Auf DVD: Im Spinnwebhaus

spinnwebhaus

Sabine ist alleinerziehende Mutter dreier Kinder. Sie behandelt sie liebevoll, scheint aber überfordert zu sein, und es geht ihr nicht gut. Ihrem Ältesten, dem 12-jährigen Jonas, erklärt sie, sie habe große Angst vor „den Dämonen“ und müsse deswegen ein paar Tage weg. Solange sei er der Chef, er solle auf seine zwei Geschwister aufpassen und niemandem erzählen, dass die Mutter nicht da ist. So beginnt Im Spinnwebhaus, das Langfilmdebüt von Mara Eibl-Eibesfeldt. Nach einer Viertelstunde erst ist der oben abgebildete Titelschriftzug zu sehen, und ab diesem Moment taucht die Mutter (Sylvie Testud) nicht mehr auf. Die drei Kinder sind auf sich allein gestellt und Jonas versucht, ein halbwegs normales Familienleben aufrechtzuerhalten.

Anfangs ist dieses Ohne-Eltern-Sein auch ganz toll, abenteuerlich und voller neuer Freiheiten. Aber schon bald stellen sich etliche Probleme ein, denn die Mutter kommt nicht wie angekündigt zurück. Das Geld wird knapp, die Vorräte gehen zur Neige und das Haus verwahrlost zusehends. Die Kinder aber suchen nicht nach Hilfe, sondern machen weiter; irgendwie ist ihnen klar, dass das so sein muss. Erwachsene halten sie fern von ihrer Welt, mit Ausnahme von Felix, einem Jugendlichen von der Straße, der zu einer Art Komplize wird.

Der Film erzählt, in schicker Schwarz-Weiß-Ästhetik, seine Geschichte nicht als Sozialdrama, sondern eher wie ein Märchen. Er bleibt immer ganz nah an der Perspektive der Kinder und macht gelegentlich einen Schlenker ins Surreale. Ich hätte es schön gefunden, wenn Eibl-Eibesfeldt und Autorin Johanna Stuttmann dieses Irreale und Märchenhafte noch stärker ausgespielt und das Ende mehr in der Schwebe gelassen hätten. Stattdessen bekommen wir zum Schluss hin etwas zu viel erklärt und aufgelöst; die Kinder und mit ihnen die Zuschauer erfahren, was mit der Mutter los ist, und zwar mithilfe von Bildern, die man in diesem Zusammenhang schon allzu oft gesehen hat und die leider klischeehaft wirken. Da ist man dann doch wieder näher am konventionellen deutschen (Fernseh-) Film, als wohl beabsichtigt war.

Das ist aber ein verzeihlicher Ausrutscher. Sehenswert ist Im Spinnwebhaus allemal, vor allem wegen der drei jungen Hauptdarsteller, die den Film hervorragend tragen. Dass er konsequent aus deren Blickwinkel und ihrer kindlichen Logik erzählt, ist seine große Stärke. Auch was die Atmosphäre und den Look angeht, ist er etwas Besonderes. Die Stimmung wird fortschreitend düsterer und beklemmender, trotzdem bleibt immer ein Grundvertrauen darin, dass alles gut wird.

Ein gelungenes Beispiel also für die gerade in Deutschland sehr seltene Mischung aus Gegenwartsrealität und märchenhaften Elementen, wenn auch vielleicht etwas zaghaft. Wenn ich mir vorstelle, was etwa ein Guillermo del Toro aus dem Stoff gemacht hätte …

 

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Man sollte wieder öfter Links bloggen, hab ich mir gedacht. Darum wird hiermit eine zuletzt vor ca. zwei Jahren bediente Rubrik wiederbelebt: empfehlenswerte Links aus meinem Internet, ohne speziellen Themenfokus. Los geht’s: