Too big to fail.
Donnerstag, 02.09.2010
Eine äußerst schwache Woche. Seht lieber zu, dass ihr Mary & Max noch im Kino erwischt.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Get Him to the Greek (Männertrip): Russell Brand ist vor allem in England und inzwischen auch in den USA ein sehr bekannter Comedian mit Hang zu Geschmacklosigkeiten. Hier kennen ihn vor allem Yellow-Press-Leserinnen als Verlobten von Katy Perry. Im Film Forgetting Sarah Marshall (Nie wieder Sex mit der Ex) hatte er einen Auftritt als Rockmusiker, der wohl so gut ankam, dass es jetzt ein Spin-Off mit dieser Figur als Hauptperson gibt. Ein Plattenfirmen-Angestellter muss den dekadenten Rockstar aus Europa in die USA zerren, damit er dort pünktlich ein Jubiläumskonzert geben kann. Der Trailer ist laut, pubertär, albern und zotig, aber Roger Ebert und andere Kritiker sehen auch einen sanften Kern unter der rauhen Oberfläche:
There are really two movies here. One is a gross-out comedy that grows lyrical in its exuberant offensive language, its drug excesses, its partying, its animal behavior. The other movie, which comes into focus, so to speak, in the last half, is surprisingly sweet, and shows that Aldous and Aaron arrive at a friendship that has been tempered in the forge of their misbehavior.
Going the Distance (Verrückt nach Dir): RomCom mit Drew Barrymore, die gar nicht mal sooo übel aussieht, nämlich weniger plastikhaft und ein bisschen “echter” als üblich. Kommt trotzdem nur auf 40% auf dem Tomatometer.
Muss nicht sein:
The Sorcerer’s Apprentice (Duell der Magier): Dass hinter diesem Zauberlehrling-Update fürs 21. Jahrhundert das Team steckt, das auch die National Treasure-Filme gemacht hat (also Disney, Produzent Bruckheimer, Regisseur Turteltaub und Hauptdarsteller Cage), klingt wie eine Drohung. Dass der Trailer außer einem Übermaß an digitalen Effekten und Nonstop-Action wenig zu bieten hat, macht’s nicht besser. Immerhin gibt es Alfred Molina als Bösewicht.
Na putu (Zwischen uns das Paradies): Ein bosnisches Paar gerät in die Krise, als der Ehemann sich dem radikalen Islam zuwendet. Europäisches Politkino, wie man es von der Berlinale kennt, wo der Film auch lief. Dort gab es überwiegend Lob, aber auch Kritik wie die von Lukas Foerster (Perlentaucher): Der sah einen “im falschesten Sinn einfachen Film”, der “nicht das geringste Risiko eingeht”.
Daniel Schmid - Le chat qui pense: Doku über den Schweizer Filmemacher, von dem ich zugeben muss, dass ich seinen Namen noch nie gehört habe.
Jane’s Journey - Die Lebensreise der Jane Goodall: Jane Goodall, Schimpansenforscherin, Umweltaktivistin, und nun auch Heldin einer deutschen Doku, deren Anliegen sicher gut und wichtig und richtig ist. Wenn das aber so aufdringlich predigerhaft rüberkommt und die Protagonistin als Quersumme aus Mandela, Ghandi und Bono inszeniert wird, dann bin ich raus.
Achja, und dann gibt’s noch eine “Special Edition” von Camerons Avatar in den 3D-Kinos der Republik. Mit 8 zusätzlichen Minuten. Ich fürchte, auch das wird sein Publikum finden.
Freitag, 27.08.2010

Im Kino sehen:
Mary & Max (Mary & Max - oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet?): Sie suchen noch einen Kandidaten für den Film des Jahres? Ich hätte da einen Vorschlag. Mary & Max ist ein ganz und gar wunderbarer australischer Knetfiguren-Animationsfilm, der längst nicht so niedlich ist, wie es auf den ersten Blick scheint (FSK 12!). Es geht um die Brieffreundschaft zwischen zwei Außenseitern: ein kleines australisches Mauerblümchen-Mädchen und ein alter, fettleibiger New Yorker Jude mit Asperger-Syndrom. Gleichzeitig sehr komisch und sehr traurig, böse und anrührend. Im Original mit den Stimmen von Toni Collette und Philipp Seymour Hoffman. Konnte ich schon im Frühjahr beim Trickfilmfestival in Stuttgart sehen und war begeistert.
