Linkomat: Gesammeltes Zeug vom 18.02.2013 bis 03.03.2013

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Auf DVD: Métal Hurlant Chronicles (Schwermetall Chronicles)

metalhurlant
Das französische Comicmagazin Métal Hurlant, gegründet 1975, gehört zu den wichtigen Wegmarken der Comicgeschichte, nicht nur weil dort die ersten Comics erschienen, die Jean Giraud unter seinem Pseudonym Mœbius schuf. Die Anthologie, die sich an erwachsene Leser richtete, enthielt überwiegend Geschichten aus dem Science-Fiction- und Fantasy-Genre und bediente sowohl die trashigen Wurzeln dieser Gattungen als auch avantgardistisch-künstlerische Ambitionen. In Frankreich wurde das Magazin 1987 eingestellt, ehe es 2002 noch einmal für zwei Jahre wiederbelebt wurde. In dieser zweiten Phase verstand sich Métal Hurlant als “transatlantisches” Projekt, erschien parallel in Europa und den USA und enthielt Kurzgeschichten von Autoren und Zeichnern aus beiden Kontinenten.

Aus dieser Epoche stammen die Episoden, die nun für eine Fernsehserie adaptiert worden sind. In Frankreich lief sie auf dem Sender France 4, bei uns erscheinen sie direkt auf Blu-Ray und DVD. Wie die Zeitschrift funktioniert auch die TV-Serie als Anthologie, enthält also einzelne, in sich abgeschlossene Geschichten, die nicht miteinander verbunden sind. Als einziges Bindeglied dienen die Reste des Planeten Schwermetall, die – wie in der pathostriefenden Einleitung jeder Episode verkündet wird – “schreiend vor Schmerz und Verzweiflung für immer ziellos durch Zeit und Raum treiben”.

Weiterlesen bei Comicgate.

tl;dr: 6×25 Minuten Lebenszeitverschwendung.

Im Kino: Django Unchained

djangounchained

Nein, das wird keine Rezension. Nennen wir es unzusammenhängende Schwärmerei.

Ich habe den neuen Tarantino sehr genossen und weiß jetzt schon, dass ich mir den sicher noch mehrmals ansehen werde. Ein herausragender Film, der nicht nur während des Kinobesuchs sehr viel Freude macht, sondern auch danach. In Django Unchained lässt sich auf irrsinnig vielen Ebenen Interessantes und Faszinierendes finden: Die Schauspielerei, die Musik und ihre Auswahl, die Sprache, die Namen, die vielen großen und kleinen, versteckten und offensichtlichen Gags und Hinweise …

Es steckt enorm viel drin in diesem Film und das beginnt schon beim Versuch, die richtige Schublade für ihn zu öffnen. Django Unchained ist (Spaghetti-) Western und Blaxploitation, Sklavendrama und Vaudeville, Satire und Racheepos, Blutbad und Slapstick, Historienstück und Komödie. Alles auf einmal. Und es funktioniert. Wo man sonst oft das Gefühl hat, ein Film könne sich nicht für eine Tonlage entscheiden, rutscht Django ständig von einer Tonlage zur anderen, und zwar auf eine selbstverständliche Art, die extrem souverän wirkt.

Ich teile auch nicht die Ansicht, dass dieser Film  ”just another Tarantino” ist, der all die bekannten Manierismen des Regisseurs erneut abspult. Die stilistischen QT-Trademarks  (Schrifteinblendungen, “cooler” Soundtrack, Sprünge in der Chronologie) werden eher zurückhaltend oder gar nicht eingesetzt. Django ist zwar auf eine Art “typisch Tarantino”, bietet aber sehr viel mehr als bloßes Selbstzitat.

Zu den Highlights des Films gehört sicher die in epischer Breite zelebrierte Dinnerszene im Anwesen des Plantagenbesitzers Candie (tolle Rolle für Leo di Caprio!). Tempo und Action werden hier extrem reduziert, der Fokus liegt auf den Dialogen und auf der von gegenseitigem Misstrauen geprägten Spannung, die in der Luft liegt und immer mehr anzieht. Es ist klar, bald geschieht etwas – und je länger nichts geschieht, desto mehr steigt die Spannung. Eine tolle Sequenz, die von einigen als viel zu langatmig kritisiert wurde, aber ich finde: Das muss genau so sein. Denn umso wuchtiger entlädt sich der aufgebaute Druck in der anschließenden, nicht weniger grandiosen Shootout-Szene.

