Wie angekündigt, wird heute auf Münchner Blogs gewichtelt. In diesem Rahmen erscheinen auf allen teilnehmenden Blogs Gastbeiträge zum Thema (Vor-) Weihnachtszeit in München. Initiiert und ausgelost wurde die Wichtelei von Markus vom Isarstadt-Blog. Ich freue mich sehr, dass aus diesem Anlass die Kaltmamsell bei mir zu Gast ist, deren Blog Vorspeisenplatte seit langem zu meinen Lieblingsblogs gehört und von Anfang an hier auf der Blogroll stand. Hier ist ihr Beitrag:
Musik und Weihnachten: ein heikles Thema. Wer, wie ich, in der Münchner Innenstadt wohnt, hat spätestens ab Mitte Dezember bei jedem Einkaufsgang klebrige Gehörgänge - Overkill an “White Christmas”, “Let it snow” und “Parampampampam”. Und doch lege ich mir am 24. Dezember Weihnachtsmusik auf, allerdings eine, die ich garantiert weder beim Karstadt noch auf dem Christkindlsmarkt am Sendlinger Tor gehört habe: den Soundtrack von The Muppet Christmas Carol.
Das Weihnachtsfest 1992, als der Film in die Kinos kam, verbrachte ich nämlich in den USA. Ich besuchte einen Freund, der ein Studienjahr in Dayton, Ohio, verbrachte, und fuhr mit ihm und zwei seiner Komilitonen über Weihnachten und Silvester spazieren über die Seen und Chicago, Toronto und New York. Auf jeder Meile umgab uns brutalstmögliche US-amerikanische Weihnachtsatmosphäre, angefangen mit buntblinkender Deko an Eigenheimen bis hin zum singenden Bing Crosby in jedem Diner.
Am 24. Dezember waren wir gerade im ausgesprochen wenig erwähnenswerten Buffalo, New York. Wir suchten uns ein Kino, in dem The Muppet Christmas Carol gezeigt wurde und setzten uns in die überhaupt letzte Vorführung des Tages gegen 15 Uhr. Der Zuschauerraum war fast leer; außer uns saßen darin noch zwei vermutliche Väter mit ihren Kindern. Wir amüsierten uns sehr, was zwar auch an der Mitwirkung von Michael Caine als Scrooge gelegen haben mag, aber durchaus an der Herzerfrischung durch den Film (na gut, man sollte die Muppets mögen).
Anschließend holten wir uns in einem 24-Stunden-Laden Bier sowie ungesunde Leckereien und fuhren in unser Motel. Dort packte ich meine Weihnachtsgeschenke aus, genauer: Die Polaroids, die meine findige Mutter davon aufgenommen und mir mitgegeben hatte.
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Anschließend legte sich der Freund mit Bier in die Badewanne, und ich sah, wie es sich für mein Amerikabild gehörte, im Fernsehen It’s a wonderful life an.
Hier mein Lieblingsweihnachtslied aus The Muppet Christmas Carol, kitsch as kitsch can: “It feels like Christmas” (eigentliches Lied beginnt bei 1:55).
(Auch im CD-Spieler an Weihnachten: Soundtracks von Danny Elfman, angefangen mit Edward Scissorhands, noch lang nicht endend bei Nightmare before Christmas - seine Musik klingt immer ein bisschen weihnachtlich.)
Meinen Beitrag zum Thema könnt ihr auf dem Tivoli-Blog von Dorin Popa lesen.
Es dürfte der seltsamste Brief sein, der seit langem in meinem Briefkasten lag. “An alle Münchnerinnen und Münchner” war er adressiert, Absender: der Abfallwirtschaftsbetrieb München. Was ist so wichtig, dass man es schriftlich an alle Einwohner verbreiten muss? Das Verbot der Trinkgeldannahme für Müllmänner! Genau, Müllmänner dürfen ab sofort kein Trinkgeld mehr annehmen. Begründet wird das mit der notwendigen Gleichstellung mit anderen Beschäftigten (z.B. auf Wertstoffhöfen) die auch kein Trinkgeld nehmen dürfen. Außerdem soll das Verbot zu dienen, “jeden Anschein von Vorteilsnahme schon im Vorfeld abzuwehren”. Korruptionsbekämpfung also, und Korruption scheint nirgendwo schwerwiegender zu sein als ausgerechnet bei der Müllabfuhr.
