Linkomat: Gesammeltes Zeug vom 07.01.2014 bis 16.01.2014

Empfehlenswerte Links aus meinem Internet:

  • Lothar Matthäus: Interview über Taktik, Trainer, DFB, FC Bayern – SPIEGEL ONLINE
    Wenn man mit Lothar Matthäus mal wirklich über Fußball spricht, anstatt ihn nur seine Joghurts im Kühlschrank anordnen zu lassen, dann entsteht daraus ein erstaunlich fundiertes, sehr lesenswertes Fachgespräch.
  • The Ruud & Jonas Show on Vimeo
    Acht sehr kurze Animationsfilmchen zum Thema “Lust & Liebe”. Mal albern, mal charmant, mal witzig, mal eher dooof, aber meistens originell. Mein Favorit ist der hier:
  • #2013 – Coffee And TV
    Ein nett zu hörender Audio-Jahresrückblick mit Friedrich Küppersbusch. Den Kindern geht’s gut, der Gattin auch, ansonsten zeichnet Küppersbusch ein eher düsteres Bild von Politik und Gesellschaft 2013. Vor allem die Gedanken zur Bundestagswahl und ihrem Ausgang fand ich recht interessant.

Geguckt im Dezember

IM KINO:

insidellewyndavisInside Llewyn Davis von Joel und Ethan Coen
Die tragikomische Geschichte vom Scheitern des Folkmusikers Llewyn Davis (“Lou N. Davis? What does the N stand for?”) hat mal wieder alles, was Coen-Filme so großartig macht. Fein komponierte Bilder, geschliffene Dialoge, interessante Hauptfiguren und überaus skurrile Nebenfiguren. Und Metaebenen, die zum wiederholten Gucken einladen. Diesmal gibt’s weniger Gewalt, dafür aber Katzencontent. Hat sich spontan in die Top 3 meiner Lieblings-Coens gedrängelt.

Blancanieves (Blancanieves – Ein Märchen von Schwarz und Weiss) von Pablo Berger
Eine Schneewittchen-Variation als schwarz-weißer Stummfilm, angesiedelt im Spanien der 1920er Jahre. Wirklich toller, sehr sehenswerter Film mit Drama, Humor, Spannung, toller Musik und guten Schauspielerleistungen, der wohl noch mehr eingeschlagen hätte, wenn The Artist das Stummfilmding nicht schon vorher aus der Versenkung geholt hätte (auch wenn Pablo Berger schon längst an seinem Film gearbeitet hat, ehe er von The Artist erfuhr).
 
The Hobbit: The Desolation of Smaug (Der Hobbit: Smaugs Einöde) von Peter Jackson
Kann schon sein, dass mittlerweile ein bisschen die Luft raus ist. Dass Peter Jackson nur noch “more of the same” bietet. Und ganz sicher ist auch dieser zweite Teil viel zu lang: Fast jede einzelne Szene hätte man ohne echte Verluste um ein Drittel kürzen können. Ein richtig guter Film ist The Desolation of Smaug eher nicht geworden, aber in Sachen Überwältigungskino sind Jacksons Mittelerde-Filme immer noch der Goldstandard. Ich schaue da einfach gerne zu, freue mich über liebgewonnene Figuren, tolle Settings, prächtiges CGI und gutes Schauspiel (Martin Freeman!), nehme den Film als Vergnügungspark-Tour mit Achterbahn und Wildwasserfahrt und verzeihe ihm mühelos all seine Schwächen.
 
AUF DVD (Presse-Screener):
 
Alois Nebel von Tomás Lunák
Im Feuilleton kam diese Rotoskop-Trick-Verfilmung der ebenfalls vom Feuilleton gelobten tschechischen Comicserie sehr gut an. Bei mir klickte es irgendwie nicht, ich fand keinen rechten Draht zu diesem Film. Seltsamerweise betont fast jede Besprechung, wie toll hier das Tabuthema Vertreibung behandelt wird. I beg to differ: Wer nicht schon vorher ein wenig Hintergrundwissen hat, bekommt von diesem Themenaspekt kaum etwas mit, und eine echte Auseinandersetzung mit dem Thema findet im Film nicht statt. Meine Rezension bei Comicgate bemüht sich um eine möglichst objektive Sicht, ich weiß nicht, ob das gelungen ist.
 
VOM FESTPLATTENRECORDER:
 
Aufschneider von David Schalko
Ganz ganz großartiger österreichischer TV-Zweiteiler von 2010, geschrieben von Austro-Mastermind David Schalko zusammen mit Josef Hader. Die hohen Erwartungen, die die Kombination dieser beiden Namen schafft, wird voll erfüllt in dieser tiefschwarzen Komödie, in der Hader den misanthropischen Pathologen Dr. Fuhrmann spielt, einen Kotzbrocken vor dem Herrn. Es gibt Irrungen und Wirrungen um den verhassten Chef-Chirurgen, der ein Verhältnis mit Fuhrmanns Exfrau hat, den neuen jungen Kollegen, der ein Verhältnis mit Fuhrmanns Tochter hat, die Kollegin, deren Vater obduktionsbereit im Kühlfach liegt, und die beiden Assistenten, die zusammen mit einer diabolischen Meret Becker einen illegalen Organhandel betreiben. Der Plot hangelt sich stets sehr nahe am Klischee entlang, unterläuft aber immer wieder auch die Erwartungen. Viel wichtiger sind ohnehin die Figuren, die von einem 1A-mit-Stern-Ensemble gespielt werden und zu großen Teilen geradewegs aus einem Coen-Film stammen könnten. Außerdem lernt man, dass man in Österreich zum Chefarzt “Herr Primar” sagt. Drei Fernseh-Sternstunden (auch auf DVD erhältlich), für die ich gerne alle meine Rundfunkgebühren hinüber an den ORF schieben würde.
 
Majo no takkyûbin (Kikis kleiner Lieferservice) von Hayao Miyazaki
Sehr hübscher, angenehm ruhiger Kinderfilm aus dem Hause Ghibli von 1984, in dem die kleine Hexe Kiki von Zuhause weggeht, weil das in ihrem Alter alle Hexen tun, und versuchen muss, auf eigenen Beinen zu stehen. Auffällig ist, dass es im ganzen Film keinen echten Antagonisten gibt, diese Geschichte ist völlig frei von Bösewichten. Zu überwinden sind hier lediglich widrige Umstände wie das Wetter oder unfreundliche Vögel. Trotzdem ist der Film nie langweilig, man fühlt sich sehr wohl in dieser freundlichen Welt und schaut gerne zu. Heimlicher Star ist die namenlose Stadt, in der Kiki ihren Lieferservice gründet: eine sehr charmante Ansammlung von Europa-Klischees, bei der laut Wikipedia hauptsächlich Stockholm und Gotland Pate standen, mit wunderbaren Fantasienamen wie der Bäckerei Gütiokipänja.
 
AUF ANDEREN WEGEN:
 
Toy Story of Terror von Angus MacLane
Meines Wissens die erste direkt fürs Fernsehen gemachte Pixar-Produktion, ein 30-minütiges Halloween-Special von Toy Story. Lief auf ABC und war leider nur in der Grauzone des Netzes zu bekommen, einen legalen Stream oder eine DVD-Version konnte ich nirgendwo finden.  Hübscher kleiner Film, der Pixar-typisch alle Altersgruppen bedient und rein visuell nicht billiger oder schlampiger aussieht als die großen Kino-Produktionen, auch die prominenten Sprecher der Hauptrollen sind wieder an Bord.
Hier sind unsere bekannten Spielzeugfiguren auf Reisen (im Kofferraum ihrer Besitzer) und werden in einem Motel einquartiert, dessen gar nicht netter Inhaber nebenbei einen schwunghaften Online-Handel mit Spielzeug betreibt. Eine Hauptrolle hat dabei Combat Carl, eine G.I.-Joe-artige Actionpuppe, die schon in einem der Kinofilme am Rande auftauchte und hier erstmals ins Zentrum rückt. Für Filmbuffs besonders nett ist der Plüschigel Mr. Pricklepants, der eine Art Kommentartrack zum Film bietet, indem er, ähnlich wie bei Scream, stets darauf hinweist, was als nächstes passieren würde, wenn wir in einem Horrorfilm wären. Hier ein kurzer Trailer:

Zwanzig Dreizehn

Wie jedes Jahr: Mein kleiner Film- und Kino-Jahresrückblick in Fragebogenform.

Anzahl Kinobesuche 2013: 22. Minusrekord seit ich dieses Blog führe (auch, weil ich dieses Jahr so gar keine Lust aufs Fantasy Filmfest hatte)

Die drei Filme des Jahres: Gravity von Alfonso Cuarón, Inside Llewyn Davis von Joel und Ethan Coen, Django Unchained von Quentin Tarantino.

Den hätte ich gerne im Kino gesehen: Ich hab so viel verpasst, aus Zeit- und anderen Gründen. Aber das ist meine Schuld, die Verpassten hätte ich ja trotzdem sehen können. Schlimmer sind die Filme, die gar nicht erst ins Kino kommen. Zum Beispiel Mud von Jeff Nichols, von dem ich viel Gutes gehört habe, bei dem aber kein deutscher Kinostart in Sicht ist.

Den hätte ich lieber nicht gesehen: Richtig große Stinker habe ich nicht erwischt. Größte Enttäuschungen 2013 waren  Pixars Monsters University und Michel Gondrys Der Schaum der Tage.

Quälendste Filmminute: Deutlich länger als eine Minute, aber auf tolle Weise quälend: Die Dinnerszene in Django Unchained, in der sich ganz ganz langsam so einiges anstaut, das sich dann umso heftiger entlädt. Groß.

Entzückendste Filmminute: Justin Timberlake, Oscar Isaac und Adam Driver singen “Please Mr. Kennedy” in Inside Llewyn Davis.

Freudigste Entdeckung: Celeste and Jesse Forever von Lee Toland Krieger ist jene Sorte von super-charmanter US-Indiekomödie, von der es vor einigen Jahren noch viel mehr gab als heute. Mein Geheimtipp des letzten Jahres. Holt euch die DVD.

Abspann des Jahres: Iron Man 3

Leider hierzulande ziemlich untergegangen: Wie üblich laufen Animationsfilme, wenn es keine 3D-Tricksereien aus den großen Studios sind, in deutschen Kinos entweder gar nicht oder nur in der Nachmittagsschiene (weil Zeichentrick muss ja für Kinder sein). Galt auch für den letzten Ghibli-Film Der Mohnblumenberg. Aber immerhin kam er ins Kino, im Gegensatz zu Ame und Yuki von Mamoru Hosoda.

Überraschend gut: Das Einspielergebnis von Django Unchained in Deutschland. Verblüfft mich immer noch.

Völlig überflüssig: Wiederaufführungen alter Filme, die nachträglich in 3D konvertiert wurden.

Why the fucking Hype? Okay, ich bin nicht die Zielgruppe des Hunger Games-Franchise. Aber die Reihe wird ja nicht nur vom Teeniepublikum gut gefunden. Ich habe Teil 1 in diesem Jahr auf DVD geguckt, war absolut unterwältigt und kann die Faszination dieser Story nicht so recht verstehen.

Aus dem Film bin ich gegangen: Wie immer: aus keinem.

Aus dem Film hätte ich gehen sollen: Elysium fängt ziemlich gut an, wird dann aber spätestens nach einer Stunde zu einem stinklangweiligen Action-Baller-Film, der überhaupt nichts interessantes mehr zu sagen hat.

Hier hätte ich gerne mitgewirkt: Ich glaube, das Team, das bei Joss Whedon zuhause Much Ado About Nothing gedreht hat, hatte eine Menge Spaß.

Knutschen würde ich gerne mit: Carmen alias Schneewittchen (Macarena García) in Blancanieves. 

Schönster Filmsatz: “What the fuck does WTF mean?” (Simon Pegg als Gary King in The World’s End)

Liebste Filmkritik: Ich könnte hier wieder ein, zwei tolle Verrisse von Mark Kermode nennen (der hier zum Beispiel). Stattdessen weise ich auf einen anderen Podcast hin, der 2013 neu startete und  den ich sehr gerne und regelmäßig höre: Im Kontroversum quatschen Leute, die gerade an der richtigen Nahtstelle zwischen Fan und Fachmann stehen, über ihre zuletzt gesehenen Filme. Gutes Format, schön breites Spektrum, bitte weitermachen!

