Trailerschau

Trailerschau für Filmstarts vom 1.3.

Auf die DVD warten:
The Iron Lady (Die Eiserne Lady): Meryl Streep (die mit ihrem dritten Oscar und der souveränen Dankesrede endgültig auf dem Status der größten aktiven Schauspiel-Lady der Gegenwart angekommen sein dürfte) spielt Margaret Thatcher. Das allein dürfte schon ziemlich sehenswert sein, und dass in Großbritannien alle politischen Lager mit dem Film unzufrieden waren, würde ich ebenfalls als Pluspunkt sehen. Wenn ich dann aber Totalverrisse wie den von Ronald Blum im Fritz-Filmpodcast höre (“dumm wie Brot”, “banal”, “lachhaft und lächerlich”), habe ich wieder weniger Lust auf den Film.

Shame: Und auch hier scheint vor allem die Schauspielleistung den Film sehenswert zu machen: Michael Fassbender als gefühlskalter Sexsüchtiger, der immer unglücklicher wird, und Carey Mulligan als seine Schwester, der es auch nicht sehr viel besser geht. Klingt nicht direkt nach einem netten Abend, aber nach einer feinen Charakterstudie.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Trans Bavaria: Möglicherweise nur für Südländer interessant (läuft auch fast nur in Bayern): Ein Roadmovie über ein Jungstrio aus der niederbayerischen Provinz, das nach dem Abi seine Revoluzzerträume mit einer Autofahrt nach Moskau auslebt. War wohl ein Publikumsliebling bei den Hofer Filmtagen und macht einen sehr sympathischen Eindruck.

König des Comics – Ralf König: Rosa von Praunheim, schwule Filmikone, porträtiert Ralf König, schwule Comicikone. Dabei wird das Schwulsein wohl weitaus stärker betont als es nötig wäre, und auch als es König selbst gerne gehabt hätte.

Muss nicht sein:
This Means War (Das gibt Ärger): Action-RomCom von McG (Charlie’s Angels), in der sich zwei coole Agenten um eine Frau streiten. Recht hübsch besetzt mit Tom Hardy und dem neuen Captain Kirk Chris Pine. Die Lady spielt Reese Witherspoon, was schonmal insofern cool ist, da sie (wenigstens ein bisschen) älter ist als die beiden Herren. Allerdings handelt es sich laut Rotten Tomatoes um ein “career lowlight for all three of its likable stars”.

Journey 2: The Mysterious Island (Die Reise zur geheimnisvollen Insel): Beim oberflächlichen Draufschauen dachte ich zunächst, das sei die Fortsetzung von Race to Witch Mountain (Die Jagd zum magischen Berg). Stimmt aber gar nicht, das hier ist ein Sequel zur modernen Jules-Verne-Variation Journey to the Center of the Earth, diesmal ohne Brandon Fraser. Als Action-Abenteuer für Kids vielleicht sogar ganz okay (mit 13 fand ich auch Crocodile Dundee 2 super!).

The Devil Inside (Devil Inside): Der x-te Exorzismus-Horror, hier ein bisschen aufgepeppt mit allem, was in den letzten Jahren im Genre als modern galt, und anscheinend mit einem beschissenen Ende. 7% auf dem Tomatometer.

Sonst noch:
Adopted: Film zu einem Kunstprojekt von Gudrun F. Widlok, bei dem sich einsame Europäer an Patenfamilien aus Afrika vermitteln lassen können, das Konzept der Patenschaften für Dritte-Welt-Kinder wird hier also umgekehrt.

John Irving und wie er die Welt sieht: Pünktlich zum 70. Geburtstag, ein Porträt des Bestsellerautors.

Trailerschau für Filmstarts vom 23.2.

Im Kino sehen:
Young Adult: Jason Reitman verfilmt nach Juno, den ich sehr mochte, zum zweiten Mal ein Drehbuch von Diablo Cody. Hier spielt Charlize Theron, die in allen Kritiken für diese Rolle überschwänglich gelobt wird, eine Jugendbuchautorin, die nicht erwachsen werden will und sich vornimmt, eine Jugendliebe, die inzwischen verheiratet und Vater ist, zurückzuerobern. Der Plot klingt erstmal nach doofer RomCom, doch hier hat man es eher mit einer recht hinterfotzigen Satire zu tun. Hoffe ich zumindest.

