Sonntag, 07.03.2010

Im Kino sehen:
Alice in Wonderland (Alice im Wunderland): Tim Burton könnte auch die AGB von T-Mobile verfilmen, ich würd’s mir ansehen. Sein neuer Film ist ein Big-Budget-3D-Spektakel, das den Kinderbuchklassiker von Lewis Carroll nicht direkt adaptiert, sondern fortschreibt. Mit Einschränkungen sehr gelungen und sehenswert, siehe meine Filmkritik.
The Men who stare at Goats (Männer, die auf Ziegen starren): Lose basierend auf einem Sachbuch geht es hier um eine geheime Spezialeinheit der US-Army, die sich in esoterischen Psi-Praktiken übt. Top besetzt mit Jeff Bridges, George Clooney, Kevon Spacey und Ewan McGregor. Wenn der Film humormäßig hält, was der Trailer verspricht, freue ich mich sehr darauf.
Auf die DVD warten:
Crazy Heart: Nochmal Jeff Bridges, und dazu noch die bezaubernde Maggie Gyllenhall. Es geht um einen abgehalfterten, saufenden Ex-Country-Star, der noch einmal ein Comeback angeht, weshalb der Film öfter mit The Wrestler verglichen wird. Bridges wird sich für diesen Film am Sonntag seinen Oscar abholen. Die Story scheint mit den Schauspielerleistungen nicht ganz mithalten zu können und Country ist jetzt auch nicht so mein Ding. Für einen guten DVD-Abend sollte das aber allemal ausreichen.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Der Räuber: Basierend auf der wahren Geschichte von “Pumpgun-Ronnie”, der zwei Lieblingsbeschäftigungen hatte: Marathonlaufen und Banken ausrauben. Von Benjamin Heisenberg im Stil der “Berliner Schule” umgesetzt als sehr nüchternes und kühles Drama über einen Getriebenen, der nicht anders kann. Einer der wenigen Filme auf der letzten Berlinale, die fast einhellig gelobt wurden, z.B. von Lukas Foerster beim Perlentaucher. Sicher ein bisschen sperrig, aber bestimmt sehenswert.
Boxhagener Platz: Der “Berliner Heimatfilm” spielt 1968 in Ost-Berlin, im Mittelpunkt stehen ein 12-jähriger Junge und seine Oma. Die komische Milieustudie wird von der Kritik überwiegend gelobt, vor allem auch deshlab, weil sie ohne nervige Ostalgie auskommt.
Pink Taxi: In Moskau gibt es ein Taxiunternehmen, dessen Fahrezuge rosa angestrichen sind, alle Fahrer sind weiblich, und die Passagiere meistens auch. Der Dokumentarfilmer Uli Gaulke porträtiert Chauffeurinnen und Fahrgäste.
Muss nicht sein:
Hier kommt Lola!: Ordentliches Kinderkino für Mädchen, basierend auf einer erfolgreichen Buchreihe. Zum Glück weit weg von rosaroter Lillifee-Niedlichkeit: “Kotzkacke blöde, fett fischig stinkende, furzfiese Kuh!” Hätte ich kleine Nichten, würd ich mit ihnen reingehen.
Henri 4: Deutsch-französischer Historienschinken von Jo Baier nach dem Romanzweiteiler von Heinrich Mann (der auch in anderer Schnittfassung als TV-Mehrteiler kommen wird). Es geht um König Henri IV von Frankreich, der sich um ein vernünftiges Miteinander von Katholiken und Protestanten verdient gemacht hat. Der Film scheint einen gehörigen Trash-/Camp-Faktor zu haben, was manche Kritiker durchaus toll finden, andere gar nicht. Rüdiger Suchsland meint: “Ein billig wirkender, langatmiger, in vielem hundsmiserabler Film, und eine Verschwendung von Fördergeld, wie man sie lange nicht erlebt hat.”
Zwischen Himmel und Erde - Anthroposophie heute: Schweizer Doku über die Follower von Rudolf Steiner, die sieben Einzelpersonen beobachtet und zu Wort kommen lässt, darunter immerhin auch einen Ex-Anthroposophen, der die Bewegung heute kritisiert.
Engel mit schmutzigen Flügeln: Ein recht eigenartiges Ding: unabhängig finanzierte deutsche Indie-Produktion um drei Frauen, die ein ungezügeltes Leben mit viel Motorrad und Sex führen wollen. Der Berliner Tip bezeichnet den Film als “populär-esoterischen Sexploitation-Essay”. Würde vermutlich keinen Menschen interessieren, wenn Bild hier keinen Pseudo-Skandal angezettelt hätte.