Überrascht war ich, wie witzig der Film über weite Strecken ist. Humor zieht sich sich hier, stärker noch als in den meisten anderen Tarantino-Filmen, von der ersten bis zur letzten Szene. Und er deckt ein sehr breites Spektrum ab: von witzigen Dialogen, dem Spiel mit der Sprache (King Schultz’ umständliches Englisch) über Klamaukiges (die Löcher in den selbstgenähten Ku-Klux-Klan-Kappen) bis zu visuellen Gags (der Zahn auf der Kutsche!) und schönen Gaga-Momenten (die Pferdedressur ganz am Ende).  David Brothers, der auf 4thletter! eine interessante Artikelreihe zu Django verfasst hat, schreibt dazu, der Humor diene hier, anders als in reinen Komödien wie der Mel-Brooks-Westernparodie Blazing Saddles, dazu, die Grausamkeiten des ernsten Themas Sklaverei erträglich zu machen:

Django’s funny because it’s needed to keep you pushing past the pain. Blazing Saddles is funny because it’s a comedy.

Was mich schließlich am meisten erstaunt, ist der große Kassenerfolg dieses Films in Deutschland (über 3 Millionen Besucher nach dem 4. Wochenende, die besten Zahlen, die ein Tarantino bei uns je hatte). Sind das alles Tarantino-Fanboys und gibt es davon so viele? Ist Christoph Waltz tatsächlich so ein Kassenmagnet? Spielen die Globes, Oscarnominierungen und ähnliche Preise eine Rolle? Liegt’s an der umfassenden Berichterstattung? Wahrscheinlich ein bisschen von allem, und trotzdem erklärt das für mich den Erfolg nicht. Django Unchained ist eigentlich kein Film für die Massen, kein Film für die Familie, kein Film für die Einmal-im-Jahr-ins-Kino-Geher, er ist keine Fortsetzung, keine Bestsellerverfilmung, und ist auch nicht in 3D.

Es freut mich ja, wenn so ein Film für ausverkaufte Säle sorgt. Aber Himmel nochmal: Wenn es tatsächlich möglich ist, dass ein so un-Blockbuster-hafter Film erfolgreich sein kann, warum geschieht sowas dann nicht viel öfter?

Linkomat: Gesammeltes Zeug vom 30.01.2013 bis 15.02.2013

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Linkomat: Gesammeltes Zeug vom 28.01.2013 bis 30.01.2013

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  • »Breaking Bad«, die Dänen und wir – Drama-Blog.de
    Drehbuchautor Thilo Röscheisen zum Unterschied zwischen deutschen und US-Serien und warum der Vergleich hinkt:

    Eine Serie wie “Breaking Bad” mit “Um Himmels Willen” zu vergleichen und in einer Tour zu lamentieren, wie viel schlechter letztere doch gegenüber der ersten ist, geht völlig an der Sache vorbei.

    Stattdessen vergleicht er das deutsche lieber mit dem dänischen Fernsehen, das ähnlich strukturiert ist wie unseres, aber bessere Serien hervorbringt.

  • Was mich so aufregt #aufschrei | Curi0usities
    Toller Aufrege-Text von Curi0us über die teilweise unsäglichen männlichen Reaktionen auf die #aufschrei-Sexismus-Debatte. (via e13Kiki)
  • Von Ängsten und wie man sie überwindet
    Der film-dienst über die thematisch verwandten Filme Coraline, Paranorman und Frankenweenie, “in denen Liebenswert-Komisches und Unheimliches eng beieinander liegen” und die Frage, was das für Altersfreigaben und Zielgruppen bedeutet.
  • Die deutsche Film-Blogosphäre: Übersicht der Beiträge « Real Virtuality
    Vor gut einer Woche hat Alex Gajic seinen Beitrag über die deutsche Film-Blogosphäre veröffentlicht. Inzwischen wurde er noch durch etliche Einzelinterviews mit Filmbloggern ergänzt. In dieser Übersicht sind sie ebenso verlinkt wie Reaktionen in anderen Blogs und lesenswerte Kommentare. Außerdem gibt’s noch einen eigenen Blogpost mit einer persönlichen Bilanz.