Vielleicht mal im Fernsehen:
In the Land of Blood and Honey: Kriegs- und Liebesdrama im Bosnienkrieg, das vor allem wegen seiner Regisseurin und Autorin besonders viel Aufmerksamkeit bekommt: Die heißt Angelina Jolie und hatte nicht nur mit Plagiatsvorwürfen zu kämpfen, sondern nun auch mit recht durchwachsenen Kritiken. Thorsten Funke (critic.de) merkt an, dass die Story nicht kitschig sei, und “man merkt, dass es Jolie ernst ist mit ihrem Thema”, aber “eine das Sujet wirklich durchdringende Geschichte hat [der Film] auch nicht zu erzählen.”

Muss nicht sein:
Safe House: Denzel Washington ist ein Ex-CIA-Mann, der auf die Seite der Bösen gewechselt ist, jetzt aber gegen sie aussagen will. Als Zeuge wird er in Kapstadt beschützt von Ryan Reynolds. Dann wollen ihn die Bösen aus dem “Safe House” rausholen und es gibt Geballer und Action. So jedenfalls habe ich den Trailer und die Inhaltsangabe verstanden. Sieht eher nach typischer Videothekenware, angereichert mit ein paar Postkartenbildern aus Südafrika, aus.

Ghost Rider: Spirit of Vengeance: Dass ausgerechnet eine der miesesten Marvel-Verfilmungen nach fünf Jahren nochmal ein Sequel bekommt, überrascht etwas. Nicolas Cage spielt also wieder den brennenden Totenkopf, Regie führt diesmal das Duo Neveldine/Taylor, was ja etwas Hoffnung macht. Aber, so schreibt Thomas Groh im Perlentaucher, “der Ballast des Erzählens, der “Plotitis”, dessen sich Neveldine/Taylor mit ihrer wunderbar grotesken Anordnung in Crank fröhlich entledigt hatten, kommt in Ghost Rider 2 dafür nun geballt, plump und schwer zurück, noch dazu in einer der unnötigsten und ineffektivsten 3D-Konvertierungen der jüngeren Zeit.” Sein Fazit: “in erster Linie öder Murks.”

Glück: Doris Dörrie verfilmt eine Geschichte aus Ferdinand von Schirachs Erzählband Verbrechen. Eine Berliner Lovestory zwischen einem Punk und einer aus Osteuropa geflüchteten Prostituierten, die zum Krimi wird, als man bei ihr eine Leiche findet. Cristina Nord schreibt in der taz, der Film “steckt voller Gemeinplätze, Klischees und auf billige Weise geschürte Emotionen. Wann immer eine Ambivalenz auftauchen könnte, die sich jenseits von Gut und Böse bewegt, zwingt er seinen Figuren eine bescheuerte Kindlichkeit auf.”

¡Vivan las Antipodas!: Doku, die ein paar Orte auf dem Planeten herauspickt und dann den jeweiligen Gegenpol dazu, also den Ort, der genau gegenüber auf der anderen Seite des Erdballs liegt. Klingt mehr nach Spielerei als nach interessantem Film.

Sonst noch:
Sergej in der Urne: Ein Urenkel von Sergej Tschachotin dreht einen Dokumentarfilm über seinen Urgroßvater und über dessen Familie, die es bis heute nicht geschafft hat, seine Urne beizusetzen.

Kleiner starker Panda: Zeichentrick aus Deutschland für die Kleinsten, mit dem Look eines klassisch gezeichneten Animationsfilms, aber auf der Leinwand in 3D zu sehen. Regisseur Greg Manwaring ist ein inzwischen in München lebender Animationskünstler, der lange für Disney und andere Firmen an namhaften Projekten wie The Lion King mitgewirkt hat.

Trailerschau für Filmstarts vom 16.2.

Eine erbärmliche Kino-Woche.

Muss nicht sein:
Don 2 (Don – The King is back): Bollywood goes Berlin: Indiens Superstar Shah Rukh Khan als Edelgangster, der auf der Flucht vor der Polizei actionreich in Berlin herumturnt. Das ist bestimmt ganz amüsant, aber wie gesagt: Bollywood ist nicht so meins.

Die Thomaner: Chorknabendoku – sicher nicht ganz uninteressant. Leider wohl komplett unkritisch und nicht daran interessiert, diese spezielle Erziehungsform auch kritisch zu hinterfragen.

