zitiert

Oktoberfestcontent

Wir schreiben viele überflüssige Haggerl. In manchen Zeitungen liest man immer noch „Wies’n“ statt richtig „Wiesn“. Es könnte ja sonst allzu bairisch aussehen! Wozu aber dient hier der Apostroph? Es gibt keine Einzahlform „Wiesen“, also ist das Haggerl als Auslassungszeichen ein Schmarrn. Ein Schmarr’n? Gleiches gilt für Watschn, Hutschn, Butzn, Märzn, Dotschn, Letschn.
Manche Zeitungen könnten jährlich zur Oktoberfestzeit einige Quadratmeter Haggerl einsparen. Doch das Haggerl ist chic wie ein Dirnd’l’wand, Schwein’swürst’l, pros’t, g’suffa!

Johann Höfer in Bairisch gredt, zitiert im FBSD Rundbrief Nr. 43 (S. 26f)

Ach, Focus…

Bernd Eichinger ist so manches, das kann schon sein. Aber ein Regisseur, ein “großer” gar? Ach komm! Der letzte, bei dem er selbst Regie geführt hat, war der Große Bagarozy und das war ein großer Rotz. Allerdings ist der Ausschnitt aus dieser Anzeige tatächlich ein gutes Indiz dafür, wie sehr sich der Produzent Bernd E. in den Vordergrund zu spielen versteht. Schon Der Untergang wurde landauf, landab als Eichinger-Film wahrgenommen, vom Regisseur war kaum die Rede. Beim Parfum wird’s wieder ähnlich sein.

König Kunde tut kund

Es ist meist langweilig, oft grausam, aber gelegentlich dann auch wieder sehr komisch, die Leserrezensionen bei Amazon zu studieren. Hier einige Beispiele rund um Süskinds Das Parfum:

Zur Interpretationshilfe Deutsch schreibt eine Leserin:

es war wirklich dringend nötig für dieses Buch eine Interpretationshilfe zuschreiben, denn was sollen sonst die normalen Schüler machen, die keine Interpretationsmöglichkeiten (außer das dieses Buch bescheuert ist)sehen.
Einfach toll

Zum 3,40 Euro teuren Reclam-Bändchen Das Parfum. Erläuterungen und Dokumente schreibt einer:

Da ich in der Schule das Buch “Das Parfum” von Patrick Süskind lesen wollen, wollte ich dieses bei Amazon bestellen. Bei meiner Suche fand ich diese Exenmplar, welches mir sehr günstig erschien. Erst als es da war, bemerkte ich, dass es nur eine Interpretationshilfe ist. Dies ist aus der Artikelbeschreibung nicht richtig hervorgegangen.

Deutschlehrer der Nation, lest ihr mit?

Der hier landete versehentlich ebenfalls bei den Erläuterungen (Achtung, Spoiler):

Das Ende hat mich nicht sehr angesprochen, da der ganze Spuk einfach so ein Ende haben soll, weil sie ihn AUFFRESSEN! Jedoch hat mich in der letzten Zeit kein derartiges Buch so gefesselt wie dieses. Deswegen 4 Sterne.

Und dann gibt es noch über 400 Kundenrezensionen zum Roman selbst. Am meisten Spaß machen wie immer die Verrisse:

Ich empfehle dieses Buch nicht weiter. Sicherlich gibt es Leser der ihr Interesse geweckt wird.

Die Mordtaten kommen entsprechend zu kurz. Hier hätte ich mehr erwartet. Der teilweise rohe Sprachstil hätte hier wesentlich mehr Interpretationsspielraum für wirklich erschreckende und harte Morddarstellungen gegeben. Um es klar zu sagen: Der Untertitel hatte mir ein brutaleres Buch versprochen.

Also das nennt man Krimi? Ich verstehe es nicht! Nach den ersten 20 Seiten bin fast eingeschlafen und ich hatte auch keine Ahnung wieso ich es weiterlesen sollte (außer das wir es wegen der Schule lesen mussten) Über 200 Seiten lang passiert überhaupt nchts besonderes. Es wird das Leben von Grenouille beschrieben und man weiss nicht um was es überhaupt geht. Wen interessiert es schon, wie er lebt und das er zum Beispiel 7 Jahre in einer Höhle versauert?. Dann kauf ich mir eine Biografie von jemanden, aber doch keinen “Krimi”.