Ich fürchte mich vor: Noah von Darren Aronofsky.

Ich freue mich auf: Scorseses The Wolf of Wall Street, The Grand Budapest Hotel von Wes Anderson,  The Boxtrolls aus dem Hause Laika, und auf das Zusammentreffen der beiden X-Men-Timelines in Days of Future Past. Und ich glaube, auch auf The Lego Movie darf man sich freuen.

Die Fragebögen der Vorjahre: 201220112010200920082007 und 2006.
Wer Lust hat, darf diesen Fragebogen natürlich gerne selbst ausfüllen.

Linkomat: Gesammeltes Zeug vom 12.12.2013 bis 19.12.2013

Empfehlenswerte Links aus meinem Internet:

Linkomat: Gesammeltes Zeug vom 25.11.2013 bis 05.12.2013

Empfehlenswerte Links aus meinem Internet:

  • Das Pop-Tagebuch von Eric Pfeil – Rolling Stone
    Vor etwas mehr als einem Jahr wurde Eric Pfeils tolles Pop-Tagebuch auf der FAZ-Website eingestellt. Dass er seitdem das Gleiche beim Rolling Stone weiterführt, hat mir niemand gesagt. Da musste schon Johnny Haeuslers Spreeblick-Talk bei Flux FM kommen, bei der Pfeil zu Gast war. Und da habe ich dann auch gleich noch erfahren, dass er gerade sein erstes Album herausgebracht hat.
  • In eigener Sache: „Das Netz 2013-2014 – Jahresrückblick Netzpolitik“ erschienen
    Das ist gleich in doppelter Hinsicht hochinteressant: Einmal inhaltlich (auch was die Namen der Autoren angeht), zum anderen was die Veröffentlichungsform angeht. Es gibt “Das Netz” als (relativ teures) gedrucktes Magazin, als preisgünstiges E-Book, als kostenlose Browserversion und später auch noch in Form einzelner Blogbeiträge. Finde ich super: den Leuten Inhalte geben und sie selber entscheiden lassen, in welcher Form sie sie am liebsten haben wollen.
  • Advent 2013 | angedacht
    Die Adventskalenderitis hat das Web voll im Griff, so dass ich mittlerweile eine gewisse Abneigung gegen diese Form der Serie entwickelt habe. Diesen hier aber liebe ich: Heinz Kamkes Adventskalender mit gleich zwei kurzen Fußballgedichten pro Tag. Das erste kommt von einem Gastautor aus der Fußballblogosphäre, im zweiten stellt Gastgeber Kamke selbst seinen Gast in Reimform vor.
  • 42 und der ganze Rest: Per Anhalter durch die Douglas Adams-Galaxis | Langstrecke | Zündfunk | BR.de
    Die langen Radiofeatures des BR-Zündfunk sind meistens sehr hörenswert, deshalb empfehle ich diese Sendung über Douglas Adams schon jetzt, obwohl ich sie selbst noch nicht gehört habe. Direkt-MP3-Download hier.
  • Ich glotz TV | kino-zeit.de – das Portal für Film und Kino
    Auf der Filmwebsite kino-zeit.de, deren Schwerpunkt auf anspruchsvolleren Filmen (manche sagen auch Arthouse) liegt, gibt es nicht nur massig Rezensionen, sondern auch ein lesenswertes Blog namens B-Roll. Meine Lieblingskategorie darin ist “Ich glotz TV – Die wöchentliche TV-Schau”, die für jeden Tag der Woche ein paar Spielfilm-Highlights aus den Tiefen des Fernsehprogramms fischt.