Donnerstag, 18.02.2010

Im Kino sehen:
The Lovely Bones (In meinem Himmel): Peter Jackson ist zurück, bäckt nach den Mega-Blockbustern Lord of the Rings und King Kong wieder kleinere Brötchen und bewegt sich wieder mehr in die Richtung, die er zuletzt mit Heavenly Creatures verfolgte. The Lovely Bones ist eine Romanverfilmung über ein Mädchen, das einem Mord zum Opfer fiel und das sich anschließend aus dem Jenseits ansieht, was ihre Familie, die Ermittler und vor allem der Mörder so treiben. Als Jackson-Fan schau ich mir das auf jeden Fall an, auch wenn die optische Umsetzung der jenseitigen Welt die Kitsch-Alarmglocken schrill klingeln lässt.
Auf die DVD warten:
The Ghost Writer (Der Ghostwriter): Roman Polanski verfilmt einen Roman von Robert Harris: Ewan McGregor spielt einen Autor, der als Ghostwriter die Autobiographie des britischen Ex-Premiers (Pierce Brosnan als Quasi-Tony-Blair) schreiben soll. Allerdings ist er schon der zweite Mann auf diesem Posten, denn der erste wurde ermordet. Der mindestens solide Politthriller bekommt noch eine besondere Note durch Polanskis aktuelle Situation. Auch die beiden Hauptfiguren dieses Films befinden sich die meiste Zeit in einem Ferienhaus, abgeschottet von der Außenwelt.
An Education: England, 1961: Ein braves Mittelschichtsmädchen aus spießiger Familie geht zum Studieren nach Oxford und beginnt dort mit der Möglichkeit zu liebäugeln, ein sehr viel cooleres und mondäneres Leben zu führen. Britischer Film von Lone Scherfig (Italienisch für Anfänger), für den Nick Hornby das Drehbuch geschrieben und der acht BAFTA-Nominierungen eingesammelt hat. Auch sonst kam er bei der Kritik super an: die Tomaten sind zu 95% frisch (allerdings werfen manche dem Film antisemitische Tendenzen vor). Ganz sicher sehenswert, ich warte aber trotzdem auf die DVD, weil in München nirgends die Originalversion läuft.
Invictus (Invictus - Unbezwungen): Morgan Freeman spielt Nelson Mandela, aber zum Glück ist das hier kein episches Freiheitskämpfer-Biopic, sondern konzentriert sich auf eine bestimmte Episode: die Rugby-WM 1995, die das (überwiegend weiße) südafrikanische Team gewann, was wohl einen enormen Effekt für das Land in der damals noch jungen Post-Apartheid-Ära hatte. Biopic, Sportlerdrama, Rugby, klingt alles nicht so wahnsinnig verlockend. Der Regisseur allerdings heißt Clint Eastwood und das ist dann doch wieder ein verdammt gutes Argument.
The Book of Eli: Im neuen Film der Hughes Brothers (From Hell) darf sich Erlösertyp Denzel Washington mit Bösewicht Gary Oldman um ein heiliges Buch streiten. Hat schicke Action und eine wunderschön kaputt aussehende postapokalyptische Zukunftswelt, aber wohl leider kein allzu prickelndes Drehbuch.
Muss nicht sein:
Die Friseuse: Doris Dörrie mit einem Feelgood-Movie über eine dicke Berliner Friseuse, der zeigen soll, dass dicke Menschen keine kläglichen Loser sein müssen. Versucht ein bisschen zu sein wie die Filme von Andreas Dresen, bekommt aber dessen Glaubwürdigkeit nicht hin und macht einen arg klischeelastigen Eindruck.
Rock It!: “Oh, ein Trend”, denkt sich die deutsche Mainstream-Filmindustrie und rennt ihm hinterher. Also gibt es nun auch eine einheimische Ausgabe der hippen Teenie-Musicals à la High School Musical. Charmfreier Trittbrettfahrer-Käse, mit freundlichen Grüßen von der deutschen Filmförderung.
The Ten Commandments (Die Zehn Gebote - Mose und das Geheimnis der steinernen Tafeln): Ach du Scheiße. Mies und hölzern animierte Computertrickfilm-Version vom Auszug aus Ägypten, an dem unter anderem die EKD finanziell beteiligt war und der für Deutschland noch einen extra-bescheuerten Untertitel bekommen hat. Der christliche Erbauungsfilm lief bereits 2007 in den USA, sieht aber tricktechnisch aus, als sei er noch mindestens zehn Jahre älter. Findet nicht mal der katholische film-dienst gut.
Montag, 15.02.2010

Eine sehr schwache Woche. Könnte mit der Berlinale zu tun haben. Anyway, nutzen wir die Zeit zum kurzen Durchatmen, denn die nächsten drei Wochen sind dann wieder voll mit vielversprechenden Filmen (ich sage nur: Scorsese, Jackson, Eastwood, Burton).
