
Hab ich es nicht geahnt, damals?

Hab ich es nicht geahnt, damals?
Ich poste eigentlich keine Urlaubsfotos, aber das hier passt grade ganz gut. Wenn Sie in München dieses Wochenende einen Bus voller betrunkener Italiener sehen, könnte es der hier sein:

(Aushang in einem Reisebüro in San Giovanni Valdarno)
Eine Reise ohne jeden Schnickschnack: Freitag Anfahrt, Samstag und Sonntag komplett auf der Wiesn und in der Nacht wieder zurück. No frills. Na dann viel Spaß.
Sieht so aus, als würde die mit Spraydosen bewaffnete Jugend das tatsächlich für die korrekte Rechtschreibung halten. Glückwunsch, liebe deutsche Filmindustrie!

Gut, dass die Sprühkids nicht die Zielgruppe von arte sind. Die würden sonst diesen Programmhinweis glatt als Aufforderung missverstehen.
Vor einem Monat interviewte die SZ Gerd M. Hofmann, den Macher von apostrophen-alarm.de, zum immer wieder beliebten Thema Deppenapostroph. Dabei fiel auch der Satz:
Manchmal setzen die Menschen auch statt des Deppenapostrophs ein Deppenkomma, weil sie die Apostrophtaste auf der Tastatur nicht finden.
Und was läuft mir ein paar Wochen später über den Weg? Ein Deppenkomma? Nein, sogar zwei! Vor einem Vodafone-Shop! Gut gemacht, Vodafone. Trends muss man schnell aufgreifen und vermarkten, oder wie ihr es sagt, “Make the most of now”.

Und, nebenbei, die Jungs von der Bundeswehr, die heißen Wehrdienstleistende. Oder kriegt bei euch die ganze Armee ihre Handy,s billiger?
Könnte direkt aus einem Kaurismäki-Film stammen:

Wartesaal der Autofähre von Melbu nach Fiskebol (Lofoten). Tristesse deluxe. Das hübsche Muster an der Wand ist übrigens keine Tapete, sondern besteht aus angeschraubten, abwischbaren Kunststoffplatten. Ansonsten ist Norwegen aber ein wunderschönes Land. Wirklich.
Wenn du am Tag des Viertelfinalspiels Deutschland – Argentinien den kompletten Münchner Odeonsplatz für ein Klassik-Open-Air bestuhlst, dann solltest du eins von vornherein klarstellen:


Es geht um nichts mehr in diesem Spiel, beide Teams sind schon raus aus dem Turnier. Die Serben haben sich mit dem 0:6 gegen Argentinien eine schöne Blamage eingehandelt, die Ivorer haben gut gespielt aber zweimal knapp verloren. Ist da noch Motivation übrig für das Spiel um Platz 3 und 4 in der “Todesgruppe”? Wird das ein interessantes Spiel? Wohl kaum. Der Star der Ivorer, Didier Drogba, fehlt wegen Gelbsperre. Und dann fängt’s auch noch an, heftig zu regnen.
Aber dann: Was für ein schöner Fußballabend! Die Afrikaner stümen von Anfang an aufs Tor, liegen aber bald wegen katastrophaler Abwehrfehler und Schwächen im Abschluss 0:2 hinten. Das deutsche Publikum merkt, dass hier die Falschen führen und feuert geschlossen eine Mannschaft an: die Elfenbeinküste. Und die schafft es tatsächlich, das Spiel zu drehen. Nicht wirklich Spitzenfußball (dazu gab’s zuviele Fehler, Fouls, Elfer und Karten), aber über 90 Minuten höchst unterhaltsam. Großartige Stimmung in der vollen Münchner Arena, vielleicht eins der sehenswertesten Spiele dieser WM-Vorrunde. Begeisterung.



Die richtig tollen Spiele hab ich nicht erwischt, aber man will ja nicht kleinlich sein und freut sich natürlich, wenn man Tickets hat für die WM. Ich war letzte Woche bei Saudi-Arabien – Tunesien (2:2), ein teilweise erbärmlicher Kick auf bestenfalls Zweitliganiveau. Aber immerhin mit vier Toren. Und gestern dann bei Brasilien – Australien (2:0). Auch das war nicht ganz so toll wie erwartet, bot aber zumindest eine unterhaltsame zweite Halbzeit und man konnte gut beobachten, wie der neutrale Teil des Publikums im Laufe des Matches vom Brasilien- zum Aussie-Unterstützer mutierte. Ein Tor hätte den Socceroos fast jeder gegönnt. Und sonst?



