gelernt

Letzte Woche gelernt (15)

  • Wer bescheuerte Sachen sagt, unter anderem im Spiegel, wird danach so lange im medialen Dorf herumgereicht, bis es wirklich jeder mitbekommen hat, ob er will oder nicht. Wer dagegen äußerst nachdenkenswerte, auch recht provokante, aber gar nicht bescheuerte Sachen sagt, findet viel viel weniger Gehör, selbst wenn es im Spiegel geschieht. Schade, denn über die Thesen von Frau Badinter würde es tatsächlich zu diskutieren lohnen.
  • Dass das Ding mit den Lied-Verhörern eine beliebte Sache ist, wusste ich schon. Neu war mir, dass es bei YouTube zahllose Misheard-Lyric-Beiträge gibt, die nicht nur einzelne Liedzeilen, sondern komplette Songs missverstehen. Absolutes Highlight:


    (via Weißnichtmehrgenau)

  • Prince (bzw. TAFKAP) hat mal Roger Willemsen bei einem Interview den Frage-Spickzettel weggenommen. Schrieb Eric Pfeil neulich in seinem wie immer wunderbaren Pop-Tagebuch.
  • Der beste Werbespruch, der je an einer Videothek zu lesen war:

  • Letzte Woche gelernt (14)

  • Auf Prince of Persia wird man verzichten können. Auf einer Pressevorführung letzte Woche wurden 20 Minuten vorab gezeigt. Mein Eindruck: seelenloses Effektspektakel, ein in sandgelb getauchter Mix aus Fantasy, Action und Orientklischees. Bruckheimer halt.
  • Es ist wichtig für Jörg Haider zu beten. Damit Gott uns die Kraft gibt und zum Ziel führt, aber auch damit Jörg Fürsprache für unsere Seelen einlegen kann. Je mehr wir beten, umso mehr Wunder (auch wichtig für die Selig- und Heiligsprechung) kann es geben!

    … sagt die Dr. Jörg Haider Gebetsliga. Kein Scheiß!

  • Chang and Eng Bunker, auf die der Begriff “Siamesische Zwillinge” zurückgeht, lebten nach einer Showkarriere in den 1830 Jahren als Farmer auf dem Land in North Carolina und gründeten dort zusammen mit zwei Schwestern zwei Familien. Bizarr, aber erfolgreich: sie teilten sich ein Bett für vier und bekamen zehn bzw. elf Kinder. Als sich die Frauen zerstritten, bezog man getrennte Häuser und Chang und Eng lebten jeweils drei Tage hier, drei Tage dort. Genial.
    (habe ich, zusammen mit viel anderem unnützen Wissen, aus Britannica & ich von A.J. Jacobs, steht aber natürlich auch hier.)

  • Uncoole Werbung macht coole Leute uncool. So wie Christoph Grissemann und seine Mobilfunk-Spots.
  • Man sollte wieder mehr Kinks hören.

  • Letzte (und vorletzte und vorvorletzte usw.) Woche gelernt (13)

    Es wird Zeit, diese kleine Reihe wiederzubeleben. Erstmal mit ein paar Lernerfolgen, die schon älter sind als eine Woche:

    • Die sehr angenehme Münchner Kneipe Substanz hat ein eigenes Radio: substanz-fm.com, toll!
    • In Frankfurt gibt es einen Laden, der sehr leckere belegte Brote verkauft. Also keine Brötchen, sondern richtig Brot. Will ich hier auch!
    • Es gibt Tiere, die sich einemsen, und keiner weiß warum. Diese und noch mehr tolle Sachen stehen im Lexikon des Unwissens von Kathrin Passig und Aleks Scholz.
    • Der Pachtvertrag, den Arthur Guinness im Jahr 1759 für seine Brauerei in Dublin abgeschlossen hat, hat eine Laufzeit von 9.000 Jahren, die Pacht beträgt 45 Pfund pro Jahr.
    • Ein unglaublich überzeugender Plan für Verliebte, wie sie die Angebetete für sich gewinnen können (via @christophkoch)

    Letzte Woche gelernt (12)

  • Kinder haben hier nichts zu suchen!

    Die Seite abspannsitzenbleiber.de ist bereits in unserem Filter enthalten und wird als ‘Standard gesperrt’ eingestuft.