Vielleicht mal im Fernsehen:
The Wolfman (Wolfman): Die Universal-Studios versuchen mal wieder, einen ihrer legendären Monsterklassiker aufzufrischen. Mit der Mumie hatte das (zumindest kommerziell) hervorragend funktioniert, jetzt ist der Wolfsmensch dran. Die Produktions- und Verschiebungs-Historie (schön zusammengefasst bei den F5) lässt das Schlimmste befürchten. Auf der anderen Seite ist Benicio del Toro in der Hauptrolle immer ein Pluspunkt.
Die zwei Leben des Daniel Shore: Ein Deutsch-Amerikaner lebt eine Weile in Tanger, bis sich dort ein tragisches Ereignis abspielt. Später zieht er nach Stuttgart in ein sehr eigenartiges Haus und wird dort von den Geistern seiner Vergangenheit geplagt. Deutscher Film mit Nikolai Kinski und vielen surrealen Elementen, der sich schwer einordnen lässt und bei dem einigen Rezensenten das Adjektiv “kafkaesk” einfällt.
Max Manus: Historienfilm über Norwegens 2WK-Widerstandshelden Max Manus. In dessen Heimat war der Film ein Blockbuster, aber dort wird man von dieser Art der Vergangenheitsbewältigung auch noch nicht so dermaßen übersättigt sein wie hierzulande. Bonuspunkte für das alberne Filmlogo.
Muss nicht sein:
Percy Jackson & The Olympians: The Lightning Thief (Percy Jackson - Diebe im Olymp): Die griechischen Götter leben noch, und sie haben ein paar uneheliche Kinder in den USA. Zum Beispiel Percy, Sohn von Poseidon. Das ist das Konzept der Jugendbuchreihe Percy Jackson und könnte ganz unterhaltsam sein, wenn es nicht gar so konventionell nach Teenager-Action-Fantasy schmecken würde und nicht gar so offensichtlich in die Richtung von Harry Potter schielen würde. So sehr, dass man gleich Chris Columbus (Harry Potter I und II) als Regisseur engagiert hat.
Valentine’s Day (Valentinstag): Viele kleine, verknüpfte RomCom-Episödchen von Pretty-Woman-Regisseur Garry Marshall, garniert mit sehr vielen Stars. Bei Love, Actually hat dieses Konzept funktioniert, aber das war schließlich ein britisches Erzeugnis.
Donnerstag, 04.02.2010

Im Kino sehen:
Up in the Air: George Clooney als Vielflieger, der von Firma zu Firma jettet, um Leute zu entlassen. Die Wirtschaftssatire ist nach Thank You For Smoking und Juno der dritte Film von Jason Reitman, der wirklich einen guten Lauf hat und hier mit reichlich Preisen und Nominierungen belohnt wurde (Allein bei den Oscars ist Up in the Air 6mal nominiert). Leider soll der satirische Biss mit zunehmender Laufzeit des Films mehr und mehr abnehmen und in ein allzu weichgespültes Finale münden. Wir werden sehen.
Auf die DVD warten:
Flickan som lekte med elden (Verdammnis): Das ging schnell. Wenige Monate nach Verblendung kommt auch schon der zweite Teil der Stieg-Larsson-Krimitrilogie in die Kinos. Weil der Verleih was von gutem Timing versteht, erscheint Teil 1 in der gleichen Woche auf DVD. Letzterer soll ja mindestens sehr solide gewesen sein und bekam mehr Lob als ich erwartet hätte. Sollte man wohl auf dem Radar behalten.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Welcome: Französisches Flüchtlingsdrama über einen jugendlichen Iraker, der von Frankreich aus schwimmend nach England gelangen will, überwiegend erzählt aus der Perspektive des französischen Schwimmlehrers Simon. Dieser solidarisiert sich mit dem Flüchtling und macht sich dadurch strafbar. Daniel Nehm schreibt bei critic.de: “Das Thema Migration ist letztlich nur der Rahmen für ein gefühliges, kathartisches Kanalschwimmerdrama, das berührt und betroffen macht, aber niemals aufrüttelt oder gar schmerzt.”
She, a Chinese: Sozialer Realismus von der in London lebenden Chinesin Guo Xiaolu über eine junge chinesische Frau, die aus dem Alltag ihrer Heimat ausbricht, in Europa jedoch auch kein besseres Leben findet. Michael Ranze (film-dienst) will den Film zwar mögen, bemängelt aber die “sprunghaft-elliptische Montage” und bezeichnet die deutsche Synchronisation als “Skandal”.