Mit der Gründlichkeit, die dem Öffentlichen Dienst zueigen ist, wird dann noch aufgezählt, was erlaubt ist (Getränke und Lebensmittel bis 15 Euro) und was nicht (Lose und Telefonkarten). Die Herren in Orange sind also in Zukunft unbestechlich, da bin ich ja wirklich froh. Und dürfen diese Briefe bei der nächsten Tour in tausendfacher Ausführung wieder mitnehmen, wenn sie die blauen Tonnen leeren.
Eigentlich ist die Sache ganz einfach: Da ist ein Volksfest mit überteuertem Rummelplatz, überteuerten Fressständen und vor allem mit überdimensionalen Bierzelten, wo man bei überteuertem Bier an einer bayerischen Version des Ballermann teilnehmen kann. Für einen halbwegs abgeklärten, sich für intelligent haltenden Münchner sollte es eigentlich kein Problem sein, das Oktoberfest (im folgenden “Wiesn” genannt, wie sich das gehört) gepflegt zu ignorieren.
Geht aber nicht.
Das beginnt schon Wochen vorher, wenn auf Plakatwänden und in Schaufenstern eine spezielle Art von Mode auftaucht: die Tracht. Oder besser gesagt, das was viele heute für Tracht halten. Man nennt das dann gerne Landhausstil. In den zwei Wochen während der Wiesn sieht man diese Klamotten dann tatsächlich im echten Leben, in der U-Bahn und im Supermarkt, an dick und dünn, alt und jung, hübsch und hässlich. Auch wer nicht auf die Wiesn geht, sich aber im Münchner Zentrum oder den Hauptverkehrsadern bewegt, bekommt etwas von ihr mit. Noch mehr Touristen in der Innenstadt, parkplatzsuchende italienische Wohnmobile, und — immer wieder gerne genommen — Kotzespuren in der U-Bahn, am Bahnsteig oder auf der Straße.
Dazu kommt das mediale Dauerfeuer: Der eben noch als vatikanischer Hofberichterstatter im Dauereinsatz befindliche BR hat seine Kameras direkt von Gottesdienstwiesen auf die Theresienwiese geholt und sendet ohn’ Unterlass, noch schlimmer ist das Lokalfernsehen. Auch die Presse — von Bild bis SZ — lässt keinen Tag ohne Wiesnberichterstattung vergehen. Die besteht aus drei Elementen: Zahlen (am liebsten Rekorde: soundsoviele Ochsen wurden schon verzehrt), Promis-Sichten (die selbstverständlich oben beschriebenen Mode-Horror betreiben), und Polizeibericht (Verletzte, Ohnmächtige, Taschendiebe, Triebtäter).
Es ist also in München praktisch unmöglich, von der Wiesn nichts mitzubekommen. Jetzt ist nunmal diese Zeit, so wie an Weihnachten Weihnachten ist und andernorts im Karneval Karneval. Trotzdem wird natürlich keiner gezwungen mitzumachen, hinzugehen. Und dennoch: Die Wiesn lockt, immer wieder umschmeichelt sie dich, flüsternd oder brüllend, und plötzlich sitzt der kleine Floh in deinem Kopf, der dir sagt, dass auch du hingehen willst. Schließlich ist die Wiesn nicht nur die reine Ballermann-Show und ihr Publikum besteht keineswegs nur aus versoffenen Prolls. Nein, hier gehen alle hin, vom Hausmeister bis zum Vorstandschef, vom Schriftsteller bis zum Hauptschulabbrecher.