    …sagt das Jugendschutzprogramm (präsentiert von der deutschen Pornoindustrie). Und damit befinden wir uns in richtig guter Gesellschaft.

  • Bei amazon.com gibt’s auch Wolfs-Urin zu kaufen. Und dazu gibt es wirklich sehr witzige Kundenrezensionen.
    (via Bryan Lee O’Malleys Getwitter)

  • Tolles neues Blog: Bei Plakatwelten geht es um Filmplakate, vor allem um deren gestalterische Aspekte, aus der Sicht einer Mediendesignerin.
  • Mit Lego kann man hervorragend Lücken in Gemäuern füllen. Ein sehenswertes Kunstprojekt von Jan Vormann.
    (via Hirnwichse)

  • Letzte Woche gelernt (11)

  • Ein Multiplex-Betreiber greift eigenmächtig zur Schere und zensiert Filme? Schwer zu glauben, aber wahr. Im Cineblog wird dies berichtet und gefragt, ob man das für übertrieben hält. Ich halte es nicht für übertrieben, sondern für einen Skandal. Und dem Verleih dürfte das vermutlich auch nicht gefallen.
  • Die taz, der man vielleicht etwas mehr Integrität zutraut als anderen Zeitungen, schafft es, Texte von freien Journalisten sinnentstellend umzuschreiben. So sehr, dass sich Autorin Lisa Rank zu einer Klarstellung auf ihrem Blog veranlasst sieht.
  • Die verschwunden geglaubte ehemalige Netzeitungs-Kolumne “Altpapier”, die eine schöne tägliche Presseschau der Medienseiten zusammenstellt, ist gar nicht verschwunden. Sie lebt weiter auf dem (laut Impressum niederländischen) Portälchen dnews.de. Und drübergestolpert bin ich bei einer Twitter-Suche.
  • Neue Blog-Projekte aus München: bessermuenchen.de kommt aus der jetzt.de-Redaktion und hat bis dato vor allem Veranstaltungstipps zu bieten. Vielleicht geht da ja noch ein bisschen mehr. Und dem westendblog scheint nach einem vielversprechenden Start schon wieder die Puste ausgegangen zu sein?

  • Letzte Woche gelernt (10)

  • Das ist ja toll: Kerstin S. Klein hat sich für dieses Jahr was vorgenommen: “I want to visit each and every movie theater in Munich in the year 2009.” Und jeder Besuch wird fotografisch festgehalten. So entsteht ein schönes kleines Fotoalbum der immer noch recht vielseitigen Münchner Kinolandschaft.
  • Bei Zeit Online gibt es eine interessante Serie von Fußballerkolumnen, die sich angenehm von Schwadronierserien à la “Kicker-Kolumnistenkreis” oder den Ghostwriter-Kolumnen der Springerpresse unterscheidet. Bei “Alles außer Fußball” melden sich drei der mutmaßlich schlaueren Bundesligaprofis zu Wort. Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart), Andreas Beck (TSG Hoffenheim) und Philipp Lahm (FCB), dem ich damit schon fast ein bisschen verzeihen kann, dass er bei der saublöden Plakatkampagne der Bild mitmischt. Hitze würde das im übrigen nicht machen, wie er in der vorvorletztenFolge verrät, einem sehr vergnüglichen Gespräch mit Oliver Fritsch. Bitte bis zum Ende lesen, das wird nach hinten raus immer besser.
  • Wenn jemand seinen Krankenhausaufenthalt detailliert bei Twitter dokumentiert, ist das faszinierend und beängstigend zugleich. Gute Genesung, @dogfood.
  • Wer einmal in die Abgründe der Wikipedia blicken möchte, möge sich die Diskussionsseite zum Kriminalfall von Amstetten ansehen. Hier wird v.a. darüber gestritten, ob und wie der Familienname des Täters genannt werden darf. Irgendwie zeigt sich hier beispielhaft die ganze Großartigkeit der Wikipedia ebenso wie ihre Mängel. (via Plomlompoms Tweets)
  • Die Beatles faszinieren noch immer. Zumindest mich. Das kürzlich aufgetauchte Revolution 1 (Take 20) verströmt die pure Beatles-Magie und hört sich tatsächlich, wie Nico bei Spreeblick schreibt, an wie der “Missing Link zwischen ‘Revolution 1′ und ‘Revolution 9′”.
  • Und wenn sich Schalke noch so anstrengt: Deutschlands lustigster Comedy-Fußballverein bleibt immer noch der TSV 1860 München.