Geguckt im November

IM KINO:

Thor – The Dark World (Thor – The Dark Kingdom) von Alan Taylor
Eigentlich ist Thor 2 kein wirklich guter Film. Die Story ist vollkommen hanebüchen und ein totaler Quatsch, über den man besser nicht zu lange nachdenkt, der Oberschurke bleibt im wahrsten Sinne des Wortes blass, und wie üblich bei derlei Popcorn-Spektakel ist das ganze auch wieder mindestens 20 Minuten zu lang. Trotzdem hat mir der Film sehr viel Spaß gemacht, vor allem deshalb, weil er sich selbst überhaupt nicht ernst nimmt. Das Augenzwinkern, ohne das die allermeisten Superheldenfilme eher peinlich wirken, ist hier durchgehend präsent. Manchmal schlägt das schon fast ins Alberne, was wohl manche Zuschauer auch stört, aber es sorgt für eine angenehme Erdung, wenn hier Götter und Halbgötter kosmische Konflikte austragen. Dass sich das Marvel-Film-Universum mehr und mehr ineinander verwebt, ist deutlich zu merken: Thor 2 schließt im Grunde nicht an Thor 1 an, sondern an Avengers. Trotzdem funktioniert der Film noch in sich als eine geschlossene Einheit, auch wenn es natürlich hilft, die beiden erwähnten Vorgänger zu kennen.

Eins noch: Ich muss Abbitte leisten bei Tom Hiddleston. Ich hatte zum ersten Teil behauptet, Loki bliebe “so blass wie nur irgendwas”. Das stimmt überhaupt nicht. Schon im ersten Thor war Loki der heimliche Star (beim zweiten Gucken ist mir das dann auch aufgefallen), bei den Avengers erst recht und auch in The Dark World gehören die Szenen mit dem fiesen Bruder zu den Highlights des Films. Sorry, Tom!

VOM FESTPLATTENRECORDER:

Captain America: The First Avenger von Joe Johnston
Zum Lückenschließen habe ich mir dann auch noch den letzten von inzwischen acht Filmen des Marvel Cinematic Universe angesehen, den ich noch nicht kannte. Auf Captain America hatte ich im Kino verzichtet, und ich kann jetzt sagen, dass das eine richtige Entscheidung war. Zwar macht Hauptdarsteller Chris Evans seine Sache gar nicht schlecht, der Plot ist ordentlich strukturiert und zuweilen schimmert angenehmer Humor durch.

Das behebt aber nicht die zwei Hauptptobleme, die ich mit dem Film habe. Erstens: Es ist nicht gut, wenn ein Schurke auf dem Bildschirm auftaucht, vor dem man Angst haben sollte, bei dem man dann aber jedes Mal in lautes Prusten ausbrechen muss. Der Red Skull gehört ganz klar zur Riege der Figuren, die in einem Comic ganz okay sind, in einem Realfilm aber plötzlich vollkommen lächerlich wirken. Zweitens: Zu etwa zwei Dritteln ist Captain America ein Kriegsfilm im Zweiten Weltkrieg. Und zwar einer der dooferen Sorte, in dem tapfere amerikanische GIs gegen gemeine/trottelige/bösartige Nazischergen kämpfen. Nicht nur ist es problematisch, wenn so ein Krieg unreflektiert als Background für leichte Hollywood-Unterhaltung herhalten muss, es ist auch unfassbar langweilig. Wirklich interessant wird Cap eigentlich erst in der Post-Credit-Szene, wenn der Held 70 Jahre später in unserer Gegenwart aufwacht und von S.H.I.E.L.D.-Chef Nick Fury begrüßt wird. Hmm, wahrscheinlich will ich Teil 2 dann doch wieder sehen …

Under the Dome, Season 1
Auf dem Papier klang diese US-Serie echt nicht schlecht: Die Vorlage, ein Stephen-King-Buch, hat eine interessante Prämisse, die ersten Bilder sahen vielversprechend schick aus, und der Showrunner ist Brian K. Vaughan, den ich als Comicautor sehr schätze. Die Pilotfolge von Under the Dome ist dann auch noch ziemlich gelungen, aber von da an wird es schwächer und schwächer. Klischeehafte Figuren, doofe Plotentwicklungen, mittelmäßige Schauspielerleistungen und generell ein Feeling, das allzu sehr an Lost erinnert, aber nicht im positiven Sinne. Die visuellen Spielchen mit der unsichtbaren und undurchdringlichen Kuppel, die die Stadt Chester’s Mill plötzlich von der Außenwelt trennt, waren noch der Aspekt der Serie, der mir am besten gefiel. Richtig schlimm sind dagegen die Antagonisten, die als Gegenspieler zu den Aufrechten und Ehrlichen unter den Bewohnern fungieren. Dean Norris, der in Breaking Bad noch so toll war, nervt als Kommunalpolitiker “Big Jim” von Folge zu Folge mehr, wird aber noch getoppt durch Maxine, eine männermordende Schurkin in Highheels, die als Figur so grob geschnitzt ist, dass sie direkt aus irgendeinem 80er-Jahre-Videothekenschlonz stammen könnte.

Ich hätte spätestens nach fünf Folgen abbrechen sollen, aber ich bin sehr schlecht im Aufhören, deshalb habe ich mich bis zur 13. Episode gequält. Staffel 2 muss dann aber wirklich nicht mehr sein.

AUF DVD:

premium-rushPremium Rush von David Koepp
Action auf Fahrrädern. Ein sehr gut gemachtes und hoch unterhaltsames B-Movie, das nicht viel mehr will, als mit hohem Tempo adrenalingeladene Action zu präsentieren und dabei abseits von gewohnten Pfaden zu wandeln. Die Story tut nicht viel zur Sache (und ist echt nicht die größte Stärke des Films), es geht um Kinetik und Spannung, wenn furchtlose Fahrradkuriere auf verwegenste Weise todesmutig durch den Verkehr von New York City heizen. Neben dem sympathischen Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt gefällt auch eine hübsche visuelle Idee des Films: Mehrfach hält der Film seine Erzählzeit sozusagen an und zeigt verschiedene Optionen, die die Hauptfigur mit ihrem Fahrrad nehmen könnte (linksrum, rechtsrum, hintenrum usw.). Schöner Gegenentwurf zu PS-Pornos à la Fast & Furious, der mir sehr gefallenn hat.

Tinker Tailor Soldier Spy (Dame, König, As, Spion) von Tomas Alfredson
Dass diese Verfilmung eines Romans von John Le Carré toll ist, war mir schon vorher klar, gehörte er doch zu den meistgelobten Filmen des Jahres 2012. Im Kino hatte ich den verpasst, jetzt konnte ich ihn endlich nachholen und wurde nicht enttäuscht. Toller Spionage-Thriller mit einer Besetzung vom Allerfeinsten, mit cleveren Plotverwicklungen und einer umwerfenden Ausstattung, die für das Gegenteil von James-Bond-Feeling sorgt. Die 70er Jahre sind hier nicht funky und glamourös, sondern staubig, bieder und graubraun. Graubraune Anzüge, graubraune Büroausstattung, graubraune Tapeten, graubraune Gesichter. Super.

Linkomat: Gesammeltes Zeug vom 10.11.2013 bis 20.11.2013

Empfehlenswerte Links aus meinem Internet:

Geguckt im Oktober

Lange her, dass hier das letzte Mal über die von mir geschauten Filme geschrieben wurde. Haut zur Zeit einfach nicht hin. Aber vielleicht probiere ich es mal in der Form eines solchen Monats-Postings (auch wenn das Monatsende auch schon wieder mehr als eine Woche …, aber lassen wir das) . Das hier habe ich im Oktober gesehen:

IM KINO:

gravity

Gravity von Alfonso Cuarón
Sandra Bullock und George Clooney lost in space. Als ich erstmals von dem Projekt gehört hatte, war meine erste Assoziation: “Open Water im Weltraum”. Diese Einschätzung war zwar nicht völlig falsch, wird Gravity aber bei weitem nicht gerecht.  Der Film will uns mitnehmen ins All, er will so nahe wie möglich ran an die Erfahrung, wie es ist, eine schwerelose Astronautin zu sein. Und das gelingt ihm so gut wie wohl kaum einem Weltraumfilm zuvor. Der Plot ist simpel, aber extrem ökonomisch und effektvoll erzählt: Ohne große Einleitung mittenrein, die Geschichte sehr spannend und tight, mehr oder weniger in Echtzeit. Und ein wunderbarer Schluss, der ohne großen Epilog punktgenau wieder aussteigt. Fast genau 90 Minuten, das hat man heute nicht mehr oft bei teuren Hollywood-Produktionen. Ich hatte direkt nach dem Kinobesuch getwittert:


Und “Kino” ist hier im doppelten Sinne gemeint: Gravity ist nicht nur als Film toll, sondern ganz explizit auch als Kinoerlebnis. Ich war hier über die volle Laufzeit wirklich gefesselt, und Cuarón hat bei mir das erreicht, was nicht mehr vielen Filmen gelingt: mich über 90 Minuten vergessen zu lassen, dass ich in einem Kinosaal sitze. Das hätte ziemlich sicher auch in 2D funktioniert, aber Gravity ist tatsächlich einer der wenigen Filme, bei denen mich 3D nicht gestört hat, sondern dem Film vielleicht tatsächlich dient. Die Bilder aus dem Weltraum sind überaus faszinierend, sie scheinen tatsächlich, als wäre der Film im All gedreht worden. Ich bin total neugierig auf ein “Making of”.
Ganz klar der Film des Monats. Wahrscheinlich auch mein Film des Jahres.

L’écume des Jours (Der Schaum der Tage) von Michel Gondry
Ich liebe den verspielten Stil von Michel Gondry, sein Abdriften ins Surreale, seinen Humor und sein Faible für Stop-Motion-Tricks. Umso enttäuschter war ich von seinen Ausflügen in den Hollywood-Mainstream, in denen sein spezieller Charme nur noch am Rande (Be Kind, Rewind) oder gar nicht mehr (Green Hornet) durchscheint. Ich hegte also große Hoffnung in diesen Film, in denen Gondry wieder zurück zu seinen filmemacherischen Wurzeln gehen wollte. Und tatsächlich hat er Spielereien und Spinnereien ohne Ende hineingepackt: Cocktail-mixende Klaviere, lustige Wolken-Gondeln, Aale aus dem Wasserhahn, merkwürdig designte Autos und generell eine Welt, die gleichzeitig hübsch retro und doch modern aussieht. Leider führt das alles zu nichts. Die zentrale Liebesgeschichte bleibt so uninteressant wie die Hauptfiguren, von denen wir nie erfahren, warum sie so sind wie sie sind. Sie sind egal, die Geschichte ist egal, und damit sind am Ende auch die surrealen Gimmicks egal, so nett sie auch gemacht sind. Man fühlt nicht mit, und das ist bei einer Liebesgeschichte natürlich fatal. Schade drum.

Mega Piranha von Eric Forsberg
Im Kino? Ja, und zwar im Friedrichshainer b-ware! Ladenkino. Dort drehten Oliver Kalkofe und Peter Rütten die Moderationen ihrer Tele-5-Trashreihe Die schlechtesten Filme aller Zeiten, und das Ladenkino feiert dies mit einem Public Viewing von jeder Ausgabe. Ein Berlinbesuch führte mich dorthin, als die Piranha-Trashgranate aus dem Hause Asylum gezeigt wurde, ein Scheißfilm in wirklich jeder Hinsicht. Schauspieler (Tiffany!), Dialoge, Skript, Effekte, alles fürchterlich und eigentlich ungenießbar. Allein zuhause halte ich solche Machwerke bestenfalls 10 Minuten lang aus. Mit einer 50-köpfigen Gruppe, die sich diesen Schrott gemeinsam halb fasziniert, halb erschrocken ansieht, macht es dagegen großen Spaß, so dass der oft bemühte Spruch “so bad it’s good” endlich einmal wahr wird.

VOM FESTPLATTENRECORDER:

[rec] von Jaume Balagueró und Paco Plaza
Billig produzierter Found-Footage-Horror aus Spanien, der enorm erfolgreich war und mehrere Sequels sowie ein US-Remake nach sich zog. Inhaltlich passiert hier wenig Bahnbrechendes und die ewige Wackelkamera nervt mindestens so sehr wie in allen anderen Filmen dieser Bauart auch. Und trotzdem funktioniert’s irgendwie – mir gefiel vor allem die räumliche Beschränkung auf ein einzelnes Mietshaus, aus dem es kein Entkommen gibt. Sein pessimistischer Ansatz (es gibt praktisch kaum eine Rettung, rundherum gibt’s nur Feinde und die Obrigkeit ist auch keine Hilfe) tut dem Film auch recht gut. Kann man also durchaus gucken, aber Fortsetzungen brauche ich dazu nicht mehr.