Muss nicht sein:
Giulias Verschwinden: Schweizer Erfolgsfilm mit Bruno Ganz und Corinna Harfouch, der “mit bittersüßem Humor” vom Altwerden erzählt. Ich zähl mich da vorerst nicht zur Zielgruppe.
Armored: Ein paar Geldtransporter-Fahrer haben genug vom Job-Alltag und planen den perfekten Coup. Mittelprächtige B-Movie-Genre-Ware, die wohl direkt auf DVD rauskommen würde, wenn nicht drei recht prominente Darsteller dabei wären. Denen ist allerdings gemeinsam, dass ihre besten Zeiten schon einige Jahre zurück liegen: Jean Reno, Lawrence Fishburn und Matt Dillon.
Beyond a Reasonable Doubt (Gegen jeden Zweifel): Justizthriller mit Michael Douglas, dessen Trailer ziemlich durchschnittlich, vorhersehbar und klischeehaft aussieht. Und der Film, ein Remake des letzten Films, den Fritz Lang in den USA gedreht hat, scheint wirklich nicht viel zu taugen: nur 4% auf dem Tomatometer.
Buddha’s Lost Children: Irgendwo im Himalaya muss es eine deutsche Doku-Fabrik geben, die im Akkord Filme zum Thema Buddhismus raushaut. Jeder Mitwirkende wird sofort mit einem kleinen, großen oder mittleren Fahrzeug belohnt. Anders ist diese Flut nicht mehr zu erklären.
Zeiten ändern Dich: Bernd Eichinger und Uli Edel bringen nach dem Baader Meinhof Komplex das vollkommen logische Nachfolgeprojekt: Ein Bushido-Biopic mit Bushido als Bushido und erstaunlich vielen deutschen Kinostars. Sollte man sich vielleicht doch im Kino ansehen, um möglichst viele unfreiwillige Lacher mitzunehmen und um Publikumsstudien zu betreiben. Weil wir aber nicht so viel Zeit verschwenden wollen, begnügen wir uns mit dieser schönen Kritik von Rajko bei den 5 Filmfreunden: “Mehr Kasse, mehr Dreck.”
Donnerstag, 28.01.2010

Im Kino sehen:
Cloudy with a Chance of Meatballs (Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen): 3D-Animationsfilm über einen verrückten Erfinder, der es schafft, dass es Essen regnet, damit die Leute nicht immer nur Sardinen essen müssen. Der Film (basierend auf einem Bilderbuch aus den Siebzigern) ist ganz klar ein Kinder- bzw. Familienfilm, legt dabei eine sehr angenehme Schrägheit an den Tag, so dass ihn Mark Kermode als “David Lynch for Kids” bezeichnet. Das reicht mir eigentlich schon als hinreichender Grund, ihn anzusehen.
Sherlock Holmes: Gleichermaßen ersehnt wie gefürchtet: Sherlock Holmes durch die Brille von Guy Ritchie, mit Robert Downey Jr. als Holmes und Jude Law als Watson. Allzu große Werktreue darf man hier wohl nicht erwarten, dafür superschick in Szene gesetzte Faustkämpfe, tolle Kulissen und eine Prise Humor. Mag ich sehen.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Die Frau mit den 5 Elefanten (DT): Filmporträt der 76jährigen Swetlana Geier, die als die Übersetzerin russischer Literatur ins Deutsche gilt, u.a. hat sie Dostojewski neu übersetzt. Für Leute, die Sprache mögen, dürfte das ein sehr toller Film sein.
The Last Station (Ein russischer Sommer): Exquisite Besetzung (Helen Mirren, Christopher Plummer, Paul Giamatti, James McAvoy) für ein (für mich persönlich) eher uninteressantes Thema. Ich zitiere aus Faulheit den Pressetext: “Die bewegende, faszinierende Geschichte der großen, dramatischen Liebe zwischen Leo Tolstoi und seiner Frau Sofia. Eine Geschichte, die von Leidenschaft, Ehe, Familie, Geiz, Intrigen und Revolution handelt. Und die auf mal humorvolle, mal dramatische Weise zeigt, wie schwierig es ist zu lieben, wie gleichzeitig unmöglich es jedoch ist, ohne die Liebe zu leben.”
New York, I love you: Kurzfilm-Compilation mit elf Liebesgeschichten in New York City. Wie beim Vorgängerprojekt Paris, je t’aime gibt’s hier wieder namhafte Regisseure (Fatih Akin, Mira Nair, Natalie Portman[!]) und Schauspieler (Scarlett Johansson, Ethan Hawke, John Hurt). Bestimmt sind da ein paar Perlen drunter, ziemlich sicher aber auch mittelmäßige oder doofe Beiträge. Die Produzenten wollen das Ding derweil zum Franchise ausbauen: In Planung sind Shanghai, I Love You, Jerusalem, I Love You und Rio, Eu Te Amo.