Und in den Bierzelten passiert etwas, was in dieser Stadt sonst fast nie passiert: Wildfremde Leute sitzen gemeinsam an einem Tisch und unterhalten sich (meistens brüllend, weil die Musik so laut ist)! Das hat eine seltsame Magie. Bei der ersten Runde Auf-die-Tische-stehen-und-Grölen hat man noch großen inneren Widerstand. Zu schrecklich ist das Liedgut, zu dumpf das Geklatsche und Geschunkel. Aber der Widerstand bricht, mit jedem Schluck Bier bröckelt er, Alkohol wirkt hier wahre Wunder. Und auf einmal lässt man sich treiben, auf einmal ist es scheißegal, wie doof man das hier eigentlich finden will. Dann hat sie wieder gewonnen, die Wiesn. Und so stehen sie alle auf den Tischen, der Banker mit Comic-Krawatte, die Lehrerin, die sonst lieber in die Oper geht, der Indie-Boy, der die coolsten CDs im Schrank hat.
Es ist ein seltsames Ding, ein paar Jahre war ich nicht mehr dort. Heuer geh ich mal wieder hin.
Anfang des Jahres startete eine Startup-Firma in München mit einer gar nicht so schlechten Geschäftsidee: Ein Netz von DVD-Ausleihautomaten, die in U-Bahnhöfen aufgestellt wurden. Mitglieder konnten mit einer Karte an beliebigen Stationen ausleihen und auch wieder zurückgeben. Die Preise waren sehr attraktiv, die Technik schien zu funktionieren, es wurde eifrig Werbung gemacht. Nun ist nach wenigen Monaten schon wieder Schluss. Sang- und klanglos verschwanden die Automaten, der Webauftritt ist weg, und das Guthaben, dass die Kunden auf ihre Karten geladen haben, ist wohl auch perdu. Offizielle Infos gibt’s keine, das einzige, was ich finden konnte, sind ein paar Kommentare in einem Muenchenblogger-Beitrag (Achtung, Legastheniker-Alarm!).
Wie sagte Funny van Dannen: “Schade scheiße, und vielleicht fatal / schade scheiße, aber normal”. Man ist ein bisschen überrascht, dass es so schnell ging, aber so richtig überrascht ist man dann doch nicht. Videoautomaten sind eines dieser Franchise-Geschäfte, die in den Städten gerade wie Pilze aus dem Boden schießen (neben diesen seltsamen Wettbüros), da ist die Konkurrenz groß. Und Trainspot hatte gegenüber anderen den Nachteil, dass es dort nur Filme bis maximal FSK 16 zu leihen gab (da die U-Bahnhöfe als öffentlicher Bereich gelten). Vielleicht war das einer der Gründe für das Scheitern? Besonders viel Geduld (bzw. finanzielle Reserven) hatte das Trainspot-Team jedenfalls nicht, der Stecker wurde schon verdammt schnell gezogen. Nunja, ich ärgere mich über meine paar Euro verlorenes Guthaben, aber Alternativen gibt’s ja genug. Nicht zuletzt die Münchner Stadtbibliothek und ihre Stadtteilbüchereien, die ein ziemlich gut sortiertes DVD-Angebot haben.
Auf der jetzt.muenchen-Seite der Süddeutschen gibt es heute einen schönen Beitrag namens “Die Neubewertung unserer Stadt”. Jula Doebner schreibt dort:
Überbewertet: Cinema
Das einzige Kino in München, das nur englische Filme in ihrer Originalversion zeigt, ist vermutlich auch der einzige Kinosaal, der nicht ansteigt, das heißt: wer im Cinema (Nymphenburger Straße) ganz hinten unter dem Balkon sitzt, sieht nichts. Das Kino ist immer ausverkauft und bei der telefonischen Kartenreservierung kommt man oft nicht durch. Unterschätzt: Atlantis
Das Atlantis (Schwanthalerstraße) hat ein gemischtes Kinoprogramm. Die Hälfte der Filme wird im Original gezeigt, meist mit Untertitel. So kann man dann auch französische oder spanische Filme in der jeweiligen Sprache sehen. Das Atlantis liegt zentral in Stachus-Nähe. Karten gibt es eigentlich immer. Wer etwas früher da ist, hat vielleicht das Glück einen Platz in der Reihe am Ausgang zu erwischen: über einen Meter Beinfreiheit!
