts anfangen.” In 140 Zeichen sagen, was man grade tut, bzw. selbiges von anderen lesen, klingt ja erstmal auch reichlich unspannend. Das Problem ist vielleicht, dass man das wirkliche Twitter, wie es sich für seine User darstellt, von außen nicht sehen kann. Als nicht-registrierter Gast sieht man entweder den Informations-Overload der Public Timeline oder eben einzelne Profilseiten mit den Tweets von genau einem User.
Letzte Woche hat meine Neugier schließlich gesiegt, ich wollte dann doch mal sehen, was so toll sein soll an diesem Dienst. Und ich stellte fest: Der eigentlichen Reiz von Twitter ist erst für aktive User sichtbar. Es ist der ganz individuelle Kurznachrichten-Strom, der entsteht, wenn man bestimmten Twitterern folgt und deren Updates als persönlichen Tweet-Mix zu sehen bekommt. Und es ist der Spaß an der komprimierten Form, das schnelle Raushauen von kurzen Gedanken und Belanglosigkeiten (ein Mitteilungsdrang, der vermutlich bei Leuten, die ins Internet schreiben, stärker ausgeprägt ist als bei anderen).
Seit sieben Tagen bin ich jetzt dabei, und ich muss sagen, ich bin echt überrascht, wieviel Spaß mir das macht. Gut möglich, dass das anderen nicht so geht. Aber um das mit Bestimmtheit sagen zu können, muss man’s halt erstmal selber ausprobiert haben. Die Frage, wozu das denn gut sein soll, kann man dann immer noch stellen.
Hier gibt’s jedenfalls ab sofort am rechten Rand die Rubrik “Hundertvierzig” mit meinen letzten Tweets. Enjoy or ignore.
MC Howie und Julie K, die vor der Präsidentschaftswahl den umwerfenden Song “Hey Sarah Palin” aufgenommen haben, singen ein Abschiedslied für Dubbya. Nicht ganz so großartig wie das Palin-Lied, aber trotzdem sehr hübsch:
Wie schon im Vorjahr und im Vorvorjahr: Ein Fragebogen, diesmal ergänzt um die Kategorie “Abspann des Jahres”.
Anzahl Kinobesuche 2008: 29. Exakt die gleiche Zahl wie im Jahr zuvor!
Den hätte ich gerne im Kino gesehen: Dr. Horrible’s Sing-Along Blog von Joss Whedon. Herrliches Filmchen, eigentlich viel zu schade für das kleine Fenster aufm PC.
Den hätte ich lieber nicht gesehen: Eine komplett ungenießbare Gurke blieb mir dieses Jahr erspart, so ziemlich am miesesten war wahrscheinlich doch Indy IV.
Quälendste Filmminute: Die abschließende Realfilm-Sequenz in Waltz With Bashir. Schluck.
Entzückendste Filmminute: Einige entzückende Minuten gab es in Be Kind, Rewind. Immer dann, wenn man die geschwedeten Filme sah. Entzückende Stellen hatten auch Wall-E, Hellboy II, Once, Sweeney Todd und O’Horten.
Freudigste Entdeckung:Juno. Indie kann auch Mainstream sein, das Publikum ist nicht zu blöd für smarte Dialoge. Bin gespannt, was wir von Diablo Cody noch zu sehen bekommen.
Abspann des Jahres:Tropic Thunder mit dem tanzenden Tom Cruise:
… übrigens kongenial imitiert neulich bei Switch Reloaded:
Die DVD-Veröffentlichung des Jahres: Nicht der ganz große Reißer, aber schön, dass es wieder da ist: Futurama mit Direct-to-DVD-Filmen.
Leider hierzulande ziemlich untergegangen:Son of Rambow. Wundervolle Liebeserklärung ans Filmemachen. Kam leider zwischen die Räder von Spätsommerwetter, Dark Knight und einer ungeschickten Vermarktung als Kinderfilm.
Überraschend gut: Iron Man. Mit der richtigen Mischung aus Augenzwinkern und Ernsthaftigkeit, getragen von einem grandiosen Haupt- und guten Nebendarstellern kann man aus einem Mittelklasse-Superhelden einen tollen Film machen. Neben Dark Knight der Actionfilm des Jahres.
Völlig überflüssig: Die Verfilmung von Fleisch ist mein Gemüse. TV-Ästhetik und ein blöder, aufgepfropfter Schluss. Schade.
Why the fucking Hype? All die Filme, die als quasi nationales Anliegen durch den Medienwald rauschen. Baader Meinhof und die Buddenbrooks, als nächstes dann Valkyrie.
Aus dem Film bin ich gegangen: Wie fast immer: aus keinem.
Aus dem Film hätte ich gehen sollen: Wie gesagt, im Kino hab ich keine totale Gurke gesehen. Der persönliche Shit-Sensor funktioniert.
Hier hätte ich gerne mitgewirkt:The Darjeeling Limited. In bunten Gewändern mit dem Zug durch Indien, stell ich mir ganz spaßig vor.
Knutschen würde ich gerne mit: Barcelona, äh nee, Cristina. Nein, eigentlich am liebsten mit Vicky.
CIA Superior: What did we learn, Palmer?
CIA Officer: I don’t know, sir.
CIA Superior: I don’t fuckin’ know either. I guess we learned not to do it again.
CIA Officer: Yes, sir.
CIA Superior: I’m fucked if I know what we did.
CIA Officer: Yes, sir, it’s, uh, hard to say
CIA Superior: Jesus Fucking Christ.
Liebste Filmkritik: Mark Kermode erklärt, warum Mamma Mia! so schlecht ist, dass er schon wieder gut ist:
Verfilmt werden sollte mal: Die Bartimaeus-Trilogie von Jonathan Stroud würde ich mir gerne im Kino ansehen. Aber vermutlich hat Hollywood (zu Recht) die Schnauze voll davon, immer wieder neue Fantasy-Franchises auszuprobieren, die in die Fußtapfen von LOTR und Harry P. treten sollen und kläglich scheitern.
Ich fürchte mich vor:Watchmen von Zack Snyder. Wird bestimmt schönes Augenfutter, wird der Comicvorlage aber niemals das Wasser reichen können. Es gibt einfach Dinge, die sollte man nicht verfilmen.