Universalove: Der Gewinner des Max-Ophüls-Preises 2009: Die wirklich tolle Band Naked Lunch aus Klagenfurt hat sich mit Regisseur Thomas Woschitz zu einem Filmprojekt zusammengetan, in dem an verschiedenen Schauplätzen Episoden über die Liebe erzählt werden. Bebilderte Musik oder andersrum? Keine Ahnung, vielleicht ist es auch völlig ausreichend, sich das Album anzuhören.
Muss nicht sein:
Kan door huid heen (Can go through skin): Wieder einer dieser Filme mit nur einer Kopie. In diesem Fall ein schwermütiges Arthousedrama aus den Niederlanden, über eine Frau die sich mehr und mehr von ihrer Umwelt abschottet.
Berlin - Stettin: Dokumentarfilmer Volker Koepp fährt in die Uckermark und besucht die Protagonisten seiner früheren Filme. Das Ergebnis ist Rückschau, Metafilm und Porträt einer Landschaft und ihrer Menschen. David Siems schreibt bei programmkino.de: “Eine sehr spezielle Dokumentation über einen vergessenen Landstrich, die vor allem eines erfordert: Geduld.”
Partir (Die Affäre): Beziehungsdrama aus Frankreich mit Kristin Scott Thomas als Ehefrau, die ihrem Mann eine Affäre gesteht. Und dann wird’s dramatisch, denn der Gatte kämpft mit harten Bandagen. Vielleicht nicht schlecht, aber ganz definitiv nichts für mich.
Porgy & Me: Doku über ein Ensemble aus Harlem, das mit Gershwins Porgy & Bess um die Welt tourt. Hebt sehr stark darauf ab, dass es sich hier um schwarze Musiker handelt. Der film-dienst sah eine “zerfahrene Dokumentation, mit seltsamen Ansichten und einem konstruierten Konflikt.”
De l’autre côté du lit (Auf der anderen Seite des Bettes): Hausfrau (Sophie Marceau) und Karrieremann tauschen für ein Jahr die Rollen. Hallo Frankreich, welches Jahr schreibt ihr denn grade? Irgendwas in den Siebzigern? Unglaublich, das man mit so einem High Concept im Jahr 2010 noch durchkommt. SpOn meint: “Erschütternd geistlos”. Rochus Wolff sieht das bei critic.de differenzierter: “Auf der anderen Seite des Bettes ist klüger, als die Oberfläche zeigt, und fällt keineswegs auf ein Geschlechterverständnis hinein, das Frauen und Männern feste, angeblich biologisch begründete Eigenschaften und Aufgaben zuordnet.”
Donnerstag, 21.01.2010

Im Kino sehen:
A Serious Man: Das Leben von Larry Gopnik, jüdischer Physikprofessor, nimmt eines Tages eine jähe Wendung — von da an stößt ihm ununterbrochen Schlimmes zu. Pflichtprogramm, der neue Film der Coen Brothers, diesmal ohne große Stars. Nicht so albern wie Burn After Reading und nicht so blutig wie No Country For Old Men, dafür aber wohl sehr böse und gleichzeitig sehr komisch. Coen eben.
Auf die DVD warten:
Same Same But Different: Der neue Film von Detlev Buck, wieder mit David Kross, den er vor ein paar Jahren als Hauptdarsteller von Knallhart quasi entdeckt hat. Der Film basiert auf dem autobiografischen Buch Wohin Du auch gehst von Benjamin Prüfer, welches wiederum seinen Ursprung in dieser NEON-Reportage von 2006 hatte. Ich hab den Film schon vorab gesehen (Review folgt) und muss sagen: Er ist zwar nicht perfekt, funktioniert aber als überzeugende, interessante, gut gemachte und gut gespielte Liebesgeschichte. Kann man sich anschauen.
It’s Complicated (Wenn Liebe so einfach wäre): Je älter die Protagonisten, desto erträglicher/amüsanter ist die RomCom. Klingt nach gewagter These, ist aber gar nicht so abwegig, finde ich. Autorin und Regisseurin Nancy Meyers hat dieses Feld schon mit Something’s Gotta Give recht erfolgreich bearbeitet. Hier spielen Glenn Close Meryl Streep und Alec Baldwin ein geschiedenes Paar, das sich neu verliebt, und diesen beiden sieht man eigentlich immer sehr gerne zu. Steve Martin ist auch noch dabei.
Surrogates (Surrogates - Mein zweites Ich): Comicverfilmung mit Bruce Willis, die ihrer gelungenen Vorlage wohl nicht das Wasser reichen kann, wie Christian Meyer im film-dienst sehr schön herausarbeitet. Das Setting klingt jedenfalls ziemlich cool: Im Jahr 2054 bleiben die Leute zuhause und lassen die täglichen Verrichtungen von künstlichen Avataren erledigen. Man führt sein Leben mit perfekten Ersatzkörpern. Einschließlich Mord und Polizeiarbeit, womit wir wieder bei Bruce Willis wären.
Vielleicht mal im Fernsehen:
La Vida Loca (La Vida Loca - Die Todesgang): Doku über brutale Jugendgangs in El Salvador. Dürfte harter, aber interessanter Stoff sein. Der Regisseur lebt inzwischen nicht mehr, er wurde im Herbst 2009 auf offener Straße erschossen.
Élève libre (Privatunterricht): Ein Teenager erhält Nachhilfestunden von den drei Freunden seiner Mutter, einschließlich Sexualkunde. Läuft nur in einem Kino (Frankfurt) und wurde bisher kaum besprochen. Frédéric Jaeger schreibt bei critic.de: “[Regisseur Lafosse] wiegt den Zuschauer zunächst in Sicherheit, um ihn dann mit umso mehr Wucht mit einem aufkeimenden Unbehagen zu konfrontieren.”
Muss nicht sein:
Vorstadtkrokodile 2: Ich bin nicht die Zielgruppe und habe hier gar nichts zu melden. Teil 1 war wohl erfolgreich genug für eine Fortsetzung, die nun sehr wie ein deutsches Update der Goonies daherkommt. Für mich alten Herrn ist der Trailer jedenfalls von Anfang bis Ende peinlich.
Samstag, 16.01.2010

Auf die DVD warten:
The Visitor (Ein Sommer in New York - The Visitor): Richard Jenkins (der tote Vater aus Six Feet Under) spielt einen Witwer, der in seiner Wohnung eines Tages zwei illegale Einwanderer vorfindet. Er freundet sich mit ihnen an und wird durch deren Offenheit und Lebenseinstellung zu einem besseren Menschen. Das riecht verdammt streng nach einem gutmenschelnden, nach Oscars schielenden Stück Hollywood-Kitsch, um das man besser einen Bogen macht. Der Autor und Regisseur jedoch lässt Besseres erwarten, Thomas McCarthy hat vor Jahren den schönen Station Agent gemacht und außerdem am Drehbuch von Pixars Up mitgeschrieben. Und die Kritiken sind fast durchgehend positiv.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Jagdzeit - Den Walfängern auf der Spur: Die Dokumentation begleitet das Greenpeace-Schiff Esperanza auf seinem Einsatz gegen Walfang im Südpolarmeer. Message-Film, Greenpeace-PR, Heldenverehrung? Angenehmerweise wohl nicht, denn die Mission war ein Fehlschlag. Der film-dienst schreibt: “Die bodenständig-ungeschönte, glaubwürdige Darstellung lässt den Idealismus der Umweltschützer umso sympathischer erscheinen.”
Muss nicht sein:
Süt - Milk: Nicht ganz meine Tasse Tee, aber qualitativ vielleicht der beste Film der Woche. Süt ist anspruchsvoller türkischer Autorenfilm über einen jungen Mann, der mit seiner Mutter auf dem Land lebt und arbeitet — bedacht mit Festivalpreisen und Kritikerlob. Der Trailer hilft dem potentiellen Zuschauer leider nicht weiter, wie so oft bei europäischem Kunstkino gibt’s da nur Bilder und keinerlei Text.
Oscar Niemeyer - a vida é um sopro (Oscar Niemeyer - Das Leben ist ein Hauch): Doku über den inzwischen 102-jährigen Architekten Oscar Niemeyer. Very Special Interest.
Friendship!: Zwei Ossis reisen kurz nach dem Mauerfall in die USA. Semi-autobiographisches Buddy-Roadmovie, das mit Klischees nicht geizt und zwischendurch immer wieder in American-Pie-Humor abdriftet, diesen Eindruck macht zumindest der Trailer.
Nanga Parbat: Okay, Bergfilme haben durchaus ihren Reiz, die umstrittene Geschichte der Überschreitung des Nanga Parbat 1970 bietet genug menschliches Drama für eine Verfilmung. Leider dient der Film auch als persönliches Rechtfertigungsinstrument von Yeti-Kumpel Reinhold Messner (natürlich unterstützt mit öffentlichen Geldern aus allerlei FIlmförderungstöpfen) und dann wird das Ding auch noch von Josef Vilsmaier inszeniert, was dann endgültig als Gegenargument reichen sollte.