Extremely Loud and Incredibly Close (Extrem laut und unglaublich nah): Bestsellerverfilmung nach Jonathan Safran Foer über einen Jungen, der den Tod des Vaters bei den Anschlägen vom 11. September verarbeiten muss. Stephen Daldry hat wohl ein sentimentales Rührstück daraus gemacht. Jet Strajker meint bei F5, das sei “sehr kitschig, sehr amerikanisch und immer ein wenig zu viel. Und damit aber auch eben die ganz hollywoodtypische Bewältigung des nationalen Traumas, so rundheraus legitim wie nachvollziehbar. Kein schlechter Film.”

Father, Son & Holy Cow (Sommer auf dem Land): Deutsch-polnische Tragikomödie, in der ein Witwer seine verstorbene Frau in einer Kuh wiedererkennt. Im film-dienst schreibt Alexandra Wach einen schön zu lesenden Verriss: “Die Schnittmenge von Chocolat, Don Camillo und Komödie im Mai ist allerdings derart unverdaulich geraten, dass es Mühe macht, die Zumutung des sich heillos anbiedernden „Opas Kino“-Humors durchzuhalten.”

Big Miracle (Der Ruf der Wale): Tierkitsch zum Ersten: Im Jahr 1988 hatten sich drei Grauwale ins Packeis von Alaska verirrt, wo sie nicht mehr herausfanden. Die aufwendige Befreiungsaktion gibts nun als Film mit Drew Barrymore. Ist sicher eine interessante Geschichte, aber wenn, dann will ich sowas als Dokumentation oder als Sachbuch und nicht als gefühlsduseliges, Viecher-überhöhendes Pathosdrama “inspired by true events”.

War Horse (Gefährten): Tierkitsch zum Zweiten, hier von Steven Spielberg persönlich: Ein Pferd als Held des Ersten Weltkriegs. Vielleicht ist ja bei mir irgendwas kaputt, aber ich kann das nur hochgradig lächerlich finden. SpOn schreibt: “So viel Pathos und zugleich so viel penetrante Schlichtheit waren bei Spielberg lange nicht gesehen”

Yoko: Meine Güte, das sieht ja furchtbar aus! Ein deutsches Kinderabenteuer um ein paar Kids, die bei sich zuhause einen Yeti finden. Das Vieh ist bestenfalls mittelmäßig animiert und sieht furchtbar aus (eine Kreuzung aus Ewoks, Mogwais, dem Glücksdrachen Fuchur und dem Kuschelweich-Bären) und die Geschichte sieht aus wie eine plump nacherzählte Variation von E.T. in schlecht.

Trailerschau für Filmstarts vom 9.2.

Im Kino sehen:
Hugo (Hugo Cabret): Wahrscheinlich Martin Scorseses erster Film mit einer Freigabe ab 6 Jahren! Gleichzeitig aufwendiger Märchenfilm für Kinder und nostalgische Hommage an das ganz frühe Fantasy- und Special-Effects-Kino von George Méliès (Wer Voyage dans la Lune noch nie gesehen hat: unbedingt nachholen!) Der Film basiert auf einem Buch von Brian Selznick, das ich vor ein paar Jahren hier besprochen habe. Der geschätzte Michael Sennhauser nennt das in seiner Liste der Unverpassbaren “ein Steampunk-Kinofest (…) mit Hilfe der bislang souveränsten 3D-Inszenierung überhaupt.”

Vielleicht mal im Fernsehen:
Le gamin au vélo (Der Junge mit dem Fahrrad): Der neue Film der Gebrüder Dardenne, ihres Zeichens die Festivallieblinge von Cannes, soll weniger deprimierend sein als ihre bisherigen Werke (an die ich mich bislang nicht herangewagt hatte). Vielleicht ist ja dieser, in dessen Mittelpunkt ein “Arschlochkind” (Moviemaze) steht, geeignet zum Herantasten.

Muss nicht sein:
In Darkness (In Darkness – Eine wahre Geschichte): Polens Beitrag für den Auslandsoscar, (mal wieder) ein Holocaustdrama.

Or Noir (Black Gold): Arabien in den 30er Jahren. Erdöl wird entdeckt und Sultan streitet mit Emir. Früher hieß sowas Monumentalfilm, mit aufwendigen Kostümen, vielen Kamelen, viel Wüstensand und schicker Ausleuchtung. Jean-Jacques Annaud hat hier also richtig viel zu zeigen, aber offenbar nicht viel zu erzählen, wenn man den recht reservierten Kritiken glaubt.