Enter The Void: Kino-Extremerfahrung für Mutige und Experimentierfreudige. “Skandalfilmer” Gaspar Noé kommt nach Irréversible mit einem stilistisch einzigartigen, über zweineinhalb Stunden langen Trip daher, der reichlich Drogen, Sex und Gewalt enthält und letztlich vom Leben nach dem Tod erzählt. Ob das Spaß macht, weiß ich nicht, eine schwer interessante Seherfahrung dürfte es allemal sein.
Auf die DVD warten:
Me and Orson Welles (Ich & Orson Welles): Richard Linklaters neuer Film ist kein Biopic, das sämtliche Karriere- und Lebensstationen seines Helden abklappert. Er konzentriert sich vielmehr auf einen bestimmten Abschnitt in Orson Welles’ Karriere, als er mit nur 22 Jahren Shakespeares Julius Caesar am Theater in New York inszenierte. Eigentliche Hauptfigur des Films ist jedoch ein junger Schauspieler, gespielt von Teeniestar Zac Efron — ein genialer Besetzungscoup, der dem Film sicher zu einigen Zuschauerinnen verhilft, die sowas sonst nicht ansehen würden.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Die Hummel: Ein Debütfilm aus Bayern, der von einem erfolglosen Kosmetikvertreter erzählt. Das sieht schön lakonisch und angenehm unspektakulär aus. Läuft vorerst ausschließlich in bayerischen Kinos.
Die Liebe der Kinder: Deutsches Beziehungsdrama, das klingt schonmal ganz furchtbar, aber die Stärke scheint hier zu sein, dass der Film seine Geschichte eher undramatisch erzählt. Zwei nicht mehr ganz junge Menschen finden zusammen und heiraten, er bringt einen Sohn mit, sie eine Tochter, und kurz darauf stellen sie fest, dass auch die Kinder sich ineinander verliebt haben.
Le Petit Nicolas (Der kleine Nick): Die Verfilmung der berühmten Geschichten von Goscinny und Sempé war in Frankreich ein Bombenerfolg. Familienunterhaltung mit Retrocharme, die aber die Klasse der Vorlage nicht ganz erreicht und anders als die Bücher nicht konsequent aus dem Blickwinkel des kleinen Nick erzählt.
Muss nicht sein:
The Expendables: Sylvester Stallone fährt mit seinem Hummer vor dem Altersheim der Actionhelden vor, nimmt noch Jason Statham als Zivi mit und geht mit den alten Herren auf einen Selbsthilfetrip für Anabolika-Spätfolgen-Geplagte. Dazu lauter Heavy Metal. Worum es hier geht, spielt absolut keine Rolle, die komplette Film-PR funktioniert einzig und allein über die Besetzungsliste, auf der fast alle Allstars des 80er-Testosteron-Kinos vertreten sind.
Das Leben ist zu lang: Dani Levy hat mit Alles auf Zucker eine ziemlich gute und mit Mein Führer eine ziemlich ungute Komödie gedreht. Sein neuer Film ist eine Art überzeichnetes Selbstporträt und handelt von einem jüdischen Regisseur in der Krise, der eine Komödie über den Karikaturenstreit drehen will. Sämtliche deutschen FIlm-Promis geben sich hier für Gastauftritte die Klinke in die Hand, aber viel genutzt hat das wohl eher nicht: die Rezensenten sprechen von Larmoyanz und “Metaebenen-Murks” und finden den Film eher weinerlich als lustig.
Step Up 3D: Dritter Streich der Tanzfilmserie, diesmal mit räumlicher Tiefe. Würde ich gerne mal in 20 Jahren sehen, der altert bestimmt nicht sehr gut.
The Ultimate Wave Tahiti 3D: Wellenreiten in der Südsee, Tourismuswerbung im Kino.
