Geist ist geil

Quality Street

Freitag, 24.10.2008

Friedrich Küppersbusch in der taz zur Qualitätsdebatte rund ums deutsche Fernsehen:

Marcel Reich-Ranicki kommt mir vor wie jemand, der wandern will und auf eine Kirmes geht - und sich dann beschwert, dass man da nicht wandern kann. Da kann ich nur sagen: Marcel, da drüben ist der Wald!
 
Wie meinen Sie das?
 
Die Frage ist doch nicht, ob wir neben Arte und 3Sat noch einen Sender für die Hochbegabtenförderung brauchen, um neben der Theater-, Bücher- und Film- auch noch die Musiklobby zu bedienen. Die Frage ist, wie man dem weniger gebildeten Zuschauer eine Alternative zu den Schamlippenpiercing-Runden auf den Privatsendern bietet. Das macht man jedenfalls nicht, indem man ihn zwingt, im Telekolleg bei Reich-Ranicki sein Abitur nachzumachen.



Die Alten und das Kino

Montag, 03.03.2008

Schon drei Wochen alt, trotzdem lesenswert: Im SZ Wochenende machte sich Tobias Kniebe Gedanken darüber, warum die großen alten Filmemacher zwar oft und gerne mit Preisen geehrt werden, ihre neueren Filme aber kaum jemanden interessieren. Einer der Gründe ist für Kniebe die Tatsache, dass die Leute, wenn sie älter werden, irgendwann aufhören, ins Kino zu gehen:

Wer zwischen zwanzig und dreißig war, als “Außer Atem” 1960 in die Kinos kam, wer den orginären Godard-Flash noch erlebt hat, der muss heute zwischen Ende sechzig und Ende siebzig sein.
 
Diese Menschen sind reicher, fitter, lebensfroher als jede Generation zuvor - und sie haben eine Verbindung zur Hipness der Vergangenheit, von der wir Nachgeborenen nur träumen können. Warum, zum Teufel, gehen sie nicht mehr ins Kino? Warum haben sie aufgehört, die Helden, die sie geprägt haben, zu begleiten, zu unterstützen, zu lieben? Den Musikern jener Zeit ist es gelungen, ihre Generation bei der Stange zu halten und trotzdem neue Fans zu gewinnen - Verkaufserfolge feiert die Musikbranche, auch unter jungen Fans, heute mit Namen wie Led Zeppelin oder Pink Floyd. Auf dem Literaturmarkt verkaufen sich vor allem Senioren wie Philip Roth und Hans Magnus Enzensberger lastwagenweise.
 
Auch das Kino sehnt sich nach den Helden seiner Vergangenheit - und ist doch unfähig, würdig mit ihnen umzugehen. Gerade jene Menschen, die eine bessere Zeit noch erlebt haben, geben sich heute mit lächerlichem Ersatz zufrieden: Der öffentlich-rechtliche Fernsehmüll der Firma Degeto ersetzt das große Melodram, das gerade die Deutschen einmal brillant beherrscht haben, Event-Hysterie im Fernsehen ersetzt das kollektive Kinogefühl, und sage und schreibe Veronica Ferres besetzt allein einen Raum, den sich früher mindestens fünf wirklich große Schauspielerinnen teilen mussten.

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O tempo’a, o mo’es

Dienstag, 26.02.2008

Die dicksten Ausgaben des SZ-Magazins sind die, die am schnellsten gelesen sind: die Modehefte. Voll nich mein Thema. Kurz durchblättern sollte man diese Hefte dann aber doch, denn die Redaktion findet immer wieder recht originelle Zugänge zum Thema. Diesmal geht’s um “40 Jahre ‘68″, und eine Seite zeigt einen Zeitungsausschnitt vom September 1965. Die F.A.Z. berichtet über die Rolling Stones. Unglaublich:

Wem galt der Rausch? Fünf jungen Männern, die die Haare länger tragen als Mädchen und eine erbärmlich einfallslose primitive Musik zum besten geben.
[…]
Wir sahen dank der Vermittlung des Bildschirms den Rollenden Steinen zu, hatten ihnen zugehört, als sie, von einem Reporter befragt, mit seltsam affenähnlichen ruckweisen Bewegungen Auskunft über An- und Abfahrtszeiten und die Auflagenhöhe ihrer Schallplatten gaben. Es kann doch wohl nicht sein, daß man als älterer Mensch bereits jeden Kontakt zu dem, was junge Menschen bewegt, verloren haben soll?
[…]
Wie ist es möglich, daß fünf lächerlich unmännlich gekleidete und behaarte Wesen Tausende junger Menschen zu frenetischem Hüftwippen und Kopfnicken bringen?

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Och

Mittwoch, 21.11.2007
SZ: Auf Ihrer DVD ist auch ein Video des Popsängers TIM zu sehen. Das war das frühe Scheitern des jungen Olli Dittrich.
 
Dittrich: Das war ein sehr aufwendiges Video, das damals in England gedreht wurde.
 
SZ: Wie kommt man auf den Namen TIM?
 
Dittrich: Ich war damals ein großer Fan von Tim und Struppi.
 
SZ: Och.
 
Dittrich: Ja, so einfach ist das manchmal.

Hans Hoff interviewt Olli Dittrich in einem SZ-Interview, in dem er sich u.a. auch für die neue Elektromarkt-Kampagne rechtfertigt.
Ach, übrigens, wer’s noch nicht bemerkt hat: Seit ein paar Wochen laufen neue Dittsche-Folgen, beim WDR gibt’s die auch als Podcast.



Pups 2.0

Freitag, 08.12.2006

Sascha Lobo erklärt uns das Webzwonull. Im Zeitschriftenblog.