Die Unsichtbare: Drama um eine junge Schauspielerin, die von ihrem Regisseur zu Höchstleistungen gequält wird. Das ist bestimmt wieder hochgradig ungerecht, aber der Trailer wirkt, als hätte eine deutsche Filmhochschule die Aufgabenstellung “Lasst uns sowas wie Black Swan machen, nur viel anstrengender und angestrengter” verfilmt.

The Vow (Für immer Liebe): Schnulzschmonz aus der Romanzenfabrik. Eine Mischung aus Krankendrama und Romcom, in der eine Frau nach einem Autounfall das Gedächtnis verloren hat und ihr Ehemann wieder von vorn versuchen muss, ihr Herz zu erobern.

… und dann war da noch die Wiederaufführung eines gewissen Machwerks eines gewissen George Lucas. Wer meint, sich Jar Jar Binks auch noch in 3D antun zu müssen, hat jetzt die Gelegenheit.

Trailerschau für Filmstarts vom 2.2.

Im Kino sehen:
Tinker, Tailor, Soldier, Spy (Dame, König, As, Spion): Ein auf sehr schicke Weise altmodisch daherkommender Spionagethriller im Kalten Krieg, basierend auf einem Roman von John Le Carré aus dem Jahr 1974. Die Umsetzung stammt vom Schweden Tomas Alfredson, der hiermit nach seinem großartigen Let the Right One In sein Hollywood-Debüt abgibt. Sehr vielversprechend besetzt mit lauter tollen Typen (Gary Oldman, John Hurt, Colin Firth, Tom Hardy und Benedict “Holmes” Cumberbatch).

Auf die DVD warten:
Moneyball (Die Kunst zu gewinnen – Moneyball): Das Eröffnungskapitel in Christoph Biermanns Buch Die Fußball-Matrix handelt davon wie Billy Beane, Manager des Baseball-Profiteams Oakland Athletics, die Baseball-Welt revolutionierte, indem er ein Team strikt nach statistischen Werten zusammenstellte und damit sensationell erfolgreich war. 2003 schrieb der Journalist Michael Lewis diese Geschichte im Buch Moneyball auf. Das Buch erschien nie auf Deutsch, die Verfilmung dagegen schon. Denn hier spielt Brad Pitt die Hauptrolle, es gibt Oscar-Nominierungen, und überhaupt wird stets versichert, dass dies kein Baseballfilm sei und auch für Leute geeignet, die keine Ahnung vom Baseball haben. Der Trailer jedenfalls riecht nach einem vielversprechenden Sport-/Management-Drama, das Tomatometer kommt auf satte 94%.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Zettl: Helmut Dietl – der mit seinem weißen Schal immer mehr wie eine Karikatur seiner selbst aussieht – knüpft an Kir Royal an (aber ohne Franz Xaver Kroetz, der wollte nicht), geht von München nach Berlin, holt sich Stuckrad-Barre als Co-Autor ins Boot und Bully Herbig als Hauptdarsteller. Und scheitert, wenn man den Kritikern glaubt, grandios. Eine Handvoll gute Dialoge dürften trotzdem drin sein.

Die Summe meiner einzelnen Teile: Der neue von Hans Weingartner, der mit Das weiße Rauschen und Die fetten Jahre sind vorbei zwei ziemliche Erfolge und danach mit Free Rainer einen ziemlichen Flop hingelegt hat (bitte raten Sie jetzt, welche zwei Filmtitel in der Werbung genannt werden). Diesmal geht es wieder in die düsterere Richtung von Das weiße Rauschen. Es geht um einen hochbegabten Mathematiker, der nach einem Zusammenbruch und psychiatrischer Behandlung nicht wieder zurück in Job und Gesellschaft findet.

The Matchmaker (Ein Sommer in Haifa):
Israelische Coming-of-Age-Geschichte, die 1968 in Haifa spielt. Jugendlicher Aufbruch und gesellschaftlicher Umbruch sind zu spüren, aber das Trauma der Shoa wirkt noch nach. Regisseur Avi Nesher scheint hier eine gute Balance zwischen Leichtigkeit und Schwere gefunden zu haben.

Muss nicht sein:
My Reincarnation: Der nächste in einer niemals abreißenden Reihe von Tibet- bzw. Buddhismus-Sachfilmen, die hierzulande ins Kino schwappen. Hier geht es um den in Italien geborenen Sohn eines tibetanischer Würdenträgers, der die Inkarnation eines noch würdigeren Würdenträgers sein soll, aber keine Lust hat, nach Tibet in ein Kloster zu gehen.