Im TV: Kalkofes Mattscheibe Rekalked

kalkofeIch mochte Oliver Kalkofe ja immer recht gerne, seine Mattscheibe begleitet mich schon seit den Tagen, als sie im unverschlüsselten Fenster von Premiere ausgestrahlt wurde. Wenn er zwischendurch weg war, fand ich es schade, und wenn er wieder kam (mal bei der ARD, mal bei Pro Sieben) freute ich mich. Seit letzten Herbst ist er bei Tele 5 gelandet und zeigt dort Freitags um 20 Uhr neue viertelstündige Episoden der Mattscheibe.

Am Konzept hat sich nichts geändert: Kalkofe zeigt kurze Ausschnitte aus den schlimmsten Niederungen des Fernsehwahnsinns (gerne auch aus den Regionen, die auf einer umsichtig belegten Fernbedienung gar nicht vorkommen: Shopping-, Astro- und Bibelsender) und kommentiert diese im Anschluss. Entweder verkleidet als Oliver Kalkofe (Smoking und rosa Fliege) oder verkleidet als der oder die Protagonisten des eben gesehenen.

Mit 15 Minuten haben die neuen Folgen genau die richtige Länge – zum einen, weil man so ausreichend Material findet, ohne endlos strecken zu müssen, zum anderen, weil man die Sendung in längerer Form kaum aushalten würde.

Und das liegt nicht nur daran, dass viele der Ausschnitte, die hier gezeigt werden, körperliche Schmerzen verursachen, sondern auch an Kalkofes Kommentaren. Die nämlich bewegen sich auf einem Niveau, das auf Dauer mindestens genau so anstrengend ist wie die Clips, auf die sie sich beziehen. Die Beiträge scheinen von einem Schreibroboter verfasst zu sein, der so programmiert ist, dass in jedem, wirklich JEDEM Beitrag mit irgendeiner Körperfunktion gewitzelt werden muss. Machen Sie einen Selbstversuch und klicken Sie auf einen beliebigen dieser Clips. Es wird ganz sicher irgendwas mit Pipi, Popo oder Pupsen vorkommen. Falls nicht, kommen die Ersatzvokabeln “einweisen” oder “Geschlossene” zum Einsatz.

Kann sein, dass das immer schon so war und ich es nur nie gemerkt hatte. Inzwischen nervt es jedenfalls. Zumal die Schauspielerei nicht Kalkofes größtes Talent ist. Und dann ist da noch der Umstand, der immer dann zum Tragen kommt, wenn er sich jener Trash-TV-Sendungen annimmt, in denen Leute ausgestellt und vorgeführt werden. Zwar betont der Brachialkritiker in Interviews immer wieder, dass er nicht möchte, dass diese Fernsehopfer ein zweites Mal bloßgestellt werden, aber er tut es dann eben doch, wenn er einen Bauer sucht Frau-Kandidaten oder die käsesüchtige Mutter aus einer Scripted-Reality-Serie noch einmal imitiert.

Was ich mir bedeutend lieber ansehen würde: Eine Version der Mattscheibe ganz ohne Kalkofes Kommentare. Ich finde es toll, dass jemand solche Gaga-Perlen wie die “Kinderstunde” im katholischen K-TV ausgräbt und zeigt (hier ab Minute 1:00, kurze Ausschnitte ziehen sich durch die ganze Sendung). Ich brauche dazu aber keinen Onkel, der mir erklärt, wie doof das ist – das spricht so sehr für sich selbst, dass jedes Wort darüber schon eines zu viel ist.

Linkomat: Gesammeltes Zeug vom 23.01.2013 bis 26.01.2013

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Auf DVD: The Amazing Spider-Man

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Es ist grade mal fünf Jahre her, dass Sam Raimi mit dem (leider eher verunglückten) dritten Teil seine Spider-Man-Trilogie abgeschlossen hat. Eigentlich sollte Raimi noch einen vierten drehen, was  sich dann aber zerschlug, weil man kein vernünftiges Drehbuch zusammenbrachte. Und was macht Hollywood in so einem Fall? Fängt wieder von vorne an.