The Substance: Albert Hofmann’s LSD von Martin Witz
Doku über die Geschichte von LSD. Durchaus interessant, vor allem auch, weil LSD-Erfinder Hofmann kurz vor seinem Tod im Alter von 102 Jahren noch ausführlich selbst zu Wort kommt. Der Film wertet nicht, sondern gibt einen sachlichen Überblick über Entstehung und Anwendung der Psychodroge. Leider hatte Martin Witz an vielen Stellen den Drang, die Wirkung von LSD in Bilder zu übersetzen, so dass man hier viel zu oft wieder diese bunten Waber- und Kaleidoskop-Effekte zu sehen bekommt, die schon so viele Filme und TV-Sendungen über Musik und Kultur der späten Sechziger Jahre so schwer genießbar machen. Kann man sich ansehen, ein langer Artikel oder ein kurzes Sachbuch zum Thema wäre aber wohl genauso aufschlussreich.

Dreileben – Etwas Besseres als den Tod von Christian Petzold
Dreileben – Komm mir nicht nach von Dominik Graf
Dreileben – Eine Minute Dunkel von Christoph Hochhäusler
Das Dreierpack-Filmexperiment lief im Sommer 2011 an einem Abend in der ARD und schlummerte seitdem auf meinem Rekorder. Jetzt habe ich mir die Filme an einem Wochenende (einen pro Tag) angesehen. Die Idee hinter dem Projekt: Drei Regisseure erzählen davon, was sich rund um den Ausbruch eines Mädchenmörders aus der Psychiatrie ereignet – jeder auf seine Weise und aus unterschiedlichen Perspektiven. Jeder Film hat eigene Hauptfiguren, manche Figuren tauchen in zwei oder in allen drei Filmen auf. Im Vordergrund steht die Geschichte um den Ausbrecher nur im dritten Film (aber auch der ist eher kein klassischer Krimi). In den Beiträgen von Petzold und Graf dient sie nur als Hintergrund für ihre Geschichten, die zur gleichen Zeit spielen.

Am besten gefiel mir Etwas Besseres als den Tod von Christian Petzold, der von einer Liebesromanze zwischen einem Zivildienstleistenden und einer Einwanderertochter aus Osteuropa erzählt. Bei ihm geht es um Coming of Age, um das Leben in der tiefsten Provinz und die Sehnsucht nach der großen Welt. Gut gefilmt, ruhig und eindringlich erzählt und sehr gut geschauspielert.

Dominik Grafs Beitrag fand ich dagegen enttäuschend. Hier sehen wir eine Polizeipsychologin, die aus München an den Tatort, den fiktiven Ort Dreileben im Hinterland von Thüringen, gerufen wird. Sie schlüpft bei einem befreundeten Paar unter und dann wird geredet, geredet und geredet. Das fühlt sich an, als wäre man zu Gast auf einer Party, auf der man niemanden kennt. Es gibt zwar teuren Rotwein zu trinken, man muss aber den ganzen Abend anstrengenden Smalltalk zu Themen führen, die einen nicht interessieren, mit Leuten, die man nicht kennt und nicht mag. Schade, von Graf hätte ich mehr erwartet.

Der Abschluss von Hochhäusler konnte dann wieder halbwegs versöhnen. Hier steht tatsächlich der flüchtige Straftäter im Mittelpunkt. Er ist hier die Hauptfigur, nicht die Ermittler, wie das in den meisten Fernsehkrimis der Fall ist. Einige Leerstellen, die in den anderen beiden Filmen geblieben sind, werden hier geschlossen, so dass Eine Minute Dunkel tatsächlich als Abschluss der Trilogie zu sehen ist und als solcher funktioniert.

Als Gesamtheit ist das Experiment Dreileben kein ganz großer Triumph – jeder der drei Regisseure hat schon bessere Filme gemacht. Trotzdem ist es ein interessanter Versuch, der gerne mal wieder in ähnlicher Form aufgelegt werden kann. Es ist schon reizvoll, zu sehen, wie die Kulisse der waldreichen thüringischen Gegend von allen dreien ganz unterschiedlich in Szene gesetzt wird. Mal als fast märchenhaftes Idyll mit Abgründen (Petzold), mal als ganz klar verortete, miefige Kleinbürgerprovinz (Graf), mal als düsterer, gruselfilmartiger Hintergrund (Hochhäusler).