The Inbetweeners Movie (Sex on the Beach): Der große Sommerhit in Großbritannien (in den Jahrescharts auf Platz 3 hinter Harry Potter 7b und The King’s Speech), der den Abschluss einer sehr erfolgreichen TV-Comedyserie über und für pubertierende Jugendliche bildet. In Deutschland läuft die Serie nirgends, dass man dann trotzdem den Kinofilm importiert (und mit der Synchro vermutlich noch den letzten Rest Charme inmitten der Penis-, Sauf- und Pupswitze tötet), verstehe ich nicht so ganz.

Underworld Awakening: Ein Franchise, das mich nie gejuckt hat, das aber wohl immer noch groß genug ist, um den nunmehr vierten Teil der Action-Vampir-Sause ins Kino zu bringen. Diesmal in 3D.

Trailerschau für Filmstarts vom 26.1.

Eine extrem gute Kinostartwoche ist das, Herrschaften. Sicher kein Zufall, dass ein paar Verleihe ihre Filme ganz gezielt in die Woche der Oscarnominierungen gelegt haben …

Im Kino sehen:
Drive: Ich hörte zum ersten Mal von Drive, als ich las, das Nicolas Winding Refn dafür den Regiepreis in Cannes gewonnen hat. Für einen Actionfilm. In Cannes. Da war klar, dass das was Besonderes sein muss. Seitdem bekommt er überwiegend sehr gute bis enthusiastische Kritiken. Ich bin sicher, das Eintrittsgeld wird sich lohnen.

The Artist: Die Geschichte vom Stummfilmstar, der mit der Einführung des Tonfilms zu kämpfen hat. Als Stummfilm in Schwarz-Weiß. Das ist entweder völlig bescheuert oder genial. Hier ist letzteres der Fall – und ich hoffe, das sagen nicht nur die Kritiker, die sich immer freuen, wenn ein Film von ihrem eigenen Lieblingsthema handelt. Golden-Globe-Liebling und Oscar-Favorit 1.

The Descendants (The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten): Oscar-Favorit 2, der neue von Alexander Payne, dessen Sideways und About Schmidt ich sehr mochte. Er kriegt es hin, sehr lebensnah und realistisch zu erzählen und dabei das “normale Leben” um den kleinen entscheidenden Tick zu überhöhen, so dass es besonders wird. Das Thema (Familienvater muss mit Verlust der sterbenden Frau, seinen pubertierenden Töchtern und der Erkenntnis, dass ihn die Frau betrogen hat, klarkommen) klingt erstmal so gar nicht verlockend, aber Payne hat daraus offensichtlich eine sehenswerte, warmherzige Tragikomödie gemacht.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Tage die bleiben: Inhaltlich gar nicht so weit weg von The Descendants, geht es auch hier um einen Vater und seine Kinder, die den Tod der Mutter betrauern. Sieht gar nicht schlecht aus, auch wegen Darstellern wie Götz Schubert (KDD) und Max Riemelt (Im Angesicht des Verbrechens). Schau ich mir an, wenn er spätnachts im Ersten läuft.

Man on a Ledge (Ein riskanter Plan): Eine Auf der Flucht-Variation mit Sam Worthington. Sieht nach halbwegs solider Thriller-B-Ware aus, manchmal ist das ja ganz okay. Herzlichen Glückwunsch auch an die Findungskommission, die sich den deutschen Titel ausgedacht hat: markant, unverwechselbar, originell!

Michael: Österreichischer Anti-Feelgood-Film, der die Fälle Fritzl und Kampusch aufgreift und bewusst auf alles Reißerische verzichtet. Regisseur Markus Schleinzer hat schon für Michael Haneke gearbeitet, was man dem Film wohl auch anmerkt.

Muss nicht sein:
Jack and Jill (Jack und Jill): Was ich im Kino nicht sehen will: Filme, in denen ein Komiker in zwei Rollen als Zwilling auftritt. Was ich auch nicht sehen will: Filme, in denen ein männlicher Komiker eine Frau spielt. Was ich erst recht nicht sehen will: Filme mit Adam Sandler. Und was ich auch nicht sehen will: Filme mit Katie Holmes. Und was ich überhaupt niemals nie ganz und gar nicht sehen will: Jack and Jill.