Früher entdeckte ein Einzelner, dass Kraftwerksabwässer in den Bach geleitet werden, er schrie herum und irgendwann kam eine Kuh und pupste und das war’s. Heute schreit er digital herum, mit den Mitteln des Web 2.0 – schreibt, fotografiert, filmt und verlinkt und es besteht eine gute Chance, dass irgendwann eine sehr große Kuh namens Spiegel Online ankommt und einen Pups macht, der bis in die Schaltzentrale des Kraftwerks stinkt. Und allein die Angst davor, dass es passieren könnte, verbessert die Welt.



R.I.P.

Donnerstag, 16.11.2006

After a long illness, the groundbreaking home-entertainment format VHS has died of natural causes in the United States. The format was 30 years old.

No services are planned.

Mehr bei Variety.



Popkultur für Fortgeschrittene

Montag, 09.10.2006

Zitat von mir, gefallen auf der Frankfurter Buchmesse, zeichnerisch festgehalten von Piwi.

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Oktoberfestcontent

Donnerstag, 28.09.2006

Wir schreiben viele überflüssige Haggerl. In manchen Zeitungen liest man immer noch „Wies’n“ statt richtig „Wiesn“. Es könnte ja sonst allzu bairisch aussehen! Wozu aber dient hier der Apostroph? Es gibt keine Einzahlform „Wiesen“, also ist das Haggerl als Auslassungszeichen ein Schmarrn. Ein Schmarr’n? Gleiches gilt für Watschn, Hutschn, Butzn, Märzn, Dotschn, Letschn.
Manche Zeitungen könnten jährlich zur Oktoberfestzeit einige Quadratmeter Haggerl einsparen. Doch das Haggerl ist chic wie ein Dirnd’l’wand, Schwein’swürst’l, pros’t, g’suffa!

Johann Höfer in Bairisch gredt, zitiert im FBSD Rundbrief Nr. 43 (S. 26f)

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Ach, Focus…

Sonntag, 10.09.2006

Bernd Eichinger ist so manches, das kann schon sein. Aber ein Regisseur, ein “großer” gar? Ach komm! Der letzte, bei dem er selbst Regie geführt hat, war der Große Bagarozy und das war ein großer Rotz. Allerdings ist der Ausschnitt aus dieser Anzeige tatächlich ein gutes Indiz dafür, wie sehr sich der Produzent Bernd E. in den Vordergrund zu spielen versteht. Schon Der Untergang wurde landauf, landab als Eichinger-Film wahrgenommen, vom Regisseur war kaum die Rede. Beim Parfum wird’s wieder ähnlich sein.



König Kunde tut kund

Donnerstag, 07.09.2006

Es ist meist langweilig, oft grausam, aber gelegentlich dann auch wieder sehr komisch, die Leserrezensionen bei Amazon zu studieren. Hier einige Beispiele rund um Süskinds Das Parfum:

Zur Interpretationshilfe Deutsch schreibt eine Leserin:

es war wirklich dringend nötig für dieses Buch eine Interpretationshilfe zuschreiben, denn was sollen sonst die normalen Schüler machen, die keine Interpretationsmöglichkeiten (außer das dieses Buch bescheuert ist)sehen.
Einfach toll

Zum 3,40 Euro teuren Reclam-Bändchen Das Parfum. Erläuterungen und Dokumente schreibt einer:

Da ich in der Schule das Buch “Das Parfum” von Patrick Süskind lesen wollen, wollte ich dieses bei Amazon bestellen. Bei meiner Suche fand ich diese Exenmplar, welches mir sehr günstig erschien. Erst als es da war, bemerkte ich, dass es nur eine Interpretationshilfe ist. Dies ist aus der Artikelbeschreibung nicht richtig hervorgegangen.

Deutschlehrer der Nation, lest ihr mit?

Der hier landete versehentlich ebenfalls bei den Erläuterungen (Achtung, Spoiler):

Das Ende hat mich nicht sehr angesprochen, da der ganze Spuk einfach so ein Ende haben soll, weil sie ihn AUFFRESSEN! Jedoch hat mich in der letzten Zeit kein derartiges Buch so gefesselt wie dieses. Deswegen 4 Sterne.

Und dann gibt es noch über 400 Kundenrezensionen zum Roman selbst. Am meisten Spaß machen wie immer die Verrisse:

Ich empfehle dieses Buch nicht weiter. Sicherlich gibt es Leser der ihr Interesse geweckt wird.

Die Mordtaten kommen entsprechend zu kurz. Hier hätte ich mehr erwartet. Der teilweise rohe Sprachstil hätte hier wesentlich mehr Interpretationsspielraum für wirklich erschreckende und harte Morddarstellungen gegeben. Um es klar zu sagen: Der Untertitel hatte mir ein brutaleres Buch versprochen.

Also das nennt man Krimi? Ich verstehe es nicht! Nach den ersten 20 Seiten bin fast eingeschlafen und ich hatte auch keine Ahnung wieso ich es weiterlesen sollte (außer das wir es wegen der Schule lesen mussten) Über 200 Seiten lang passiert überhaupt nchts besonderes. Es wird das Leben von Grenouille beschrieben und man weiss nicht um was es überhaupt geht. Wen interessiert es schon, wie er lebt und das er zum Beispiel 7 Jahre in einer Höhle versauert?. Dann kauf ich mir eine Biografie von jemanden, aber doch keinen “Krimi”.

Als ich das Buch las, war ich schon auch gebannt, es liest sich flüssig, tropft nur so raus, manchmal ist es auch ziemlich brühig.

Aber nicht so brühig wie diese ganzen Kundenrezensionen. Bei isabo übrigens gibt’s eine sehr hübsche Liste von Punkten, die beim Schreiben von Kundenrezis unbedingt zu beachten sind.

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