Donnerstag, 19.08.2010

Vielleicht mal im Fernsehen:
Allt flyter (Männer im Wasser): Das Full Monty-Prinzip, hier in einer schwedischen Variante: Midlife-Crisis-geplagte Männer gründen eine Synchronschwimm-Gruppe und treten bei einer Meisterschaft an. Vor zehn oder 15 Jahren hätte das sicher origineller gewirkt, heute reicht’s vielleicht noch für “ganz nett”. Absoluter Pluspunkt: Die Musik kommt von meiner schwedischen Lieblingsband The Soundtrack of our Lives.
Das letzte Schweigen: Gut besetzter deutscher Krimi, der mit etwas Glück oberes Tatort-Niveau erreichen könnte, der aber laut Robert Zimmermann (critic.de) allzu viel Wert auf gewichtige Ästhetik legt.
Muss nicht sein:
Distanz: Ein verschlossener Gärtner (Ken Duken) mit Neigung zu Gewaltausbrüchen bis hin zum Mord. Und eine Frau, die sich in ihn verliebt, auch wenn man nicht versteht, wieso. Ekkehard Knörer lobt, dass der Film “fernsehtypische Sofortpsychologie verweigert”, bemängelt aber, dass der Film überhaupt nicht versucht, seine Hauptfigur zu erklären: “Unbeteiligt sieht die Nähe behauptende Kamera dabei zu. Der Zuschauer tut es auch und zuckt mit den Schultern.”
Bébés (Babys): Neugeborene sind wahnsinnig niedlich, egal aus welchem Teil der Welt sie stammen. Das weiß man auch, ohne diese Doku zu sehen, die ein bisschen One-World-Folklore mit Cute Overload vermischt. Dann doch lieber Katzenbilder im Internet gucken.
Salt: Angelina Jolie zum wiederholten Male als Action-Heldin — hier soll sie eine Art weibliche Version von James Bond geben, bei der es Wirren um ihre Identität (CIA? KGB?) gibt. Und August Diehl spielt einen deutschen Spinnenforscher , der mit Jolie verheiratet ist. Klingt ganz schön bescheuert wenn ich das hier so hinschreibe.
The Last Airbender (Die Legende von Aang): Der neue Film von M. Night Shyalaman, der erstmals gar kein “richtiger” Shyalaman ist, weil er nicht auf einer eigenen Story basiert, sondern auf einer Nickelodeon-Zeichentrickserie namens Avatar. Der Film darf aber nicht so heißen, weil James Cameron schneller war. M. Night inszeniert also einen kindgerechten Action-Fantasy-Film in fucking 3D und bekommt als Ergebnis einen noch schlimmeren Shitstorm um die Ohren als bei seinen letzten Filmen: Miese Kritiken und Rassismusvorwürfe.
Letters to Juliet (Briefe an Julia): US-Schnulze um eine junge Frau, die einen alten Liebesbrief findet und ein Traumpaar zusammenbringt, das sich seit Jahrzehnten nicht gesehen hat. Mit Vanessa Redgrave, aber auch mit jeder Menge Kitsch, unzähligen Postkartenbildern aus der Toskana und schlimmer Musik.
Freitag, 13.08.2010

Auf die DVD warten:
Samâ wôzu (Summer Wars): Es ist schon was Besonderes, wenn mal wieder ein Anime einen regulären Kinostart in Deutschland bekommt, und der neue Film von Mamoru Hosoda (Das Mädchen, das durch die Zeit sprang) sieht nicht nur visuell hochinteressant aus. Es geht um eine virtuelle Welt und um das Verhältnis dieser zur realen Welt. Mehr im lesenswerten Review von Ekkehard Knörer. Startet leider nur in den Filmmetropolen Berlin, Leipzig und Münster. In München wird der Film leider genau dann gespielt, wenn parallel das Fantasy Filmfest Zeit und Budget frisst. Schade.
Unmade Beds (London Nights): Junge Menschen auf Sinn- und Liebessuche in London, in einer Mischung aus Wong Kar-Wai und Mumblecore. Oder, wie Michael Kohler in der Frankfurter Rundschau schreibt: “Wunderbar poetisch oder eher grandios bescheuert? Die Antwort liegt irgendwo dazwischen.”
Vielleicht mal im Fernsehen:
Until the Light Takes Us: Doku über die norwegische Black-Metal-Szene, die in den Neunzigern mit brennenden Kirchen und anderen Übeltaten für Aufsehen sorgte. Diese werden im Film thematisiert, insgesamt geht es aber wohl mehr darum, gegen das Klischee von den bösen Satanisten-Buben anzukämpfen. Würde ich gerne mal im Fernsehen sehen. Im Kino läuft der Film erstmal nur in Berlin und Düsseldorf.
8th Wonderland (8. Wonderland): Web-Aktivisten gründen einen virtuellen Staat im Internet, der auch die reale Welt beeinflussen soll. Filmexperiment aus Frankreich mit interessanten Ansätzen, das aber wohl nicht so recht geglückt ist, wenn man den Rezensionen glaubt.
Muss nicht sein:
Mademoiselle Chambon: Sehr ruhige und zurückhaltende Liebesgeschichte aus Frankreich, in der es (mal wieder) um die Zuneigung eines einfachen Handwerkers zu einer intellektuellen Künstlerin geht. Nicht meine Geschmacksrichtung, aber die Kritiker mögen den Film.
The A-Team (Das A-Team - Der Film): Ich gestehe: Ich habe nie eine Folge der TV-Serie gesehen und auch nicht das Gefühl, da was verpasst zu haben. Insofern zähle ich mich auch nicht zur Zielgruppe, die zu gleichen Teilen aus Action-süchtigen Teenagern und aus nostalgischen 80er-Jahre-Jugendlichen bestehen dürfte. Für diese Zielgruppenangehörigen könnte das durchaus ein spaßiges Sommerfilmchen sein.
Cats & Dogs: The Revenge of Kitty Galore (Cats & Dogs - Die Rache der Kitty Kahlohr): Späte Fortsetzung (Teil 1 lief 2001), angesichts der Zielgruppe wohl für ein komplett neues Publikum und diesmal natürlich auch in 3D. Sprechende Tiere in einer sinnlosen Action-Comedy mit platten Referenzen an James-Bond- und andere Filme.
Freitag, 23.07.2010

Im Kino sehen:
Micmacs à tire-larigot (Micmacs - Uns gehört Paris!): Auch wenn es mittlerweile schick geworden ist, Amélie ganz furchtbar zu finden: Ich mag Jean-Pierre Jeunet und freue mich auf seinen neuen Film, der wieder sehr typisch Jeunet-mäßig aussieht. Eine Handvoll sonderbegabter Freaks nimmt es mit der Waffenindustrie auf. Sieht nach tollem Augenfutter und einem sehr vergnüglichen Film aus.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Akadimia Platonos (Kleine Wunder in Athen): Sehr lakonische Familienkomödie aus Griechenland, die von ihren schrullig-verschrobenen Typen lebt. Und mit sowas kriegt man mich meistens.
Köprüdekiler (Men on the Bridge): Semidokumentarisches Drama über das Leben dreier Männer, deren Arbeit sich auf der Bosporusbrücke in Istanbul abspielt: ein Polizit, ein Taxifahrer, ein Rosenverkäufer. Dargestellt von Laienschauspielern. Vermutlich sehenswertes türkisches Gesellschaftsporträt.
Muss nicht sein:
The Karate Kid (Karate Kid): Remake des 80er-Teenie-Erfolgs, der diesmal eigentlich “Kung Fu Kind” heißen müsste, denn Karate wird hier gar nicht betrieben und der Kampfsportzögling ist noch nicht mal ein Teenager: Will Smiths Sprössling Jaden war beim Dreh grade mal 11. Als Meister der martialischen Kunst ist hier Jackie Chan am Start. Weit oben auf der Überflüssigkeits-Skala.
Knight and Day: Leichtverdauliche Popcorn-Action, wohin die Jungmänner auch ihre Freundinnen mitnehmen können, weil auch ein bisschen RomCom beigemischt wurde. Die Handlung ist hier völlig piepegal, was zählt ist die Starpower von Tom Cruise und Cameron Diaz. Löblich ist ja immerhin, dass hier mal ein Sommer-Blockbuster kommt, der kein Remake, Sequel, Comic- oder Videospielverfilmung ist. Wenn man dann aber liest, dass der Film mehrmals umbenannt, am Skript seit Jahren x-fach herumgeschraubt und mehrfach Besetzung und Regisseur ausgetauscht wurden, dann hat man die Hoffnung auf einen gelungenen Film schon wieder aufgegeben.
Freitag, 16.07.2010

Im Kino sehen:
Moon: Höchst sehenswerte Low-Budget-Science-Fiction ohne Weltraumschlachten und Aliens. Vielmehr zollt Regisseur Duncan Jones hier Genreklassikern wie 2001, Solaris und Silent Running seinen Tribut und liefert eher philosophische SF. Der Cast besteht im Prinzip nur aus einer Person, nämlich Sam Rockwell, und der spielt klasse. War letztes Jahr ein großer Erfolg auf vielen Festivals (ich sah ihn beim Filmfest München) und bekommt nun spät aber verdient eine reguläre Kinoauswertung.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Kinatay und Lola: Gleich zwei Filme auf einmal bringt Rapid Eye Movies vom philippinischen Filmemacher Brillante Mendoza ins Kino. Für Kinatay, der von einem jungen Polizisten erzählt, der es mit menschlichen Abgründen zu tun bekommt, gewann er die Regie-Palme in Cannes. Man sollte sich auf harten Stoff gefasst machen. Etwas besser verdaulich, aber auch kein leichter Film, dürfte Lola sein: hier geht es um zwei Großmütter — der Enkel der einen hat den Enkel der anderen getötet.
Eine gute Einführung ins Werk von Mendoza gibt’s bei Negativ zu lesen.
Mine Vaganti (Männer al dente): Italienische Familienkomödie, die wohl nicht ganz zu furchtbar ist wie der deutsche Titel, aber auch kein wirklich großer Wurf. Die Rezensionen sind durchwachsen.
Muss nicht sein:
New York Memories: Rosa von Praunheim porträtiert seine Lieblingsstadt New York und einige ihrer Bewohner.
Breath Made Visible: Doku über Anna Halprin, die wohl eine ganz große und wichtige Künstlerin ist, wenn man sich für Tanztheater interessiert. Wenn.
The Twilight Saga: Eclipse (Eclipse - Biss zum Abendrot): Teil 3 der Glitzervampire und vorläufiger Höhepunkt eines Hypes, vor dem es scheinbar kein Entkommen gibt. Außer man ist kein Teenager mehr. Regie führt diesmal übrigens David Slade, der mit 30 Days of Night bereits Vampirerfahrung sammelte und davor den fiesen kleinen Thriller Hard Candy inszeniert hatte. Seltsame Karriere.
Marmaduke: Kreuzdoofe Mainstream-Familien-Komödie mit sprechenden Hunden. Leider auch mit William H. Macy und mit Lee Pace, dem netten Kuchenbäcker aus Pushing Daisies.
Freitag, 09.07.2010

Im Kino sehen:
Please Give: Vor wenigen Stunden hörte ich eine nicht mehr ganz frische Ausgabe des Podcasts von Mark Kermode, in der Please Give als “Film of the week” empfohlen wurde. Bis dahin hatte ich noch nullkommagarnix davon gehört, und nun stelle ich überrascht fest, dass er auch bei uns läuft. Gut so! Denn ich habe das Gefühl, das könnte mir gefallen: eine smarte Komödie mit Catherine Keener als Großstadtneurotikerin, die wohlhabenden Lifestyle mit einem guten Gewissen vereinbaren möchte. Also ein bisschen die Kinoversion von Dr. Dr. Rainer Erlingers Moralkolumne im SZ-Magazin.
The Invention of Lying (Lügen macht erfinderisch): Als dieser Film erstmals angekündigt wurde, habe ich mich irrsinnig drauf gefreut: der erste “richtige” Kinofilm meines Lieblings-Comedy-Typen Ricky Gervais (Regie, Buch, Hauptrolle)! In einer Welt, die die Lüge nicht kennt, kommt Gervais per Zufall drauf, wie man die Unwahrheit sagt und macht damit Karriere (Eine einfache Grundidee, die der Erfinder des deutschen Verleihtitels leider ganz und gar nicht verstanden hat). Der Trailer sieht dann aber doch mehr nach einer recht braven Mainstream-Komödie aus, und das Kritiker-Echo ist auch eher durchwachsen. Aber Fan bleibt Fan, also werde ich wohl versuchen, den Film im Kino zu sehen.
Auf die DVD warten:
Mr. Nobody: Hochinteressant sieht das aus, wenn auch vielleicht etwas überambitioniert: Mr. Nobody ist der letzte sterbliche Mensch in einer Zukunft, in der die Menschen nicht mehr sterben müssen. Am Ende seines Lebens erinnert er sich an sein Leben zurück, besser gesagt an drei potentielle Varianten seines Lebens, die unterschiedlich verlaufen, je nachdem für welches Mädchen er sich entscheidet.
Predators: Ich habe Predator nicht in dem Alter gesehen, in dem man ihn sehen sollte, um nachhaltig begeistert zu sein, sondern viel viel später. Daher konnte ich auch nicht die immense Vorfreude auf dieses Sequel teilen (Oder ist es ein Reboot? Oder gar ein Remake?), die im Internet herrschte. Nun sind sie also zurück, die Killer-Aliens mit Rastalocken, und statt Arnold Schwarzenegger muss Adrien Brody mit ihnen fertig werden. Für einen netten Filmabend ohne Anspruch könnte es trotzdem reichen: das Tomatometer zeigt im Moment immerhin 67% an.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Herbstgold: Sehr alte Menschen, die Sport treiben. Wettkampfsport, mit allem gebotenen Ernst. Dürfte einige sehr liebenswerte Momente enthalten. Auf jeden Fall vormerken, wenn der mal in der Glotze läuft.
Bergfest: Deutsches Kammerspiel um einen Vater-Sohn-Konflikt, ohne Fördergelder finanziert. Auf einer Berghütte wird ein junger Mann, der dort mit seiner Freundin Winterurlaub machen will, von seinem Vater überrascht, zu dem er acht Jahre lang keinen Kontakt hatte. Die Rezensenten loben vor allem die Schauspieler.
Muss nicht sein:
Voodoo - Die Kraft des Heilens: Über den Voodoo-Kult herrschen eine Menge Missverständnisse, und wenn eine Doku wie diese dazu beitragen kann, sie abzubauen, ist sie schonmal für was gut. Ich persönlich würde mir das aber lieber von jemand anderem erklären lassen als von einem “deutschen Ethnologen und Fotografen”.
Mahler auf der Couch: Clash of the Titans: Gustav Mahler lässt sich von Sigmund Freud therapieren. Biopic (das sich wohl recht viele erzählerische Freiheiten nimmt) für Herrn und Frau Bildungsbürger.
Pornography: A Thriller (Pornography: Ein Thriller): Low-Budget-Thriller, in dem es um mögliche Snuff-Filme und einen verschwundenen schwulen Pornodarsteller geht. Braucht vermutlich kein Mensch.
Donnerstag, 08.07.2010
Mit Verspätung nachgereicht.

Auf die DVD warten:
Les Beaux Gosses (Jungs bleiben Jungs): Französische Pubertätskomödie, die im Fahrwasser von American Pie und Co. schwimmt, dabei aber sehr viel charmanter und lebensnaher geraten sein soll. Der wortlose Trailer ist angenehm unkonventionell und auch Regisseur Riad Sattouf könnte ein Argument sein. Der macht nämlich auch Comics, und die sehen vielversprechend aus. Läuft in München leider nur im Mathäser, und da geh ich nicht hin.
Gordos (Gordos - Die Gewichtigen): Spanische Dramödie von Daniel Sánchez Arévalo, der für dunkelblaufastschwarz schon viel Lob bekommen hat. Es geht episodenhaft um eine Gruppe Übergewichtiger, ums Abnehmen und darum, dass diese auch ein Liebes- und Sexleben haben. Könnte ein Geheimtipp sein.
When You’re Strange (The Doors: When You’re Strange): Indie-Filmemacher Tom DiCillo (Living in Oblivion) hat eine Menge Archivmaterial aus dem Leben von Jim Morrison und den Doors gesichtet und daraus eine Rockumentary gemacht, die ohne die typischen Interviews von schmerbäuchigen, grauhaarigen Männern auskommt, die nostalgisch in die Vergangenheit blicken. Dafür gibt’s Johnny Depp als Erzählstimme aus dem Off.
The Private Lives of Pippa Lee (Pippa Lee): Es gibt sie noch, die erwachsenen Filme aus Hollywood. Rebecca Miller verfilmte ihren eigenen Roman, in dem es um eine gediegene Frau geht, die auf ihre bewegte Vergangenheit zurückblickt. Dürfte sehenswert sein.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Shrek Forever After (Für immer Shrek): Vierter Teil der Trickfilmreihe, die anfangs noch richtig gut und originell war. Shrek 2 war nur noch so mittel, auf Teil 3 hatte ich wegen der durchweg schlechten Kritiken ganz verzichtet. Numero 4 soll wieder einen Tick besser sein, aber leider reicht das nicht, um mich zum Kinobesuch zu animieren. Ach ja, die neue Episode ist selbstverständlich in 3D.
Jedem Kind ein Instrument - Ein Jahr mit vier Tönen: Doku über ein Bochumer Schulprojekt, bei dem jedem Grundschulkind Musikunterricht mit seinem Wunschinstrument ermöglicht wird. Okay, gut, aber im Kino??
Muss nicht sein:
The Other Man (Der Andere): Ehebruch-Drama (basierend auf einer Kurzgeschichte von Bernhard Schlink) mit Laura Linney, Liam Neeson, Antonio Banderas. Die Besetzung ist vielversprechend, die Kritiken dagegen nicht: nur 16% auf dem Tomatometer.
Zanan-e bedun-e mardan (Women without Men): Vier iranische Frauen zur Zeit des Putsches von 1953, in schönen Bildern gefilmt von der Videokünstlerin Shirin Neshat. Das ist die Sorte von wohlmeinendem, ernsthaftem, anspruchsvollem Polit- und Message-Kino, das oft öde, manchmal aber auch brillant sein kann. Kann mich leider nicht dazu durchringen, das interessant genug für einen Filmabend zu finden.
Sorority Row (Schön bis in den Tod): Famos finde ich ja den englischen Titel, der sich beinahe so schön knödeln lässt wie “The Rural Juror” aus 30 Rock. Ansonsten ist das halt just another Teenie-Slasher-Remake mit viel Gewalt und einer Prise Erotik.
Our Family Wedding: Hochzeits-RomCom mit dem simplen High-Concept “Latino-Familie trifft auf Afroamerikaner-Familie”. Wird auch dadurch nicht besser, dass Forest Whitaker eine Hauptrolle spielt.
Donnerstag, 24.06.2010
Das gab es lange nicht: Nur zwei Filme in dieser Woche, die mit mehr als einer Kopie in den deutschen Kinos anlaufen. Es bleibt also ruhig in den Lichtspielhäusern — nicht jedoch in München, wo morgen das Filmfest beginnt. Leider bin ich berufsbedingt die ganze nächste Woche auswärts, so dass das Festival für mich komplett ausfallen muss (und zur Vermeidung größeren Frusts habe ich auch gleich auf die Lektüre des Programmhefts verzichtet). Die regulären Filmstarts dieser Woche:

Auf die DVD warten:
Easy Virtue (Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau): Engländer heiratet junge, wilde Amerikanerin und stellt sie anschließend seiner traditionell geprägten Familie vor. Harmlose Familenkomödie, lustiger Culture-Clash, nichts neues. (Basiert übrigens auf einem Bühnenstück von Noël Coward, das schonmal als Stummfilm von Alfred Hitchcock inszeniert wurde). Gewinnt aber erheblichen Charme durch Britishness, feine Besetzung (Colin Firth, Kristin Scott Thomas) und die Tatsache, dass das ganze in den 20er Jahren spielt. Könnte ein sehr hübscher Sonntagnachmittagsfilm sein.