Sonst noch:
Arirang (Arirang – Bekenntnisse eines Filmemachers): Festivalliebling Kim Ki-Duk hatte eine schwere Schaffenskrise, zog sich in eine einsiedlerhafte Hütte zurück und filmte sich selbst. Außerdem baute er eine Pistole und eine ziemlich coole Kaffeemaschine. Das ist wohl eher was für Leute, die auf Experimentelles stehen.

Fünf Freunde: Weil im Kinderkino immer das am besten funktioniert, was die Eltern aus der eigenen Kindheit noch kennen, gibt es jetzt ein modernisiertes Update der alten Enid-Blyton-Reihe aus dem Hause Constantin Film. Übrigens, falls ihr ‘nen fiesen Ohrwurm braucht:

Trailerschau für Filmstarts vom 19.1.

Im Kino sehen:
The Muppets (Die Muppets): Hach. Nach vielen Jahren Abwesenheit endlich ein neuer Muppets-Film. Losgetreten, geschrieben und gehauptrollt von Jason Segel (Sie könnten ihn aus How I Met Your Mother kennen). Die Viral-Video-Kampagne, die für den Film seit Monaten gefahren wird, war großartig und schürte ordentlich Vorfreude (hier nochmal alle Parody Trailers im Überblick). Und wenn der Film da annähernd rankommt, wird’s ein schöner Abend. Auf jeden Fall sind hier einige richtig gute Leute mit an Bord, ein Haufen cooler Gaststars und die musikalische Leitung hatte Bret McKenzie (Flight of the Conchords). Jetzt muss ich nur noch ein Kino finden, dass den im Original zeigt (das Münchner Cinema bringt ihn leider nur nachmittags).

Auf die DVD warten:
Kriegerin: Ein Film über ein Teenagermädchen im Neonazi-Milieu — sowas kann ja ganz leicht fürchterlich schiefgehen, scheint hier aber geglückt zu sein. Moviepilot macht mir hier eine 9.0-Prognose, das will schonmal was heißen. Wer die Graf-Serie Im Angesicht des Verbrechens gesehen hat, kennt auch Hauptdarstellerin Alina Levshin. Ein “atemberaubend souveräner und nuancenreichen Auftritt” sei das, schreibt Rüdiger Suchsland bei Telepolis, lobt den Film für seine präzise Milieuschilderung, tadelt dann aber die Wendung im letzten Drittel, wenn “ohne Not emotionalisiert und psychologisiert” wird. Trotzdem bestimmt ein interessanter FIlm.

Vielleicht mal im Fernsehen:
J. Edgar: Leo Di Caprio spielt J. Edgar Hoover, den legendären FBI-Boss. Ich hab’s nicht so mit Biopics, aber es ist ein Clint-Eastwood-Film, was eigentlich für hohe Qualität spricht. Die Zusammenfassung bei Rotten Tomatoes klingt allerdings nicht ermutigend: “Leonardo DiCaprio gives a predictably powerhouse performance, but J. Edgar stumbles in all other departments with cheesy makeup, poor lighting, confusing narrative, and humdrum storytelling.”

Bir Zamanlar Anadolu’da (Once Upon a Time in Anatolia): Filme aus der Türkei, die zu uns kommen, sind in der Regel entweder kreuzdoofe Komödien oder superintellektuelle Autorenfilme. Dieser hier fällt eher in die zweite Kategorie, sieht aber (trotz des sehr wage gehaltenen Trailers) ziemlich zugänglich aus.

Tag und Nacht: Freizügiges österreichisches Drama um zwei Freundinnen, die beschließen, ihr Geld beim Escort-Service zu verdienen. Läuft sicher mal im Spätprogramm bei 3sat.

Muss nicht sein:
Faust: Alexander Sokurow verfilmt Goethe und gewinnt damit den Goldenen Löwen von Venedig. Möglicherweise die ganz hohe Filmkunst? Ich finde da keinen Zugang.

Intruders: Spanischer Horrorfilm mit Clive Owen und Daniel Brühl, der einen in jeder Hinsicht durchschnittlichen Eindruck macht.

Empire Me – Der Staat bin ich!: Macht einen recht wirren Eindruck: Doku über autonome Kleinststaaten wie Christiania oder Sealand.