Da ist durchaus was dran. Missen möchte ich keines der beiden Kinos. Den kompletten Beitrag, u.a. mit über- bzw. unterschätzten Biergärten, Shoppingmeilen und TV-Serien, gibt’s momentan nur in der gedruckten Zeitung oder im E-Paper.
Das Blog minga.de (”Der Nachrichten-Blog für München”) fiel mir vor ziemlich genau einem Jahr unangenehm auf. Und zwar mit einer distanzlosen, sensationsgeilen Berichterstattung rund um den Mord an Rudolf Moshammer. Ansonsten wurden hauptsächlich die Lokalseiten der Tageszeitungen zusammengefasst, so dass Medienrauschen sogar fragte, ob Blogs bald die Lokalzeitung ersetzen könnten. Betreiber Jörg Stengel hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass minga.de ein kommerzielles Projekt ist, das Geld verdienen soll (woran im Grunde ja auch nichts auszusetzen ist). Stengel ist Spezialist für SEO (Suchmaschinen-Optimierung) und betreibt mit Websites wie aktuelles-lexikon.de recht erfolgreiche Googlefänger.
Jede Stadt hat ein Das Grosse Hässliche Ding (DGHD), weiß die Riesenmaschine und sucht Vorschläge für DGHDs in verschiedenen Städten.
Mein Favorit für München: das Heizkraftwerk Süd. Dort wird Strom gemacht und “und seit 1969 in großtechnischem Maßstab auch Fernwärme” (sagen die Stadtwerke). Dass sowas nicht hübsch sein kann, ist ja klar, aber das Heizkraftwerk liegt so zentral, dass es in seiner Unhübschheit besonders auffällt. Egal ob man auf einer Isarbrücke gen Süden blickt, vom Alten Peter aus das Alpenpanorama erspähen will oder sich im Sommer an Grill- und Sonnenbadexzessen am Flaucher beteiligt: immer ist Das Grosse Hässliche Ding im Blickfeld.
Doch das Schöne im Hässlichen, es ist nicht fern: an den Schornsteinen dürfen nämlich Wanderfalken brüten.
Das Kinosterben in München geht weiter: im Mai 2006 schließt das Schwabinger Marmorhaus. Einerseits ist das nicht so wahnsinnig schade, denn in diesem Falle geht der Stadt weder vom Filmprogramm noch von den Räumlichkeiten her etwas Besonderes verloren. Das Marmorhaus unterscheidet sich im Programm nicht von den Multiplexkinos. Es läuft Mainstream-Unterhaltung, Schwerpunkt Hollywood. Fast jeden der Filme, die dort laufen, kann man auch anderswo sehen. Und dieses anderswo ist meistens schöner, komfortabler, moderner. Denn das Marmorhaus ist ein recht altes Schuhschachtelkino mit teilweise winzigen Sälen und Leinwänden. Das Aus ist daher keine Riesen-Überraschung.
Trotzdem ist die Schließung zu bedauern, denn sie bedeutet auch: wieder ein unabhängiger Kinounternehmer weniger, wieder einige Leinwände weniger. Der Trend zur Konzentration und der allgemeine Abwärtstrend der Kinobranche halten an. Ich bin sehr gespannt, ob den Kinobetreibern demnächst mal richtige Ideen einfallen, um den Abwärtstrend zu stoppen. Immer nur über schlechte Filme und böse DVDs zu jammern, kann es jedenfalls auf Dauer nicht sein. Wie wärs’s zum Beispiel mit einer Besinnung auf das Stichwort Film-Theater? Im Theater gibt’s z.B. Garderoben zum Jacken- und Taschen-Abgeben, es gibt ordentliche Programmhefte, es gibt Abos für Stammkunden. Und es gibt bessere Snacks als immer nur Popcorn und Nachos.