Muss nicht sein:
Altiplano: Jasmin Tabatabai als traumatisierte Witwe, die in den Anden den Eingeborenen beim Widerstandleisten gegen fiese Industrielle hilft. Deutsche Produktion, in Peru gedreht, etwas für Leute, die sich von solchen Texten angesprochen fühlen: “Altiplano ist ein lyrischer und eindrucksvoller Film wie aus einer anderen Sphäre, der bildgewaltig die einzigartige Atmosphäre und Kraft der peruanischen Hochebene einfängt.” Ist vermutlich sogar noch schlimmer als diese Selbstauskunft klingt. Ekkehard Knörer schreibt im Perlentaucher von einem Film mit zwei Seiten: “Brutales Message-Kino zum einen, brutaler Spiritualismus zum anderen.”
Samstag, 19.06.2010
Die Fußball-WM läuft, und wir bekommen eine weitere Woche ohne sonderlich relevante oder interessante Neustarts.

Auf die DVD warten:
Five Minutes of Heaven: Liam Neeson spielt einen altgewordenen Protestanten, der im Nordirland-Bürgerkrieg als Teenager einen Katholiken ermordet hat. Nun soll er nach dem Absitzen seiner Haftstrafe den Bruder des Opfers zu einem öffentlichen Aussöhnungsgespräch im Fernsehen treffen. Regie führt der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel, der mit dem Untergang gleichermaßen Erfolg und Prügel einsammelte. Für diesen Film erfährt er vor allem viel Lob.
Vielleicht mal im Fernsehen:
La Nana (La Nana - Die Perle): Die Titelgebende “Perle” ist ein altgedientes Hausmädchen in einem reichen chilenischen Haushalt, das sich Laufe der Jahre allerdings vom Engel zum Drachen entwickelt hat. Als die Familie ein zweites Hausmädchen einstellt, wird’s erst recht schwierig. Bestimmt nicht jedermanns Tasse Tee, aber durch sein unverbrauchtes Thema und seine Portion Humor durchaus interessant.
Die Stille der Unschuld - Der Künstler Gottfried Helnwein: Eines der vielen Künstlerporträts, die immer wieder im Kino auftauchen, obwohl sie wohl eher fürs Fernsehen geschaffen sind.
Muss nicht sein:
Amelia: Pathosgeladenes Biopic über die Fliegerlegende Amelia Earheart. Startet in Deutschland trotz relativ bekannter Namen (Regie: Mira Nair, Hauptrollen: Hilary Swank, Richard Gere, Ewan McGregor) nur auf sehr kleiner Flamme (sieben Kopien). Mit einem Tomatometer-Ranking von 20% wird das wohl genau richtig sein.
When in Rome (When in Rome - Fünf Männer sind vier zuviel): Schön, dass Kristen Bell nach ihrem Serienruhm mit Veronica Mars jetzt Kinohauptrollen bekommt. Nicht schön, dass es in einer gehirnfreien RomCom geschieht, die sich von den umpfzigtausend anderen RomComs vor allem dadurch unterscheidet, dass sie in Rom (Ha! ROM-Com! Get the pun?) spielt und dem Zuschauer damit auch noch die volle Ladung Rom- und Italien-Klischees ins Gesicht wirft. Grazie, no.
Hanni & Nanni: Ach du Scheiße. Das Grauen in Rosa. Hat alles, was am kommerziellen deutschen Kinderkino hassenswert ist. Inklusive Gaststars aus der Glotze (Pocher) und anerkannte Schauspieler, die meinen, wenn Sie für Kinder spielen, müssen sie hemmungsloses Overacting betreiben (von Borsody, Elsner).