Mon pire cauchemar (Mein liebster Alptraum): Elegante Dame trifft auf prolligen Arbeiter. Die beiden mögen sich natürlich überhaupt nicht, und wie das dann weitergeht, kann man sich selber ausmalen.

De vrais mensonges (Bezaubernde Lügen): Französische Verwechslungs-RomCom mit Audrey Tautou, die ein bisschen mit dem Cyrano-Motiv spielt. Außer althergebrachten Genre-Standards scheint’s hier nicht viel zu geben.

Trailerschau für Filmstarts vom 12.1.

Auf die DVD warten:
The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung): An dieser Stelle müsste jetzt eigentlich mein übliches Genöle über unnötige US-Remakes von nicht-englischsprachigen Filmen kommen. Hier mache ich eine Ausnahme, weil …

  • … es sich strenggenommen um die zweite Verfilmung eines Romans und nicht um ein direktes Film-Remake handelt (wie die Produzenten auch mehrfach betonen)
  • … die erste (schwedische) Verfilmung eigentlich gar kein Kinofilm war, sondern ein Fernsehmehrteiler, der nachträglich auf Kinolänge geschnitten wurde
  • … die neue Version ein David-Fincher-Film und somit schonmal grundsätzlich interessant ist
  • … die schwedische Erstverfilmung gar nicht mal so gut war. Neuverfilmungen von brillanten Filmen sind unnötiger Quatsch, aber brillant war Män som hatar kvinnor nicht. Aus meiner Sicht ein ziemlich spannender, gut gemachter TV-Thriller, an dem außer Hauptdarstellerin Noomi Rapace nichts überdurchschnittlich war.

Trotzdem wahrscheinlich eher auf DVD als im Kino, denn die Story kenn ich ja schon.

Reality XL: Mysterythriller um verschwundene Wissenschaftler am CERN. Das extrem seltene Beispiel eines deutschen Films, der tatsächlich independent, also ohne Filmförderung und ohne dicken Produzenten und/oder TV-Sender im Hintergrund gemacht und ins Kino gebracht wurde. Buch und Regie stammen von Tom Bohn, der schon viele Tatorte gedreht hat und es auch schaffte, bekannte Gesichter wie Heiner Lauterbach zu verpflichten. Julian Reischl fand den Film “schauderhaft gut”, die ersten Reaktionen bei moviepilot sind sehr gemischt, ansonsten sind kaum Kritiken zu finden.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Das traurige Leben der Gloria S.: Man sieht’s dem Trailer nicht gleich an, aber das hier ist eine Komödie. Die taz meint gar, zuletzt habe “man sich bei Helge Schneider in einem deutschen Film so gut amüsiert”. Es geht ums Filmemachen, ums prekäre Künstlerleben und das Thema Realität vs. Inszenierung. Könnte ein Geheimtipp sein.

William S. Burroughs – A Man within: Ziemlich interessant aussehende Doku über den Autor und seinen Einfluss auf die Popkultur.

Offroad: Ich bin ja dauerverliebt in Nora Tschirner, nur leider taugen ihre Filme selten was. Scheint hier auch nicht viel besser zu werden, auch wenn sie hier (erstmals?) als echte Hauptdarstellerin im Mittelpunkt steht.

Napapiirin sankarit (Helden des Polarkreises): Finnische Komödie über ein paar kaputte Typen auf einem Roadtrip in Lappland. Schön skandinavisch-skurril oder eher platte Jungs-Komödie? Der Trailer deutet schwer auf letzteres hin.

Muss nicht sein:
Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen: Deutsches Drama um (Stasi-) Vergangenheitsbewältigung, das sehr nach Fernsehen aussieht. Spricht mich irgendwie gar nicht an.

Soul Surfer: Nach erbaulichen Delphinen mit Prothesen (Mein Freund, der Delfin) kommt nun die erbauliche Verfilmung einer “inspiring true story” von einer jungen talentierten Surferin, der ein Hai den Arm abgebissen hat, die es aber trotzdem schafft, Profisurferin zu werden, auch durch ihren Glauben an Gott. Mir schaudert ein wenig.

Sonst noch:
Jørgen + Anne = sant (Anne liebt Philipp): Vielfach gelobter norwegischer Kinderfilm über die allererste Liebe.

The Real American – Joe McCarthy: Vom ZDF koproduzierte Doku über den berüchtigten Kommunistenjäger, mit einer Mischung aus Talking Heads, Originalaufnahmen und nachgespielten Szenen.