Old Dogs (Old Dogs - Daddy oder Deal): Sowohl Robin Wiliams als auch John Trawolta haben irgendwann einen Pakt mit dem Teufel abgeschlossen, der besagt, dass für jeden besseren Film, in dem sie dabei sind, mindestens fünf Gurken fällig sind. So wie diese Komödie hier zum Beispiel, in der die beiden wegen irgendeiner doofen Drehbuchidee zur Kinderbetreuung eingespannt werden und sich natürlich als komplett ungeeignet erweisen. Wer’s im Jahr 2010 noch lustig findet, wenn Golfbälle in männliche Weichteile fliegen, gehört zur Zielgruppe. Tomatometer-Wert: 6 Prozent.
Donnerstag, 07.01.2010

Im Kino sehen:
The Imaginarium of Doctor Parnassus (Das Kabinett des Dr. Parnassus): Der neueste Streich von Terry Gilliam. Was ihm bei den Dreharbeiten zum Verhängnis wurde (der plötzliche Tod von Hauptdarsteller Heath Ledger), hat er auf kreative Weise gelöst (Ledgers Parts werden teilweise ersetzt durch Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell) und dient jetzt in den Medien als Super-Aufhänger für die Berichterstattung, so dass vermutlich auch Gala- und Bunte-Leser von dem Film erfahren dürften. Wobei diese mit Gilliams surreal-überkandidelt gesponnenem Garn vermutlich wenig anfangen können. Ich aber freue mich drauf.
Auf die DVD warten:
Nord: Wenn Filme aus Skandinavien zu uns kommen, sehen sie meistens so aus: Karge Landschaften und überaus sympathisch verkorkste Vögel. So auch hier, in dem selbsternannten “anti-depressiven Off-Road-Movie”. Ein depressiver Alki fährt mit dem Schneemobil durchs winterliche Norwegen, um seinen Sohn zu suchen. Könnte mir gefallen.
Gamer (Gamer - Play or be played): Überstilisierte Action von den Crank-Schöpfern Neveldine/Taylor: Gerald Butler als Häftling, der sich in einem Realität gewordenen Ego-Shooter von einem Jugendlichen am PC fernsteuern lässt. Großartig oder totaler Mist? Die einen sagen so, die anderen so. Interessieren tut’s mich allemal, allerdings frage ich mich, ob man ohne jede Videospielerfahrung Spaß an dem Film haben kann.
Cirque du Freak: The Vampire’s Assistant (Mitternachtszirkus - Willkommen in der Welt der Vampire): Hurra, die nächste Teenager-Vampir-Filmreihe kommt! Allerdings sieht das hier — zum Glück — eher nach Buffy als nach Twilight aus, mit viel Ironie und John C. Reilly als Vampir. Ist wahrscheinlich weder großes Kino noch große Filmkunst, aber unterhaltsam könnte es durchaus sein.
Vielleicht mal im Fernsehen:
El niño pez (Das Fischkind): Lesbische Coming-of-Age-Geschichte aus Argentinien. Regisseurin Lucia Puenzo hatte zuvor mit XXY recht viel Aufmerksamkeit erregt. Den Kritiken zufolge scheint der Film recht komplex zu sein und den Zuschauer zu fordern. Was ja nichts Schlechtes ist.
13 Semester: Deutsche Komödie, die ein komplettes Studentenleben abbilden möchte und dabei genau so cool sein will wie ein amerikanischer Highschool-Film. Und den Zuschauer garantiert nicht besonders fordert.
Muss nicht sein:
Das Zimmer im Spiegel: Deutsche Low-Budget-Produktion (ohne TV- und Fördergelder) über eine Jüdin, die in der Nazizeit auf einem Dachboden versteckt gehalten wird. Der Film spielt komplett auf diesem Dachboden und ist laut film-dienst ein “surreales, klaustrophobisches Kammerspiel, das sein geringes Budget durch seine einfallsreiche und suggestive Inszenierung wett macht”. Für mich ist das nichts, aber vielleicht für jemand anders.
Joueuse (Die Schachspielerin): Zimmermädchen lässt sich von einem gutsituierten Professor Schachspielen beibringen und wird dadurch zu einem anderen Menschen. Europäisches Feelgood-Drama für etwas ältere Kinogänger, banale Küchentischweisheiten inklusive: “Wenn man ein Risiko eingeht, kann man verlieren. Wenn man kein Risiko eingeht, verliert man auf jeden Fall”, heißt es im Trailer. Ja genau, und nachts ist es kälter als draußen.
Dolpo Tulku - Heimkehr in den Himalaya: Der gefühlt hundertfünfzigste Dokumentarfilm über Tibet und weise buddhistische Mönche. Irgendwann muss da doch mal ein Sättigungseffekt eintreten?