Als ich das Buch las, war ich schon auch gebannt, es liest sich flüssig, tropft nur so raus, manchmal ist es auch ziemlich brühig.

Aber nicht so brühig wie diese ganzen Kundenrezensionen. Bei isabo übrigens gibt’s eine sehr hübsche Liste von Punkten, die beim Schreiben von Kundenrezis unbedingt zu beachten sind.

Krampfadern von WDR-Kugelschreiberstärke

Nach wochenlanger Absenz ist Harald Schmidt ab Mittwoch wieder auf Sendung. Da die letzten Sendungen vor der langen Sommerpause ziemlich schwach waren, hatte ich ihn nicht besonders vermisst. Wenn er allerdings in der Show wieder Anekdoten bringt wie die folgende, dann freu ich mich doch wieder drauf:

Ich hatte mir ein Eis gekauft und saß damit auf einer Bank. Dann kam eine Frau, etwa mein Alter. Was natürlich ein grauenhaftes Alter für Frauen ist. Für Männer ist es fantastisch, aber für Frauen ist es schwierig. Diese Frau kam auf mich zugelaufen und tat mir zutiefst leid. Sie trug selbst abgeschnittene Jeans, so Hotpants, und hatte Krampfadern von WDR-Kugelschreiberstärke, in WDR-Blau. Sie zu mir: “Hallo, Herr Schmidt, darf ich ein Foto von Ihnen machen? Mein Sohn traut sich nicht.”
 
Und das waren dann diese menschlichen zehn Minuten, die ich mir pro Tag verordnet habe, auch im Dienst des Senders. Ich sage: Klar, machen Sie das. Und dann hab ich dieses Foto in Bild gesehen. 500 Euro dafür, das war wahrscheinlich deren halber, oder vielleicht sogar deren ganzer Urlaub. Und da dachte ich: Ist okay.

Mehr davon beim WDR.

Ausweis!

Alexander Gorkow war beim Madonna-Konzert in Manhattan und hat für die SZ einen herrlichen Text drüber geschrieben:

Und wenn man im Madison Square Garden zwei gefälschte Budweiser für sich und die Begleitung bestellt, muss man die ID, also Papiere, dabeihaben.
 
„Hören Sie, ich werde in wenigen Wochen 40. Sie sind die erste Frau seit Jahrzehnten, die mich jünger schätzt statt älter. Sie sind großartig. Aber geben Sie mir jetzt bitte das Bier?“
„Zeigen Sie mir Ihre ID!“
„Sie glauben mir nicht, dass ich volljährig bin? Sie sind so wundervoll.“
„Zeigen Sie mir Ihre ID!“
„Meine ID ist im Hotel. Wie soll ich die ID holen? Haben Sie den Regen erlebt?“
„Zeigen Sie mir Ihre ID!“
„Sie halten mich für 19 oder so was? Auch Sie sind sehr attraktiv. Und bitte geben Sie mir jetzt die zwei Budweiser?“
„Zeigen Sie mir Ihre ID!“
„Geht auch mein Führerschein?“
„Sure, man… cool.“
 
Jedes Mal, wenn man nach New York kommt, denkt man: Yep, wieder sind sie eine Spur bekloppter als letztes Mal.

Neues aus der Wortspielhölle

Was Wortspiele angeht, sind die Redakteure der Sun immer wieder ganz weit vorne.

Robert Gernhardt gestorben

Einer der Besten ist tot. Die Titanic hat ein Kondolenzbuch.
(Abbildung geklaut bei Ben Scheubeck)

Überall Schwarz-Rot-Gold

Der Überschwang, mit dem derzeit vielerorts geflaggt wird, hat schon was von Kindern aus strengem Hause, die sich nach Jahren vernunftbegabter Mäßigung beim ersten McDonald’s-Besuch völlig überfressen. Die Opportunisten werden nach der ersten Niederlage ans Einrollen denken, bei Finalteilnahme wird das Symbol vom Ereignis nachhaltig geadelt werden. Ist doch hübsch, dass die Nazis sich eh schon für die Reichskriegsflagge und ähnlich Erbrochenes entschieden haben, da kann das Burschentuch positiv aufgeladen werden.

Friedrich Küppersbusch in seiner wöchentlichen (und stets lesenswerten) taz-Kolumne.