  • Letzte Woche gelernt (9)

    Wo Winnenden liegt, musste ich nicht erst lernen, das wusste ich schon. Auch die Art und Weise, wie Medien und Politik inzwischen nach solchen Ereignissen eine gut eingeschliffene Routine anwerfen (bei Hanno’s Blog sehr schön zusammengefasst), überrascht nicht.

    Trotzdem gab es in den letzten Tagen einige interessante Erkenntnisse. Vor allem die nicht unbedingt überraschende, aber in diesem Ausmaß dann doch erstaunliche Mischung aus Sensationsgeilheit, Erwartungsdruck und Inkompetenz bei Behörden und Journalisten, die dazu geführt hat, dass ein aus Jux angefertigter Screenshot als Beweis dafür herhalten musste, dass der Amokläufer seine Tat angeblich “im Internet” angekündigt habe.

    Ein Innenminister präsentiert einen Screenshot, ein digital erzeugtes Bild, und den meisten genügt dies, um daraus einen Aufmacher zu produzieren. Während in der 20-Uhr-Tagesschau am Donnerstag das Thema als Hauptmeldung flimmerte, wurde in Blogs schon seit Stunden darüber diskutiert, dass das Bild wohl ein Fake sein musste. Und zwar weniger eine hinterlistig und gemeine Irreführung, als vielmehr eine ziemlich offensichtliche Gaudi-Fälschung. Wenn man sich das Bild ansieht und die Hintergründe kennt, dann ist dieses “Chat-Protokoll” genauso plausibel und echt wie das Amok-Fomular der Titanic. Nur fiel es eben auf einen fruchtbaren Boden, der dankbar jede Art von Hinweis aufgreift und dem die Stichworte Internet und Chat nur allzu gut in ihr vorgefertigtes Bild passten.

    Interessant ist auch die Reaktion sowohl der Behörden als auch der Medien, nachdem man kleinlaut zugeben musste, einem Hoax aufgesessen zu sein. Man ist beleidigt, der Urheber des Bildes gilt sofort als gefährlicher Spinner, der dingfest zu machen und zu bestrafen ist. Der Sündenbock, auf den man jetzt mit dem Finger zeigen kann, anstatt eigene Fehler einzugestehen. Hier wird jemand zum Täter gemacht, der letztlich nur eine ungeheuerliche Tat auf seine Art verarbeitet hat, und zwar im Umfeld seiner Subkultur, der Imageboards. Einer Subkultur, die (wie es sich für eine junge Subkultur gehört) vom Mainstream nicht verstanden wird. Geschmackvoll ist das sicher nicht, aber im Endeffekt auch nicht verwerflicher als satirische Reaktionen wie die (brillante) von Ahoi Polloi oder die (gar nicht brillante) von der Titanic.

    Telepolis-Bonuslinks:
    Vee haff wayz to make you feel stoopid
    Eine Glaubenssache: Ankündigung des Amoklaufs von Winnenden im Internet

    Letzte Woche gelernt (8)

  • Überzeugende Etymologie:

    “Pro7″ is’ ja lateinisch und heißt in deutsch so ähnlich wie “Für datt Sieben” – also kein Wunder, datt die gerne so Castingshows machen.

    (sagt Ingeborch)

  • Der tolle österreichische Karikaturist Manfred Deix war laut eigener Aussage

    mit sieben Jahren schon Pornohändler. Und da ich nicht gewusst hab, wie die Frauen untenrum aussehen, hab ich denen auch Zumpferl dazugemacht. Oben große Dutteln, unten kleine Zumpferl. Ich hab ordentlich verkauft.

    Mit elf Jahren hatte er dann einen Fortsetzungscomic in einer katholischen Kirchenzeitung. Was für ein Lebenslauf. Das und mehr in einem Interview bei SpOn.

  • Exakt dann am Bahnhof sein, wenn der Zug einfährt. Das ist die Kunst.

    sagt Clint Eastwood. Und der muss es ja wohl wissen!

  • Ach ja, und im Münchner Filmmuseum läuft bis in den Sommer hinein eine Eastwood-Retrospektive mit dem schönen Titel “Clintessenz”. Super Gelegenheit zum Bildungslücken-Schließen!