Did you hear about the Morgans? (Haben Sie das von den Morgans gehört?): Die nächste belanglose RomCom, diesmal mit einem knapp vor der Scheidung stehenden Ehepaar (Grimassenschneider Hugh Grant und Sex-and-the-City-Ikone Dingsbums), das in ein Zeugenschutzprogramm kommt und deshalb von der Polizei zu einem gemeinsamen Aufenthalt auf dem Lande genötigt wird. Den Rest kann man sich ja denken.
Freitag, 01.01.2010

Vielleicht mal im Fernsehen:
Casa de los Babys: Ein Film von 2003(!), der jetzt noch einen Minimal-Kino-Release bekommt, aber auch schon auf DVD erhältlich ist. Es geht um kinderlose Frauen, die in Südamerika auf die Zuteilung von Waisenkindern warten, die sie adoptieren dürfen. Gut besetzt (u.a. mit Daryl Hannah, Lili Taylor und Maggie Gyllenhaal) und vermutlich ein gelungener Kommentar zum Thema Adoptions-Tourismus.
Muss nicht sein:
La première étoile (Triff die Elisabeths!): Eine nicht allzu begüterte schwarze Familie macht Skiurlaub in den Bergen. Die französische Komödie war in ihrer Heimat ein Hit und scheint nicht ganz so platt und albern zu sein, wie man zunächst denken möchte, aber für mich ist das trotzdem nichts.
The Stepfather (Stepfather): Aus der immer länger werdenden Reihe “Unnötige, lieblos heruntergekurbelte Remakes von Horror-B-Movies der 70er und 80er Jahre”. Das Tomatometer schlägt auf 11% aus.
The Rebound (Lieber verliebt): RomCom mit Catherine Zeta-Jones, die sich in einen 15 Jahre jüngeren Mann verliebt. Schon schade, dass dieses High Concept im Jahr 2009 ausreicht, um einen Filmplot zu beschreiben. Lustig auch, dass Frau Zeta-Jones im echten Leben der umgekehrte Fall ist: Michael Douglas ist 25 Jahre älter als sie. Und dass der Film erstmal in Drittweltländern wie Kasachstan, Belgien, Thailand und Deutschland gestartet wird, bevor er in den USA und England läuft, spricht auch nicht grade für ein Meisterwerk.
Donnerstag, 24.12.2009

Im Kino sehen:
Soul Kitchen: Fatih Akin, wahrscheinlich einer der besten Filmemacher in Deutschland, geht nach seinen ernsthaft-anspruchsvollen Filmen wieder in Richtung Komödie. Sein neuer Film erzählt von einer Hamburger Multi-Kulti-Kneipe, versteht sich als moderner (Großstadt-) Heimatfilm und will ausdrücklich unterhalten. Das schließt zwar auch flache Sexwitze mit ein, scheint aber trotzdem gelungen zu sein. Exzellent besetzt, schicker Soundtrack, sehr vielversprechend. Interessant am Rande: Akin musste sich im Vorfeld mit Plagiatsvorwürfen auseinandersetzen, mehr dazu bei Gunnar.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Bright Star (Bright Star - Meine Liebe. Ewig): Jane Campions (The Piano) neuer Film spielt Anfang des 19. Jahrhunderts in England und erzählt die Liebesgeschichte zwischen Dichter John Keats und seiner Muse Fanny Brawne. Wirkt auf den ersten Blick kitschig-schwülstig, könnte aber doch genießbar sein, zumindest wenn man Kostümfilme mag.
Muss nicht sein:
Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus!: Leander Haußmann muss mit irgendjemandem gewettet haben, dass jeder seiner Filme immer mieser wird als der Vorgänger. Jetzt versucht er’s mit einem Remake des Neuer-Deutscher-Film-Klassikers Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat, das bei ihm zur zotigen Altersheim-Klamotte wird. Da mach ich mich lieber mal auf die Suche nach dem Original.
Albert Schweitzer - Ein Leben für Afrika: Europäisch koproduziertes Biopic, das genau so ausschaut wie solche Filme immer ausschauen. Nichts für mich.
Fame: Die Remakewelle ist jetzt also bei den Musicals angelangt. Der alte Hit von 1980 mit neuer Musik und modernem Look frisch aufbereitet. Der Trailer sieht ganz danach aus, als wolle man als Hauptzielgruppe die Leute ansprechen, die gerne Castingshows sehen.
Alvin and the Chipmunks: The Squeakquel (Alvin und die Chipmunks 2): Das Sequel, Entschuldigung: Squeakquel, auf das wir alle sehnsüchtig gewartet haben !!1!11 Oder nicht?
Ich wünsche allen, die das hier lesen, angenehme Feiertage. Ruht euch aus, verbringt Zeit mit Euren Lieben, lasst das Internet mal ein bisschen aus, lest mal wieder ein gutes Buch oder schaut euch einen feinen Film an.