Nun ist so ein Reboot inzwischen nichts Neues mehr – in den amerikanischen Comics, wo die Spinne ja herkommt, kennt man das schon lange und auch im Kino gewöhnt man sich langsam daran (Tobias Kniebe beschrieb das zum Kinostart von ASM sinngemäß so, dass Blockbusterfilme vielleicht bald da hinkommen, wo Oper und Klassik schon lange sind: Es werden immer wieder die gleichen Werke aufgeführt, nur mit unterschiedlichen Nuancen, wirklich neue Werke sind nur was für die Avantgarde).

Ungewohnt an diesem Reboot ist vor allem, dass er so schnell kommt, und nicht erst nach 10 oder 20 Jahren. Und dass sich die erzählte Geschichte tatsächlich nur wenig von der unterscheidet, die Raimi erzählt hat. Klar, es gibt andere Gegner für Spider-Man und sogar eine andere Freundin – aber der Kern der Story ist genau der gleiche wie eh und je: Schul-Außenseiter, Spinnenbiss, huiuiui, Onkel tot, Verantwortung!!!, Verbrecherjagd. Im Vergleich zur ersten Trilogie wirkt Amazing ein bisschen düsterer und urbaner. Peter Parker soll ein bisschen Street-Level bekommen, indem er seine Spinnentricks als Erweiterung gängiger Skateboarder-Moves einstudiert. Einen komplett neuen Ton bekommt der Film aber nicht. Ein geschickter Cutter könnte einzelne Szenen aus Raimis erstem Spider-Man problemlos in diesen Film schneiden, ohne dass es weiter stören würde (und umgekehrt). Probiert das mal mit den Batmans von Nolan und Burton und ihr wisst, was ich meine.

Ein Reboot ergibt halt nur dann Sinn*, wenn man mit dem altbekannten Stoff auch etwas Neues anzufangen weiß. Nolan hat Batman wirklich neu interpretiert, seine Filme sind, wenn man so will, eine Coverversion – der neue Spider-Man ist nur Karaoke. Das ist besonders schade, weil man zunächst auf Besseres hoffen durfte: Regisseur Marc Webb hat mit (500) Days of Summer die schönste Indie-Romanze der letzten Jahre hingelegt, da konnte man schon erwarten, dass er dem Wandkrabbler ein paar frischere Nuancen verschafft. Immerhin bekommt er in den schüchternen Annäherungsszenen zwischen Peter Parker und Gwen Stacy ein paar schöne Sequenzen hin (auch weil Andrew Garfield und Emma Stone ihre Rollen gut spielen, obwohl sie natürlich viel zu alt sind, um noch als 17 durchzugehen).  Aber in den actionlastigen Abschnitten und beim 3D-Effekt weiß er keinerlei eigenen Akzente zu setzen, das ist alles x-fach gesehene Standardkost.

Das gilt auch für das Drehbuch, das von Anfang bis Ende “Hollywood by the numbers” ist und an wirklich gar keiner Stelle zu überraschen weiß. Humor und Augenzwinkern wurde großflächig getilgt (wohl um den leicht düsteren Grundton nicht zu beschädigen), außer ein paar flotten Spidey-Sprüchen ist der Film eine bierernste Angelegenheit und man vermisst schmerzlich eine Figur wie den Chefredakteur J. Jonah Jameson, der in Raimis Trilogie sehr wichtig für den Humorfaktor war.

Und dann ist da noch der Schurke, der mal wieder meine Theorie bestätigt, dass Superheldenfilme immer so gut oder schlecht sind wie der jeweilige Hauptgegner des Helden. Rhys Ifans spielt den Wissenschaftler Dr. Curt Connors als fast schon parodistisches Abziehbild des “mad scientist”-Klischees, ohne Esprit, ohne Tiefe, ohne gar nix. Nicolas Cage hätte es nicht schlechter machen können. Und auch wenn er digital zu seinem Superschurken-Alter-Ego, dem Lizard, mutiert, wirkt die Figur weder richtig bedrohlich noch sonstwie interessant.

Mag sein, dass man den Film positiver bewerten würde, wenn er die erste Spider-Man-Verfilmung wäre. Eine totale Gurke ist er nämlich nicht. Aber wenn man erst kurz davor eine sehr ähnliche und obendrein bessere Version gesehen hat und parallel im Kino weitaus gelungenere Superheldenfilme geboten werden, ist Amazing Spider-Man lediglich verzichtbares Mittelmaß.

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* künstlerisch. Kassentechnisch macht auch dieser Reboot bestimmt  Sinn.